Theater-Tipp

Thees Uhlmanns Roman feiert Premiere

pielen: Anjorka Strechel, Joseph Reichelt, Stephan Möller-Titel (v. r.)

pielen: Anjorka Strechel, Joseph Reichelt, Stephan Möller-Titel (v. r.)

Foto: G2 Baraniak

Die Songs von Thees Uhlmann darf Regisseur Hans Schernthaner nicht in seiner Inszenierung des Uhlmann-Romans „Sophia, der Tod und ich“ verwenden. Beinah schade ist das, denn das wäre ja dann der Zirkelschluss gewesen: Mit Buch und Songs erobert der Ex-Hamburger und Schon-lange-Berliner die Bühne. Jetzt ist es eben lediglich das Buch, das zu Theaterehren kommt. In Altona, wo das auf Literatur-Adaptionen spezialisierte Altonaer Theater den Bestseller vom 30. April an auf den Spielplan setzt.

Keine schlechte Idee: „Sophia, der Tod und ich“, jene launige Revue durch die letzten Lebenstage eines mittelalten Mannes, den der Tod in Person aus dem Leben abholen will, ist fürs Theater geeignet. Viele Dialoge, rasante Szenenwechsel, eine Hauptfigur, die sympathisch ist – damit kann man was machen. „Bei den Fantasy-Szenen mussten wir uns aber etwas überlegen“, erklärt Schernthaner.

Und was sie sich da genau überlegt haben, um den Eigenheiten des Romans theatralisch beizukommen, möchte Schernthaner nicht verraten. Er lässt aber schon einmal durchblicken, dass er die meisten Dialoge nicht verändert hat – „um den lakonischen Witz eins zu eins zu übernehmen“, sagt Schernthaner. Man merkt, dass er das Buch mag und seinen Helden, den namenlos bleibenden Durchschnittstypen, für den das Schicksal ein frühes Ableben vorgesehen hat und bei dem der Tod buchstäblich anklopft. Auf der Bühne soll wie im Buch der Trip zum Sohn der emotionale Höhepunkt sein.

Nur beim Pathos, dieser spezifischen uhlmannschen Marotte, die gewollt ist, aber ganz schön nerven kann, weil Pathos irgendwann immer nervt, beim Pathos also hat Schernthaner nach eigenem Bekunden mitunter auch den Alarmknopf gedrückt. „Wir haben uns bemüht, auf jede Szene voller Pathos eine betont unkitschige folgen zu lassen“, erzählt er.

Was er an dem Stoff gut findet? „Man kann, wie der Held, dem Leben fatalistisch gegenüberstehen, man kann vom Leben gebeutelt sein – aber man kann und muss doch immer das Schöne in ihm sehen, darum geht es in Roman und Stück“, sagt Schernthaner, der schnell auf den Hauptdarsteller kam: Mit Stephan Möller-Titel hat er oft gearbeitet, in Altona zuletzt in „Die Känguru-Chroniken“, er schien ihm der Richtige, „er ist perfekt für diese sympathische Figur“.

Ein Held, der alles andere als ein Supermann ist – für Schernthaler eine ideale Gestalt, weil sich jeder mit ihr identifizieren kann. Und im Übrigen auch eine typische Uhlmann-Figur, möchte man meinen. In seinen Songs ist der Ex-Tomte-Chef vor allem früher als ein stets vor Nervosität, Gegenwartsekstase, sehr klaren Weltumarmungstendenzen geprägter, aber auch von morbiden Anwandlungen geplagter Zeitgenosse in Erscheinung getreten. Das Thema „Tod“ ist bei Uhlmann allgegenwärtig, im Roman hat er es auf komische Weise auf die Spitze getrieben. Schernthaner war mit dem Werk des Liederschreibers Uhlmann schon von früher her vertraut, zur Vorbereitung auf die Theaterregie hat er sich noch einmal voll in den Uhlmann-Kosmos gestürzt, mitsamt YouTube-Recherche nach den Musikvideos. Was er dabei wohl für die „Sophia, der Tod und ich“-Inszenierung an Inspiration mitgenommen hat?

„Sophia, der Tod und ich“ Premiere So 30.4., 20 Uhr, Altonaer Theater, Museumstraße 17, Restkarten ab 20 Euro unter T. 39 90 58 70, nächste Vorstellungen: 3.-6.5, Laufzeit bis 10.6.