Live

Reggae aus der Domstadt

Der Kölner Sänger Gentleman kommt mit vielen Gästen am 25. August in den Stadtpark

Roots-Reggae ist nicht mehr ganz so erfolgreich wie noch Mitte der Nullerjahre, als Gentleman sein Album „Confidence“ veröffentlichte. Doch der Kölner Reggaesänger versammelt immer noch eine respektable Fan-Gemeinde hinter sich. In Deutschland genauso wie in anderen Ländern. Jüngst hat er auf den Kapverden vor 50.000 begeisterten Menschen ein Konzert gegeben. Sein aktuelles Album „Conversations“ war auf der Inselgruppe im Atlantik wochenlang Spitzenreiter der Charts.

Die Platte hat Tilmann Otto, so Gentlemans bürgerlicher Name, zusammen mit Ky-Mani Marley aufgenommen, einem der zahlreichen Söhne Bob Marleys. Eigentlich sollte Ky-Mani auch bei der aktuellen MTV-Unplugged-Tour Teil von Gentlemans 14-köpfigem Ensemble sein, aber wegen Filmaufnahmen in den USA musste er die Tournee absagen.

Doch Gentleman hat eine ganze Reihe anderer hochkarätiger Gäste dabei, wie die „Queen of Reggae“ Marcia Griffiths. im Vorjahr feierte die ehemalige Backgroundsängerin von Bob Marley ihr 50. Bühnenjubiläum. Wie energetisch die Jamaikanerin immer noch ist, beweist sie mit de Song „Simmer Down“, der auch auf „Conversations“ zu finden ist.

Mit auf Tour ist außerdem Gentlemans „Brother from another Mother“ Daddy Rings. Seit Jahren arbeiten die beiden Künstler eng zusammen. Der „Rainbow Warrior“ Martin Jondo ist ebenfalls auf der kompletten Tour dabei, und in Hamburg werden auch die jungen Folkpop-Superstars Milky Chance aus Kassel die Bühne betreten, obwohl sie nicht Teil der Reggae-Szene sind.

Aber Gentleman gehört nicht zu den Künstlern, die sich arrogant abgrenzen. Anfang des Jahres stand er in Köln sogar mit den Bläck Fööss bei einem Benefizkonzert auf der Bühne. „Ihr wart die Idole meiner Kindheit“, sagte der Reggaesänger über die Mundart-Rocker.

Seit sehr vielen Jahren ist Bob Marley das Vorbild und ein wichtiger Einfluss für den mit Frau und Tochter in Köln lebenden Künstler. Mit 17 Jahren flog er das erste Mal nach Jamaika, später hat er auf der Karibikinsel viele seiner Alben aufgenommen und mit dortigen Musikern zusammen gearbeitet: „Es ist das Mutterland der Musik, die ich so liebe. Es ist ein wunderschönes Land, ich mag die Mentalität und die Art und Weise, wie die Menschen dort leben und wie intuitiv sie arbeiten“, sagt er. Mit Ky-Mani Marley ein Album aufzunehmen bedeutete Gentleman ebenfalls sehr viel. „Bob hat gezeigt, dass Musik viel mehr als Amüsement ist, dass sie eine unglaubliche Kraft haben kann. Von seinem Wesen her und was er politisch bewirkt hat“, so Gentleman. Ky-Mani Marley habe davon viel geerbt, auch stimmlich.

Gentleman hat immer zu den Künstlern gehört, die für eine klare Haltung und für Gesellschaftskritik stehen. „Es läuft gerade viel schief in der Welt, aber in dem Moment, in dem wir es ansprechen und darüber reden, hilft das schon mehr, als es totzuschweigen“, sagt er.

„Wenn wir resignieren und keine Musik mehr machen und wegen einer Bombendrohung nicht mehr zum Fußballspiel gehen und nicht mehr lachen, dann ist es vorbei.“

Gentleman – MTV Unplugged Live, Milky Chance Do 25.8., 19.00, Stadtpark (S Alte Wöhr), Saarlandstraße 71, Karten zu 49,15 im Vorverkauf; www.gentleman-music.com