Kino-Tipp

Arbeit? Nein danke!

Die Komödie „Happy Burnout“ geht trotz guter Besetzung meist auf die Nerven

Reden wir über deutschen Humor. Der deutsche Humor ist häufig derb. Und er neigt dazu, seine Figuren vorzuführen. Wie bei einer völlig überschminkten Frau werden die jeweiligen Charaktereigenschaften grotesk übertrieben, sodass man am Ende einen Haufen von Knallchargen hat. Wenn man Glück hat, ist das Überdrehte witzig. Läuft es schlecht, nervt es.

Bei der Komödie „Happy Burnout“ ging es weitgehend schief, da täuscht auch der englische Titel nicht darüber hinweg – diese Komödie ist im schlichtesten Sinne total deutsch. Und wenn der Hauptdarsteller Wotan Wilke Möhring für den Film wirbt, indem er in einem Boulevard-Blatt darüber schwadroniert, ob Männer über 50 noch eine Libido haben, dann muss die Verzweiflung schon groß sein. Dabei ist die Besetzung des Films doch eigentlich so vielversprechend.

Zum Inhalt: Der Dauer-Hartz-IVer und in die Jahre gekommene Punk Fussel (Möhring) kriegt Ärger beim Arbeitsamt. Dort werden die Langzeitarbeitslosen von externen Kontrolleuren nun genau unter die Lupe genommen: Was ist da los? So ein Typ wie Fussel ist doch gesund und munter, warum kann der nicht arbeiten gehen? Seine Sachbearbeiterin Frau Linde (Victoria Trauttmansdorff) hat ihn immer hübsch gedeckt und ihm seine beknackten Ausreden abgenommen. Nun bekommt sie Panik. Es muss schnell eine Erklärung her: Fussel hat ein Burn-out. Und kommt sofort in die Klinik.

Weil der Deutsche es ordentlich mag, passt jeder Charakter in eine Schublade

So weit, so – na ja – lustig. In der Schlossklinik trifft Fussel, der alles andere als ein Burn-out hat – woher auch? – auf allerlei andere Patienten. Und weil der Deutsche es recht ordentlich mag, passt jeder Charakter brav in eine Schublade: Der konkurrenzfixierte Geschäftsführer Anatol (Torben Liebrecht) gibt den Superkapitalisten, die Helikopter-Mami Merle (Julia Koschitz) ist superunentspannt, der Kinderclown Datty (Kostja Ullmann) hasst in Wahrheit Kinder, und Sonnenstudiobesitzer Günther (Michael Wittenborn) sagt zwei Drittel des Films nichts – das macht ihn zur interessantesten, weil am wenigsten eindeutigen Figur.

Dazu kommt die Therapeutin Alexandra (Anke Engelke), die zwischen Gefängnisaufseherin und Empathie-Mutti changiert. Fussels Fake-Burn-out wird von der Klinikchefin Dr. Gunst (Ulrike Krumbiegel) bald durchschaut. Aber weil Fussel angeblich besser als die Therapeuten an die schwierigen Patienten rankommt, darf er bleiben. Dabei ist Fussel alles andere als charmant und einfühlsam – grob, faul und von einer Ehrlichkeit, die sofort verletzend wirkt.

Die Gags zünden nicht, die Dialoge haben kaum Tempo. Und weil alles so überzeichnet daherkommt, nimmt man auch keinen Anteil am Schicksal der Patienten.

„Happy Burnout“ D 2017, 103 Min., ab 6 J., R: André Erkau, D: Wotan Wilke Möhring, Anke Engelke, Julia Koschitz, Kostja Ullmann, täglich im Abaton, Blankeneser, Cinemaxx Dammtor, Koralle, UCI Wandsbek; http://happyburnout-derfilm.de/