Mensch

Wie das Projekt „Joblinge“ Jugendlichen hilft, Arbeit zu finden

Die Initiative ermöglicht schwer vermittelbaren Bewerbern eine Ausbildung. Einer von ihnen ist Serkan Üstün

Voller Eifer poliert Serkan Üstün den Lack des silbernen Wagens. Der 20-Jährige liebt Autos, und die Ausbildung als Maler und Lackierer bei der BMW Niederlassung Hamburg ist für ihn wie ein Sechser im Lotto. „Hätte mir vor einem Jahr einer gesagt, dass ich hier arbeiten würde, hätte ich ihm einen Vogel gezeigt“, sagt der Billstedter und strahlt über das ganze Gesicht. Er ist ein sympathischer junger Mann, der sichtlich hochmotiviert ist. Letzteres hat Ausbildungsleiterin Melanie Nelius überzeugt, es mit Serkan zu versuchen. Auch wenn sein Hauptschulabschluss schlecht ist und er noch schulische Defizite hat. „Aber Serkan kämpft für sich und er holt sich Hilfe, wenn er etwas nicht weiß, das ist großartig“, sagt Melanie Nelius.

Vermittelt hat den Jugendlichen die Initiative Joblinge gAG Hanse, ein Projekt, das von Jobcenter team.arbeit.­hamburg unterstützt wird. Pro Jahr werden bei dem Projekt 80 junge Hamburger zwischen 17 und 25 Jahren sechs Monate lange intensiv von hauptamtlichen Mitarbeitern, ehrenamtlichen Trainern und Mentoren auf eine Ausbildung vorbereitet. Mehr als 70 Prozent der Teilnehmer haben einen Migrationshintergrund, viele gelten als schwer vermittelbar, einige kommen aus schwierigen sozialen Verhältnissen. Inzwischen gibt es auch etliche Flüchtlinge, die Joblinge sind.

Der Abendblatt-Verein „Kinder helfen Kindern“ unterstützt das Projekt von Anfang an und finanziert seit 2014 jedes Jahr mit 5000 Euro einen Jobling. Im letzten Jahr war Serkan der Stipendiat des Abendblatt-Vereins.

Er hatte allerdings anfangs nicht viel Motivation für das Programm gezeigt. „Ich dachte, das ist nur wieder eine Beschäftigungsmaßnahme des Jobcenters. Da hatte ich schon einige hinter mir“, sagt Serkan, dessen Eltern aus der Türkei kommen.

Mehr als 60 Bewerbungen hatte er nach der Schule an alle Autohäuser der Hansestadt geschrieben, nicht eines hatte ihn zumindest zu einem Gespräch eingeladen. „Ich hing ein Jahr lang nur rum, war echt deprimiert und hatte totalen Stress mit meiner Mutter“, erinnert er sich. Nur selten kam Serkan pünktlich zu den Seminaren von Joblinge. „Er war ziemlich unzuverlässig. Ich hatte echte Zweifel, ob er das Programm durchhält“, sagt seine Ausbildungsbegleiterin Susanne Linardatos.

Das änderte sich schlagartig mit dem Praktikum bei BMW, die ebenso wie 150 Hamburger Unternehmen das Projekt unterstützt. Serkan landete in der Halle von Werkstattmeister Martin Meier, der ihn unter seine Fittiche nahm und sein handwerkliches Talent erkannte. Der 20-Jährige machte das gleiche Testverfahren wie alle anderen Bewerber und setzte sich gegen die Mitstreiter durch. „Als Frau Nelius mich anrief, war das der glücklichste Tag meines Lebens“, sagt Serkan überschwänglich. Er ist Joblinge zutiefst dankbar. „Die haben mir so viel beigebracht und mich nicht aufgegeben. Wir haben gemeinsam Bewerbungen geschrieben. Bei denen habe ich mehr als in der Schule gelernt“, sagt der Azubi.

Rund 70 Prozent der Joblinge können in eine Ausbildung vermittelt werden. Jeder Jobling hat einen Mentor an der Seite. Wer unentschuldigt fehlt, wird abgemahnt, Anwesenheit ist Pflicht. „Wir wollen die jungen Leute ja auf die Ausbildung vorbereiten“, sagt Linardatos. Seit Serkan bei BMW ist, ist er nicht einmal zu spät gekommen. Jeden Morgen um 6 Uhr steht er auf und fährt eine Stunde mit Bus und Bahn nach Lokstedt. „Joblinge – das habe ich jetzt auch allen meinen Freunden empfohlen“, sagt er und poliert weiter.

Weitere Infos unter www.joblinge.de