Extra

Seit 30 Jahren ist die Partnerschaft besonders eng

Lesedauer: 3 Minuten
Bernd Schiller

In keiner anderen deutschen Stadt leben so viele Chinesen wie in Hamburg

Es war im Jahr 1731, als der erste chinesische Frachtensegler die Hansestadt anlief, beladen mit den traditionellen Produkten des Fernen Ostens: Seide, Tee, Porzellan. Für die Handelskammer markierte das den Auftakt der guten Beziehungen zwischen Hamburg und China. Später gründeten Handelshäuser wie Pustau und Siemssen Niederlassungen in Kanton, die Hapag richtete 1898 einen Liniendienst nach Shanghai ein. Und in Hamburg siedelten sich chinesische Wäscher und Köche zwischen dem Ersten und dem Zweiten Weltkrieg in so großer Zahl an, dass auf St. Pauli eine kleine Chinatown entstand.

Aber erst 250 Jahre nach dem ersten China-Segler an der Elbe konnte man vom Beginn einer wunderbaren Freundschaft sprechen. 1983 schließlich, mit dem Besuch des Ersten Bürgermeisters Klaus von Dohnanyi in Shanghai, wurde der Boden bereitet für die offizielle Städtepartnerschaft, die drei Jahre später mit der Visite von Jiang Zemin, damals Generalsekretär der chinesischen KP, später Präsident der Volksrepublik, feierlich besiegelt wurde. Noch im selben Jahr, 1986, öffnete Hamburg seine erste Vertretung in China.

Nach dem Massaker vom 4. Juni 1989, als die Regierung protestierende Studenten in Peking mit Panzern niederwalzen ließ, stockten allerdings die Beziehungen. Erst ab Mitte der 1990er-Jahre wurden die Programme immer abwechslungsreicher. Neben intensiven Wirtschafts- und Hafenkontakten kam auch der Sport ins Spiel, zum Beispiel im Mai 2005 mit einem HSV-Auftritt in Shanghai (Unentschieden) und einem Länderspiel in Hamburg, das Deutschland einige Monate später mit 1:0 gewann. Vor allem aber vertieft seit Langem ein hochkarätiger Kulturaustausch die guten Beziehungen. Aufführungen des Thalia Theaters oder des NDR-Symphonieorchesters in Shanghai sind so gut besucht wie die der Shanghai-Symphoniker in Hamburg. Das Konfuzius-Institut an der Uni Hamburg vermittelt chinesische Sprache und Kultur auf hohem Niveau. Yu Garden, das Teehaus hinter dem Völkerkundemuseum, hat sich zum chinesischen Kulturzentrum und beliebten Treffpunkt entwickelt, aus dem Hamburg-Pavillon auf der Shanghai-Expo 2010 ist das Hamburg House geworden, Zentrum vieler Institutionen und Aktivitäten der Hansestadt.

Heute pflegen fast 700 Hamburger Firmen intensive Beziehungen zu China, viele davon mit einer Niederlassung in Shanghai, umgekehrt sind derzeit etwa 520 chinesische Firmen in Hamburg tätig. In keiner anderen deutschen Stadt leben so viele Chinesen wie bei uns, ihre Zahl wird auf über 15.000 geschätzt, ein Drittel davon chinesische Staatsbürger. Aber während es schon lange eine Shanghaiallee in der HafenCity gibt, wird man wohl auf eine Hamburger Allee am Huangpu noch etwas warten müssen. In China dürfen Straßen nämlich nicht nach ausländischen Städten benannt werden.

( BS )