Ratgeber Extra

Alternativen zur Schulmedizin

Rezepte der heimischen Naturheilkunde wie auch altbewährte Methoden anderer Kulturen werden eingesetzt

Schmerzen im Hüftbereich machten Jennifer Stark beim Schlafen über Monate zu schaffen. Dann fand sie einen Heilpraktiker, der dem Problem mit Akupunktur ein Ende setzte. „Ich konnte es kaum glauben, aber die Schmerzen waren nach nur zwei Sitzungen verschwunden“, berichtet die Hamburgerin. So wie Jennifer Stark vertrauen sich immer mehr Menschen einem Heilpraktiker an. Das belegen verschiedene Studien und Umfragen der Stiftung Deutscher Heilpraktiker. Diese kommen unter anderem auch zu dem Schluss, dass Heilpraktiker-Patienten entgegen den Kritikern, die alternative Therapien als „Scharlatanerie“ und Placebo-Medizin einstufen, seltener krank sind.

Viele Patienten versprechen sich von der Naturheilkunde Hilfe bei hartnäckigen gesundheitlichen Problemen, bei denen Schulmediziner an ihre Grenzen stoßen. Dazu kommt die Skepsis gegenüber Medikamenten wie Antibiotika, der Wunsch nach verträglichen Therapien oder nachhaltigem Erfolg. In Deutschland dürfen nur Ärzte und Heilpraktiker die Heilkunde in eigener Verantwortung selbstständig betreiben. Heilpraktiker sind dabei auf verschreibungsfreie Heilmittel und die Therapieverfahren der Naturheilkunde beschränkt. Das bedeutet, dass sie einige Infektionskrankheiten nicht behandeln dürfen. Zudem dürfen sie keine Zahnheilkunde ausüben, keine Leichenschau durchführen, Geburtshilfe leisten oder Röntgenanlagen betreiben.

Die Selbstheilungskräfte des Körpers stärken

Ob Akupunktur, Ayurveda, Bioresonanztherapie, Feldenkrais-Methode, Reflexzonenmassage, Homöopathie oder Schüßler-Salze: Heilpraktiker bedienen sich vieler verschiedener Therapien und Diagnoseverfahren. Dazu zählen Rezepte der heimischen Naturheilkunde wie auch altbewährte Methoden aus anderen Kulturkreisen. Die Verfahren der Heilpraktiker basieren auch auf aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen der modernen Forschung, in jedem Fall aber auf klaren Prinzipien. Diese bestehen darin, die Selbstheilungskräfte des Körpers zu aktivieren und dadurch den Organismus wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Dabei werden der Körper, der Geist, die Seele und die Umwelt als ganzheitliches System angesehen. „Viele Patienten, die zu mir kommen, insbesondere Männer, haben zunächst Zweifel. Das ist völlig okay, zumal Zweifler oftmals spannende Fragen stellen. Die meisten Zweifel legen sich jedoch“, so die Erfahrung der Heilpraktikerin und Dozentin Ina Kollmorgen, die eine Praxis in Rahlstedt hat. Grundsätzlich müssten Patienten nicht an die Naturheilkunde glauben, um einen Heilpraktiker zu konsultieren, betont sie. Die Kunst liege darin, den Patienten auf seinem individuellen Weg zu begleiten, wobei meistens nicht nur ein Weg nach der Diagnose zum angestrebten Ziel führe. Daher arbeitet sie viel mit Ärzten zusammen, was wiederum das Vertrauen der Patienten oftmals enorm fördere.

Wie Renate Rathmann, die Erste Vorsitzende des Landesverbands Hamburg im Fachverband Deutscher Heilpraktiker (FDH), berichtet, lassen sich gesundheitliche Störungen oft schon mit guter Kenntnis von Heilpflanzen, Ernährung, Homöopathie, Ausleitungs- und Ordnungstherapie wieder ins Lot bringen. Schwerpunkte der Behandlungen durch Heilpraktiker seien zum Beispiel chronische und rheumatische Erkrankungen, Allergien und das große Spektrum der Beschwerden, bei denen sich Menschen krank oder in ihrer Leistungsfähigkeit eingeschränkt fühlen. In der Primärprävention, also vor dem Eintreten von Symptomen, kann die Naturheilkunde dazu beitragen, die Entstehung von Krankheiten zu vermeiden. Auch im Frühstadium bereits wahrnehmbarer Erkrankungen leistet sie gute Dienste, etwa beim Erkennen und Abbauen von Risikofaktoren.

Bei der Suche sollte man auf Empfehlungen hören

In Hamburg, einer Hochburg der Branche, gibt es mittlerweile rund 1000 Heilpraktiker. Ob man es mit einem versierten Experten zu tun hat, lässt sich anhand des Praxisschildes nicht erkennen. „Besser ist es, sich auf Empfehlungen zu berufen“, sagt der Hamburger Heilpraktiker Reinhard Naupert. Nimmt sich der Heilpraktiker genügend Zeit für die Erfassung? Beantwortet er Fragen zu Diagnose oder Therapie verständlich? Und klärt er über Dauer und Art der Behandlung sowie über die Höhe der anfallenden Kosten auf? Der FDH-Landesverband rät dazu, unter anderem diese Fragen zu stellen. Vorsicht sei geboten, wenn ein Heilpraktiker durch große Anzeigen oder spektakuläre Berichte auf sich aufmerksam macht. Ein Indiz für die Qualität des Heilpraktikers kann schließlich auch die Mitgliedschaft in einem Fachverband sein.

Bei der Wahl des Heilpraktikers spielt meistens auch die Honorarfrage eine Rolle. Die Kosten für eine einstündige Behandlung betragen rund 70 Euro. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen diese Kosten bis auf wenige Ausnahmen nicht oder nur anteilig. Anders sieht es bei den privaten Krankenkassen aus. Sie übernehmen in der Regel die Kosten für eine Heilpraktikerbehandlung. Es werden jedoch nicht immer alle Kosten übernommen, weshalb man vor der Behandlung Rücksprache mit seinem Versicherer halten sollte. Für Patienten, die regelmäßig einen Heilpraktiker aufsuchen, kann eine private Zusatzversicherung lohnend sein.

Weitere Infos zum Thema: www.heilpraktikerhamburg.de. Dort gibt es auch eine Suchfunktion zu weiteren Informationen.