Spendenaktion

Tausende Hamburger Kinder haben keinen eigenen Schulranzen

Der erste Schritt in den Ernst des Lebens beginnt am besten mit einem Ranzen

Der erste Schritt in den Ernst des Lebens beginnt am besten mit einem Ranzen

Foto: A3216 Peter Kneffel / dpa

Eine Spendenaktion von Abendblatt und Budni soll helfen: "Jedem Kind ein Ranzen". Gebrauchte Exemplare dringend gesucht.

Hamburg.  Vor den Ferien ist nach den Ferien: Für die Eltern steht schon jetzt ein wichtiger Termin fest – die Einschulung ihrer Kinder im September. Das Ereignis wird inzwischen wie ein großes Familienfest gefeiert. Während die meisten Abc-Schützen stolz mit eigenem Schulranzen die Klassenzimmer betreten, gehen andere leer aus. Ihre Eltern haben nicht das nötige Geld, um 70 Euro und mehr für einen Ranzen auszugeben. Aus diesem Grund starten am heutigen Sonnabend die Hamburger Drogerie-Kette Budnikowsky und das Abendblatt die Spendenaktion „Guter Start für alle – Kein Kind ohne Ranzen zur Einschulung“. Dringend gesucht werden gebrauchte und gut erhaltene Ranzen.

Budni-Geschäftsführer Christoph Wöhlke: „Es ist wichtig, dass jedes Kind einen guten ersten Schultag hat. Da sollte kein Kind mit leeren Händen dastehen.“ Abendblatt-Chefredakteur Lars Haider betont: „Ich konnte gar nicht glauben, dass es so viele Kinder gibt, die in Hamburg ohne Ranzen zur Einschulung kommen.“

Schauspielerin Uschi Glas, deren Projekt „brotZeit“ 1200 Kinder in 32 Hamburger Schulen sowie im gesamten Bundesgebiet täglich mit einem Frühstück versorgt, unterstützt die Aktion. „Ich finde sie richtig gut, denn ich erlebe ständig, dass an unseren ,brotZeit‘-Schulen viele Kinder ohne Schulranzen zur Schule kommen und ihre Utensilien im Plastikbeutel haben“, sagte sie dem Abendblatt. „Dabei hebt ein eigener Schulranzen das Selbstwertgefühl und macht die Kinder glücklich.“

"Spürbare Entlastung"

Wenn die Lütten in den Ernst des Lebens starten, müssen die Eltern tief in die Tasche greifen. Nach Berechnungen des Hamburger Kinderschutzbundes kostet die durchschnittliche Schülerausstattung zum Schuljahresbeginn rund 300 Euro. Gerade in Hartz IV- und Flüchtlingsfamilien reicht dafür das Geld nicht. Experten schätzen, dass in Stadtteilen wie Jenfeld und Steilshoop zehn Prozent der Kinder keinen eigenen Ranzen haben. „Für die Eltern einiger Tausend Kinder dürfte es eine spürbare Entlastung sein, wenn ihr Kind einen noch gut gebräuchlichen Ranzen kostenlos erhält“, sagt Arnd Boekhoff, Vorstandsmitglied bei Hanseatic Help. Die Hilfsorganisation ist Partner der Spendenaktion von Budni und Abendblatt.

Die beiden Mädchen Shilan und Sharivan Muhi sind im Moment noch sechs beziehungsweise fünf Jahre alt. Wenn sie im September ihren ersten Schultag in der Grundschule Bramfeld haben, würden sie gern einen eigenen Schulranzen tragen. Aber ihr allein erziehender Vater Jalal, 32, hat dafür nicht das nötige Geld. Der Vater war mit seinen drei Kindern vor zwei Jahren aus den Bergen im Irak vor den IS-Schergen geflohen. Der IS hatte begonnen, das Volk der Jesiden zu morden. Die kleine Familie, deren Mutter im Irak zurückgeblieben ist, gehört zu dieser Religionsgemeinschaft und versucht nun, in Hamburg Fuß zu fassen.

Bildung ist die beste Voraussetzung dafür. „Die beiden Mädchen würden sich sehr über einen gebrauchten Ranzen freuen“, sagt Marion Kulisch. Die pensionierte Beamtin der Bundespolizei kümmert sich ehrenamtlich um die Flüchtlingsfamilie.

„Es gibt Hamburger Kinder, die sich über einen gespendeten Ranzen freuen, weil dafür das Geld in der Familie fehlt“, sagt auch Tobias Lucht, Leitender Sozialpädagoge bei der „Arche“. Das christliche Kinder- und Jugendwerk würde gern 15 gebrauchte Ranzen nehmen – für Flüchtlingskinder genauso wie für jene, die in Hamburg geboren und aufgewachsen sind.

Auch Stifte und Turnbeutel gesucht

Budni hatte bereits im vergangenen Jahr erstmals eine Sammelaktion gestartet. Damals kamen 2000 gebrauchte Exemplare zusammen. In diesem Jahr geht es nun in Kooperation mit dem Abendblatt weiter. Ab sofort stehen bis Mitte August im Eingangsbereich sämtlicher 182 Budni-Filialen sowie in der Geschäftsstelle des Hamburger Abendblatts (Großer Burstah 18–32) Sammelbehälter bereit.

Damit die Ranzen nicht leer bleiben, können dort auch neue Schulmaterialien wie Hefte, Stifte, Füller, Federtaschen, Turnbeutel, Brotdosen oder Trinkflaschen gespendet werden.

Budni-Mitarbeiter aus der Wandsbeker Zentrale werden außerdem 300 Schultüten selbst packen und spenden. „Die Aktion hat sich bereits im vergangenen Jahr bewährt“ erläutert Christoph Wöhlke. „Viele Hamburger nutzen gern die Chance, mit den Ranzen, die ihre Kinder nicht mehr brauchen, einem anderen Kind eine Freude zu machen.“

Budni organisiert den Transport der Spenden ins Logistikzentrum Allermöhe und von dort zum Aktionspartner Hanseatic Help e. V., der die Ranzen sortiert, reinigt und mit gespendeten Schulmaterialien an gemeinnützige Vereine, Schulen oder Kitas verteilt.

Bitte abgeben!

Spenden werden angenommen in der Abendblatt-Geschäftsstelle, Großer Burstah 18–32, Öffnungszeiten Montag–Freitag 9 –19 Uhr, sonnabends 10–16 Uhr, sowie in allen Budnikowsky- Filialen. Alle in Ihrer Nähe finden Sie im Internet unter: www.budni.de/filialen/