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Steinzeit in Amerika

In diesen Zeiten setzen viele US-Bürger auf Solides: Es ist schön glatt, in Leder eingenäht und kostet 85 Dollar

Unsere amerikanischen Freunde sind immer wieder für Überraschungen gut. Die US-Kaufhauskette Nordstrom erstaunt mit einem besonderen vorweihnachtlichen Verkaufs-Hit. Wie geschnitten Brot geht dort zurzeit ein in Leder eingenähter Stein über den Tresen. Natürlich nicht irgendeiner, sondern ein „glatter Stein aus der Umgebung von Los Angeles, eingewickelt in reiches, pflanzlich gefärbtes Leder aus den USA“.

Der Stein kommt nicht aus der ehemaligen Berliner Mauer und auch nicht vom Mond. Das Profane schlägt offenbar das Besondere. Aber warum sollte man dafür 85 Dollar ausgeben? Minder Bemittelte nehmen gern die kleinere Variante für 65 Dollar. Beide sind mittlerweile ausverkauft.

Vielleicht ist das Ganze eine Art Lemming-Phänomen und funktioniert über das Prinzip der Ausgrenzung: Wer keinen Stein hat, kann nicht mehr mitreden. Oder es ist purer Materialismus, wie ihn schon Erich Fromm in „Haben oder S(t)ein“ philosophisch unter die Lupe genommen hat. Vielleicht brauchen die Amerikaner in diesen unsicheren Zeiten einfach etwas Solides. Und zusätzlich zum Brett, das sie bei den Präsidentschaftswahlen auf dem Weg von der Weltmacht in die Steinzeit vor dem Kopf gehabt haben müssen, wollten sie wahrscheinlich nicht auch noch ein Accessoire erwerben.

Fragt man übrigens die Verkäufer, wozu der Gegenstand gut sein soll, sagen sie nichts. Warum auch? Was immer die Idee hinter diesem Stones-Hit gewesen ist, sie geht knallhart auf, denn ungelöste Rätsel ziehen die Menschen offenbar unwiderstehlich an. Und die Eigentümer von Nordstrom werden dadurch reich, steinreich.