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Hexerei – nur fast wie im Märchen

Sophia Förtsch

Robert Eggers’ Horrorfilm „The Witch“ bietet zu wenig Genrekost zum Fürchten

In einem unachtsamen Moment verschwindet ihr Baby auf mysteriöse Weise. Thomasin (Anya Taylor-Joy) kann sich das nicht erklären. Ihr Vater William (Ralph Ineson) und ihr jüngerer Bruder starten eine vergebliche Suche im düsteren Wald. Das Verschwinden des Säuglings bleibt nicht der einzige ungewöhnliche Vorfall: Im Neuengland des 17. Jahrhundert verkümmert die Ernte, die Tiere drehen durch, und dann scheint ein weiteres Kind auch noch von einer dunklen Macht besessen zu sein. Unter den Familienmitgliedern schwelt alsbald Misstrauen und Paranoia: Thomasin wird der Hexerei beschuldigt.

Eigentlich hätte der Film alles für einen spannenden Horrorfilm. Leider entpuppt er sich aber schnell als ziemlich langweiliger Streifen: Die Story dehnt sich wie ein Kaugummi in die Länge, die Sprache wirkt zu künstlich, die Darsteller agieren dadurch nicht sehr authentisch, die Handlung ist von einem gewissen Zeitpunkt an recht vorhersehbar und das Ende dann wieder zu surreal. Nur durch die kraftvolle, düstere Musik wird die Psyche des Zuschauers in Anspruch genommen – nicht aber durch die Handlung.

„The Witch“ ist Robert Eggers’ erster Langfilm, der Regisseur schrieb auch das Drehbuch. Man muss das Genre schon sehr lieben, um Gefallen an seinem Debüt zu finden. Für Horrorfans bietet der Stoff nicht genügend Genrekost. Und wer nicht auf Horror steht, sollte daher erst recht lieber die Finger von diesem Film lassen.

„The Witch“ USA 2015, 92 Min., ab 16 J.,
R: Robert Eggers, D: Anya Taylor-Joy, Ralph Ineson, Kate Dickie, täglich im Cinemaxx Dammtor/Harburg, Studio, UCI Mundsburg/Othmarschen;
www.upig.de/micro/the-witch

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