Berlin

Studie: Zu viele Kinder sind schlecht fürs Klima

Berlin. Eine wissenschaftliche Studie zur Klimabilanz des Menschen sorgt für Diskussionen: Forscher der schwedischen Universität Lund sind nach einer Erhebung zu dem Schluss gekommen, dass "weniger Kinder zu bekommen" die wirksamste individuelle Maßnahme gegen die globale Erwärmung ist. Außerdem könnten der Verzicht auf das Auto und Flugreisen sowie eine vegetarische Ernährung den Kohlendioxidausstoß des Einzelnen entscheidend verringern, schreibt das Team im US-Fachmagazin "Environmental Research Letters". Die Politik würde jedoch Maßnahmen vorantreiben, die weniger für den Klimaschutz bringen – Stromsparen und Recycling beispielsweise.

Auf Grundlage vergangener Studien machten die Wissenschaftler vier Hauptpunkte aus: Wer auf sein Auto verzichtet, kann demnach jährlich 2,4 Tonnen klimaschädliches CO2 sparen. Der Verzicht auf Flugreisen minimiere diesen um 1,6 Tonnen, eine fleischlose Ernährung um 0,8 Tonnen. Den mit Abstand größten Effekt habe jedoch der Verzicht auf mehr Nachwuchs, heißt es. Jedes Kind, das nicht in die Welt gesetzt werde, bedeutet laut Studie eine Einsparung von 58,6 Tonnen Kohlendioxid pro Jahr. "Eine US-amerikanische Familie, die auf ein Kind verzichtet, spart genauso viele Emissionen ein wie 684 Jugendliche, die für den Rest ihres Lebens strikt recyceln", schreibt Studienleiter Kimberly Nicholas.

Der deutsche Geobiologe Reinhold Leinfelder kritisierte die Ergebnisse in einem Facebook-Kommentar scharf. Zum einen sei es "überaus zynisch", ein Kind mit einem Auto zu vergleichen. Zum anderen sei die Überbevölkerung eine Standardausrede, nichts gegen den Klimawandel zu tun, bevor dieses Pro­blem nicht gelöst sei. Dabei mache nicht die Bevölkerungszahl, sondern der Lebensstil den Unterschied, so Leinfelder. Klimaforscher Mojib Latif vom Helmholtz-Zentrum äußerte sich im Deutschlandfunk ähnlich. Man solle sich besser um den Wohlstand aller Menschen kümmern – dann nehme auch die Bevölkerungszahl ab.

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