Titel

Germany first, America second

Hollywood dreht US-Remake des Kinohits „Toni Erdmann“. Ist das noch Ignoranz oder schon Produktpiraterie?

Sie machen es – schon wieder (engl.: to remake). Das Fachblatt „Variety“ kündigt an, dass ein US-Remake von Maren Ades erfolgreicher Oscar-nominierter Tragikomödie „Toni Erdmann“ entstehen soll, mit Jack Nicholson und Kristen Wiig in den Hauptrollen.

Kaum gibt es irgendwo auf der Welt einen erfolgreichen Film, wird die US-Filmindustrie nervös und denkt: will ich auch. Klingt nach Sandkastenmentalität und dem Motto „America second“. Häufig hat man dort schon gute Filme nachinszeniert, nur unin­spirierter sowie mit einem anderen Regisseur und amerikanischen Schauspielern. Wer brauchte nach der schwedischen Verfilmung von Stieg Larssons „Millennium“-Trilogie noch eine US-Version? Die „Süddeutsche Zeitung“ sprach angesichts der Flut solcher Filme vom „Recyclingwahn“. Warum mögen die Amerikaner nur selten Filme aus dem Ausland sehen? Es kommt einem vor wie eine Mischung aus Ignoranz und milder Produktpiraterie.

Und die deutsch-amerikanische Freundschaft? Angeblich arbeitet Til Schweiger an „NoEarBunnies“, einer US-Version von „Keinohrhasen“. Und müsste man nicht den Kinokassenerfolg von „Fack ju Göhte“ zurückregionalisieren und „Fack ju Hemmingway“ (konsequenterweise mit zwei „m“) auf die Leinwand bringen?

Die Schauspieler Sandra Hüller und Peter Simonischek können sich jedenfalls entspannt zurücklehnen. Sie spielen in „Toni Erdmann“ so brillant, dass sie keine Konkurrenz fürchten müssen. Und sie sind das Original. So listig lächelnd, wie Simonischek Hüller vorstellt: „My assistant, Miss Schnuck“, ist er unschlagbar, patentiertes Nicholson-Grinsen hin oder her.