Ratgeber Extra

Digitale Kompetenz – was ist das eigentlich?

Wie Beziehungsnetzwerke die Karrieren von Fach- und Führungskräften ankurbeln können

„Früher war es so, dass viele Mitarbeiter unter Informationsdefiziten litten. Für ihre Arbeit haben sie eigentlich nie genügend Informationen bekommen“, sagt der Informationsarchitekt Rene Sternberg. „Heute ist es umgekehrt. Die Menschen leiden an Informationsüberflutung. Fast jeder bekommt zu viele E-Mails. Dazu kommen die sozialen Medien wie WhatsApp oder Facebook. Unaufhörlich strömen Nachrichten auf uns ein.“ Die zentrale digitale Kompetenz eines Mitarbeiters besteht heute darin, aus diesem Strom die relevanten Informationen herauszufiltern.

Wer das beherrscht, hat gegenüber Mitbewerbern, die das nicht können, einen Vorteil. Der liegt nicht bei fünf oder zehn Prozent, sondern eher bei 50 Prozent, stellt Sternberg klar. Denn wer über diese Kompetenz verfügt, arbeitet schneller, findet besser die richtigen Ansprechpartner und ist zu richtigen Zeit am richtigen Ort.

Der beste Weg, um das zu lernen, ist das Ausprobieren. „Learning by doing“ heißt die Devise. Wer privat in sozialen Netzen aktiv ist, wird auch beruflich damit zurechtkommen. Ein weiterer Lernantrieb steckt im praktischen Nutzen und der Integration in den Alltag. Studien zeigen zum Beispiel, dass Rentner statistisch viel häufiger Whats­App nutzen als die Generation der 50-Jährigen. Der Grund ist so einfach wie banal: Es ist der beste Weg, mit den Enkeln in Kontakt zu bleiben.

Ein anderer Aspekt von Digitalkompetenz steckt im beruflichen Beziehungsnetzwerk, welches für Fach- und Führungskräfte schon immer ein Karriereturbo war. Was früher das kleine schwarze Adressbuch war, sind heute die Kontaktlisten auf Linkedin und Xing. Ein Arbeitnehmer, der den Job wechselt, bringt auch immer seine Kontakte mit. Jemand, der in seiner Freizeit aktiv zu Fachthemen bloggt oder in einschlägigen Foren oder Netzwerken aktiv ist, gewinnt oft einen Expertenstatus. Man vertraut ihm und hört über die Unternehmensgrenzen hinweg auf seinen Rat. „Steht das Unternehmen vor der Wahl, zwischen Kandidaten zu entscheiden, wird die digitale Kompetenz in Zukunft eine große Rolle spielen“, sagt die Berliner Karriereberaterin und Autorin Petra Barsch („Jobhunting“, Verlag Business Village, 2016). Sie ist sich sicher, dass klassische Bewerbungsstrategien immer weniger funktionieren. Diese Erfahrung kann Rene Sternberg bestätigen. Während er an seiner Doktorarbeit schrieb, begann er zu seinem Thema zu bloggen. Schnell stellte sich die Frage, wer das eigentlich liest und ihm wurde klar, das Facebook nicht reicht, sondern Twitter der Schlüssel zu einer größeren Reichweite ist. „So baut man sehr schnell digitale Kompetenzen auf“, stellt er rückblickend fest. Letztendlich hat ihn das auch zu einem passgenauen Arbeitsplatz geführt. „Ich habe zwei kurze Videos gedreht und klar gesagt, was ich kann und was ich will. Die habe ich auf meinem Blog veröffentlicht.“ So kam eine Reihe von Vorstellungsgesprächen zustande, die ganz anders abliefen als eine klassische Bewerbung. Denn die Gesprächspartner hatten schon einen sehr guten Eindruck von den Kompetenzen ihres Bewerbers. Für Rene Sternberg führte dieser Weg direkt zum Traumjob.