Los Angeles

Beyoncé, die heilige Schwangere

Los Angeles. Einige große Namen gingen leer aus. Justin Bieber (22) etwa, der einstige Skandalsänger, oder Rihanna (28), obwohl sie achtmal nominiert war. Die beiden großen Gewinnerinnen der 59. Grammy-Verleihung, des wichtigsten Musikpreises der Welt, heißen dagegen Adele und Beyoncé.

Die Londoner Balladensängerin Adele (28) war auf der Bühne im Staples Center von Los Angeles die meistgefragte Person des Abends. Mit fünf Preisen überhäufte sie die Recording Academy, ein Zusammenschluss aus Musikern, Produzenten, Tontechnikern und anderen Musikprofis, der Jahr für Jahr im Februar die Grammys vergibt. Die Academy ernannte ihre Popballade „Hello“ zum besten Lied des Jahres und zur Aufnahme des Jahres. Aufsehenerregend war Adeles Auftritt zum Gedenken an den im Dezember gestorbenen George Michael. Sie wollte Michaels „Fastlove“ singen. Doch nach knapp einer Minute brach sie mit den Worten ab: „Ich weiß, es ist eine Liveübertragung, es tut mir leid, aber ich habe verkackt. Ich muss noch mal von vorne anfangen. Tut mir leid, dass ich geflucht habe, aber ich kann das nicht für ihn versauen.“ Das US-Fernsehen blendete ihren Fluch allerdings aus. Am Ende des von Streichern getragenen Vortrags standen Adele Tränen in den Augen, die Zuschauer applaudierten stehend.

Große Show,wenig Politik

Als Adele in der Königskategorie bestes Album erneut geehrt werden sollte, wirkte sie abermals emotional berührt. „25“ setzte sich damit gegen Beyoncés „Lemonade“ durch. Adele schluchzte auf der Bühne: „Ich kann das nicht annehmen. Die Künstlerin meines Lebens ist Beyoncé“, sagte sie, „Lemonade“ sei ein monumentales Album. Adele brach ihre Trophäe – ein kleines Grammofon auf einem gravierten Sockel – in zwei Teile und überreichte der in der ersten Reihe sitzenden US-Sängerin symbolisch die zweite Hälfte.

Die staunende Beyoncé hatte indes wenig Grund, sich übergangen zu fühlen. Die 35-Jährige gewann in den Nebenkategorien bestes zeitgenössisches Album und bestes Musikvideo („Formation“) und begeisterte die Zuschauer mit ihrem ersten Auftritt nach Bekanntwerden ihrer Zwillingsschwangerschaft. Bei ihrer Neun-Minuten-Show inszenierte sie sich als eine Mischung aus heiliger Jungfrau Maria und Fruchtbarkeitsgöttin mit Kugelbauch. In einem goldfarbenen Kostüm, mit riesigem Haarreif und großen Ohrringen legte die gebürtige Texanerin einen Auftritt mit Hologrammen und zwei Dutzend Tänzerinnen hin, die unter anderem an das letzte Abendmahl Jesu erinnerte. In ihrer Dankesrede sagte sie, dass sie sich für ihre Kinder eine Welt wünsche, in der diese keinen Zweifel daran haben, „schön, intelligent und kompetent“ zu sein. Das wolle sie für jedes Kind, egal welcher Herkunft.

Beyoncé, die Göttin des R&B. Im Vergleich zu ihr und Adele blieben die anderen Künstler eher blass. Metallica-Sänger James Hetfield (53) überspielte bei seiner Heavy-Metal-Performance mit Lady Gaga (30) Mikrofonprobleme. Bruno Mars (31) gab den verstorbenen Prince, zusammen mit dessen langjähriger Funk-Truppe Time. Eine späte Ehre wurde dem ebenfalls 2016 gestorbenen David Bowie zuteil. Sein Album „Blackstar“, zwei Tage vor seinem Tod erschienen, wurde in fünf kleineren Kategorien ausgezeichnet. Anders als auf der Golden-Globe-Verleihung vor einigen Wochen, als Meryl Streep (67) mit einer engagierten Rede US-Präsident Trump angriff, hielten sich die Grammy-Künstler mit politischen Bekundungen zurück.

Unter den Gewinnern war auch eine Deutsche: Die Opernsängerin Dorothea Röschmann (49) – eine gebürtige Flensburgerin mit Wohnsitz Hamburg – siegte mit ihrer Platte „Schumann & Berg“ in der Kategorie bestes klassisches Solo-Album.