Hamburg. Der Täter schoss erst die Frau, dann den Mann nieder. Ehemals hochrangiges Mongols-Mitglied unter den Opfern. Soko Rocker ermittelt.

Der Täter kam kurz vor Mitternacht, maskiert und schwer bewaffnet: Bei einer Schießerei in einem Wohnhaus an der Vielohstraße in Schnelsen sind eine Frau lebensgefährlich und ein Mann schwer verletzt worden. Unter den Opfern: das ehemalige Führungsmitglied des Rockerclubs Mongols Arasch R. (25).

Nach Abendblatt-Informationen betrat die junge Frau (21) gegen 23.30 Uhr die Terrasse des Hauses. In diesem Moment stürmte der maskierte Täter auf sie zu und gab sofort mehrere Schüsse ab. Die Frau wurde von drei Schüssen in Oberkörper und Arme getroffen.

Danach soll der Killer in die Wohnung vorgedrungen sein und abermals mehrere Schüsse auf einen ehemaligen hochrangigen Mongols-Rocker, den Lebensgefährten der Frau, abgefeuert haben. Der 25-Jährige wurde zweimal in Hand und Hüfte getroffen. Ein dritter Mann (28) versteckte sich vor dem Schützen in der Wohnung. Er erlitt einen Schock. Der Vater des angeschossenen Mannes soll zudem wegen Störung einer Amtshandlung in Gewahrsam genommen worden sein. Die genaueren Hintergründe sind noch nicht bekannt. Mehr als 20 Streifenwagen waren auf der Suche nach dem Täter im Einsatz

Rockerkrieg-Prozess vor dem Landgericht

Warum es ausgerechnet jetzt zu der Bluttat gekommen ist, ist völlig unklar, zumal die mit den Hells Angels verfeindeten Mongols praktisch nicht mehr existent sein sollen in Hamburg. Als die Fehde zwischen den beiden Rocker-Gangs Ende 2015 völlig außer Kontrolle zu geraten drohte, startete die Polizei eine harte Offensive der Polizei gegen Angehörige beider Clubs. Seither ist es um die Hells Angels und die Mongols deutlich ruhiger geworden. Innerhalb weniger Wochen gab es 15 Razzien; die Beamten durchsuchten 40 Objekte und vollstreckten neun Haftbefehle.

Chronologie des Rockerkriegs in Hamburg

Juli 2015

Das Mobile Einsatzkommando landet mit einem Hubschrauber auf dem Dach des Penthouses von Erkan U. an der Hoheluftchaussee und stürmt die Wohnung – auf der Suche nach einer Schusswaffe.

Oktober 2015

Im Oktober explodiert eine Handgranate unter dem Lamborghini des Mongols-Präsidenten Erkan U. – wieder an der Hoheluftchaussee.

November 2015

Schaulaufen von Mongols und Bandidos in Kutten auf der Reeperbahn. Ermittler der Polizei werten die Aktion in erster Linie als Provokation – inoffiziell gilt der Hamburger Kiez als Gebiet der Hells Angels.

November 2015

Tage später wird Erkan U. von einem Rollkommando in seinem Penthouse überfallen und verprügelt. Dabei stehlen ihm die Angreifer seine Präsidenten-Lederkutte, ziehen sie an der Reeperbahn einem Transvestiten an, der damit schließlich vor Susis Showbar an der Großen Freiheit tanzt – eine Demütigung, die per Handyvideo über Facebook verbreitet wird.

Anfang Dezember 2015

Anfang Dezember wird der bis dahin "amtierende" Hamburger Mongols-Präsident Erkan U. vom Mobilen Einsatzkommando in seinem Penthouse verhaftet. Stunden später übernimmt Kevin S. dessen Rolle.

Mitte Dezember 2015

Die Polizei stürmt und durchsucht zehn Wohnungen und verhaftet drei Mongols-Rocker.

