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Zwölf Freunde sollt ihr sein

Der etwas andere Musikwettbewerb: Vom 11. bis 16. Juli steigt Tonali 16 an mehreren Orten

„Deutschlands außergewöhnlichster Musikwettbewerb“ nennt sich Tonali ohne falsche Bescheidenheit. Ist ein Zitat, es stammt von einer Reporterin des Bayerischen Rundfunks. Und bei aller Skepsis gegen Superlative muss man sagen, es ist etwas dran. Welcher Musikwettbewerb wird schon zum mehrtägigen Fest, reißt jede Menge junger Leute mit, ob sie nun antreten, mithelfen oder einfach nur um der Stimmung willen hinkommen?

Das Tonali-16-Fest mit Wettbewerb steigt vom 11. bis zum 16. Juli. Und wer die Stationen verfolgt, querbeet durch die Innenstadt, der bekommt ganz nebenbei einen Eindruck davon, wie findig Hamburger Musikveranstalter in der Not der Dauerbaustelle an der Kehrwiederspitze im Auftun von Locations geworden sind.

Aber zum Wesentlichen: Es geht um Klavierspielen, wie alle drei Jahre im Wechsel mit Geige und Cello. Zwölf junge Pianisten spielen darum, am letzten Abend auf der Bühne der Laeiszhalle als Sieger gekürt zu werden. Jedoch: Mit reiner Fingerfertigkeit kommt hier niemand besonders weit. Im Lauf der Woche, pardon, des Fests, werden sie aus allen möglichen Blickwinkeln daraufhin geprüft, ob sie eben nicht nur brillante Spieler sind, sondern auch außergewöhnliche Solistenpersönlichkeiten und Kommunikatoren. Denn allen Beteiligten ist klar, dass die klassische Musik nur dann eine Zukunft hat, wenn sie auch einer hört.

Der Wettbewerb ist der wichtigste Baustein im vollen Tonali-Jahr

Dafür tut Tonali eine Menge. Die zwölf Musiker liefern einander nicht einfach nur ein Rennen, sondern kommen ein Jahr lang immer wieder zusammen. Der Wettbewerb ist zwar der prominenteste, aber nicht der einzige Baustein in der sogenannten Tonali-Akademie.

Klavierenthusiasten können sich ab Dienstag gleich Urlaub nehmen, um die drei Wettbewerbsvorrunden mitzuerleben. Jeder Teilnehmer gibt ein Kurz-Recital (12.7.), ein experimentelles und moderiertes Konzert (13.7.) und spielt ein Programm unter der Überschrift „Beethoven und Musik nach 2000“ (14.7.). Die Vorrunden finden jeweils ab 10 Uhr im Miralles-Saal der Jugendmusikschule statt, sie sind öffentlich, der Eintritt ist frei.

Spannend genug zu erleben, wie etwa junge Musiker versuchen, die Schüler­juroren in Sachen Musikvermittlung zu überzeugen. Schülerjuroren? Die sind ein echtes Tonali-Patent, einen Preis vergeben sie auch.

Am Donnerstag (14.7.) entscheidet die Jury, der auch die Pianisten Alice Sara Ott und Matthias Kirschnereit angehören, darüber, wer die drei Finalisten am Sonnabend (16.7., Beginn, jew. 19 Uhr) in der Laeiszhalle sein werden. Jeder von ihnen kann sich aus einem Angebot mit Klavierkonzerten von ­Mozart, Beethoven, Schumann und Chopin eines aussuchen. Begleitet werden die Künstler von der Luxuscombo unter den Kammerorchestern schlechthin, der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen, unter der Leitung der estnischen Dirigentin Kristiina Poska.

Nebenher gibt es jede Menge Kür. Das Eröffnungskonzert am 11.7. (20 Uhr) in der Kulturkirche Altona funkelt vor Musik zwischen Genres und Epochen. Am 12.7. steigt in der Halle 424 um 20 Uhr ein Überraschungskonzert, am 13.7. wird in der Grundbuchhalle am Sievekingplatz der Komponist Alfred Schnittke porträtiert, und am 15.7. (jew. 20 Uhr) bitten die Veranstalter zum Orchesterkonzert im Freien ins Café Hadley’s am Schlump. Der Eintritt kostet jeweils 12 Euro.

Infos und Karten im Internet: www.tonali.de

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