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Dokumentation beleuchtet die Europa-Krise

Stefan Reckzegel

Europa – für immer mehr Menschen scheint dies nicht mehr die nach dem Zweiten Weltkrieg entstandene große Idee vom friedlichen Zusammenleben der Völker bis hin zur gemeinsamen Währung mitsamt Freizügigkeit zu sein. Anstelle von Einheit und Zusammenhalt sind in manchen Ländern jetzt Nationalismus, teils auch Völkerhass und Klassenkampf in den Vordergrund getreten.

Regisseur Christian Schuch und Cutte Reiner Krausz haben sich in ihrer Dokumentation „Europa – Ein Kontinent als Beute“ auf die Suche nach den Gründen gemacht. Eine mögliche Ursache der Zerrissenheit sehen sie in der globalen Finanzkrise von 2007/2008. Die ökonomischen und privatwirtschaftlichen Verflechtungen beleuchten sie ebenso kritisch wie die Macht großer Konzerne.

In ruhigen Bildern und konzentrierten Interviews lassen die Filmemacher den Historiker Daniele Ganser, Börsenmakler und Buchautor Dirk Müller aus Frankfurt am Main sowie den Europa-Politiker Fabio De Masi (Die Linke) die groteske Situation analysieren; andererseits berichten Aktivisten in Spanien und Portugal von dortigen korrupten Eliten und ihrem täglichen Kampf um lebenswerte Alternativen, von ungleichen Chancen und bescheidenen Hoffnungen.

Das ist lobens- und nachdenkenswert und facettenreich, weil es weiterreicht als eine tägliche und wöchentliche TV-Berichterstattung. Ganz frei von Suggestion ist ihr Film indes nicht, und auf die Frage, was sich ändern ließe, können auch sie keine Antwort liefern. Dennoch eine Bestandsaufnahme über Europa, die so noch nicht im Kino zu sehen war.

„Europa – Ein Kontinent als Beute“ D 2017,
78 Min., o. A., R: Christoph Schuch, im 3001

( str )

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