28. Dezember 2015

Am Montag nach Weihnachten wird in der Nähe der Reeperbahn auf ein Taxi geschossen. Dabei werden zwei Mitglieder der Mongols verletzt. Der Chef der Hamburger Gruppe, Kevin S., bleibt unverletzt. Ein weiterer Rocker bricht sich bei der Flucht einen Fuß. Die Polizei nimmt in der Folge zwölf Mitglieder der Hells Angels fest, muss sie aber wieder auf freien Fuß setzen.

2. Januar 2016

Bei einer Messerstecherei am frühen Morgen des 2. Januar wird ein Mitglied der Mongols schwer verletzt. Das Opfer ist nach Abendblatt-Informationen der 26 Jahre alte Hidi G., der schon bei dem Angriff auf ein Taxi an der Reeperbahn vor einer Woche einen Prellschuss erlitten hatte. Am Abend des selben Tages stürmt das Mobile Einsatzkommando (MEK) der Polizei Wohnungen unter anderem in Jenfeld, Horn und Billstedt sowie den Saunaclub „Atmos“ in Harburg - ohne aber Mitglieder der Hells Angels anzutreffen.

4. Januar 2016

Die Hamburger Polizei gründet die "Soko Rocker" mit 50 Beamten, um der eskalierenden Gewalt zwischen mit Mongols und Hells Angels entgegen zu treten. Unter anderem sollen Szenetreffs beobachtet und ein Verbot der Mongols geprüft werden.

12. Januar 2016

Hamburger Beamte nehmen drei Männer fest, die verdächtigt werden, am 2. Januar ein Mitglied der Mongols niedergestochen zu haben.

19. Januar 2016

Großrazzia in Norddeutschland: Die "Soko Rocker" nimmt zwei Hells-Angels-Mitglieder im Alter von 35 Jahren fest. Insgesamt 20 Durchsuchungsbeschlüsse im Norden wurden vollstreckt. 250 Beamte waren im Einsatz.

2. Februar 2016

Die "Soko Rocker" stürmt eine Werkstatt am Billwerder Steindamm, die offenbar einem Hells Angels-Mitglied gehört. Verdacht: Gewerbsmäßige Hehlerei mit Autoteilen. Die Beamten haben Tausende offensichtlich gestohlene BMW-Autoteile sichergestellt, die in der Halle gelagert wurden.

2. Februar 2016

Die "Soko Rocker" nimmt zwei Männer in Haft, die dringend tatverdächtig des schweren gemeinschaftlichen Raubs sind. Das Opfer des Raubes wird ebenfalls wegen eines ausstehenden Haftbefehls verhaftet.

3. Februar 2016

Die "Soko Rocker" stürmt acht Wohnungen in Hamburg und Norddeutschland. Ein 28 Jahre alter Iraner wurde bei dem Einsatz festgenommen. Es wurde unter anderem eine geladene Maschinenpistole gefunden und sicher gestellt.

5. Februar 2016

Die Polizei durchsucht fünf Wohnungen in Schnelsen und Eidelstedt und verhaftet einen weiteren Tatverdächtigen des Raubs vom 2. Februar.

11. Februar

Die "Soko Rocker" verhaftet einen weiteren Tatverdächtigen im Zusammenhang mit dem Raub vom 2. Februar, außerdem werden zwei Wohnungen in St. Georg und Billstedt durchsucht.

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Seit Montag läuft am Landgericht ein Prozess gegen sieben mutmaßliche Unterstützer der Hells Angels. Die Gruppe soll am 2. Januar ein Mitglied der verfeindeten Rocker-Gang Mongols in eine Falle gelockt und übel zugerichtet haben sollen – einer der unrühmlichen Höhepunkte des Rockerkrieges im Winter.

In dem neuen Fall sucht die Polizei nun Zeugen. Hinweise nimmt das Landeskriminalamt unter der Telefonnummer 040/ 428 65 67 89 entgegen.