Live

Fürstin der Dunkelheit

Doom-Metal: Blood Ceremony im Rock Café St. Pauli, Pentagram im Klubsen

Alia O’Brien ist ungemein freundlich. Eine sympathische junge Frau voller Begeisterung für ihre Musik, offen, gesprächig – man würde ihr ohne zu Zögern seine Hundewelpen anvertrauen. Jedenfalls wenn man ihr nur abseits der Bühne begegnet. Auf der Bühne nämlich gibt sie seit Jahren mit zunehmendem Erfolg eine Hohepriesterin des Okkulten, inszeniert sich als düstere Mystikerin, wirkt geradezu hexenhaft in ihrer schwarzen Kluft und durch ihre beschwörerischen Gesten. Blood Ceremony heißt die Band der Kanadierin, die in diesen Tagen mit „Lord Of Misrule“ ihr viertes Album veröffentlicht. Ein weiteres Doom-Metal-Meisterwerk, angefüllt mit schweren Riffs, an die Folkprog-Legende Jethro Tull erinnernden Flötenklängen und Alia O’Briens betörender Stimme.

Thematisch steht hier ein heidnisches Ritual im Zentrum, ein ausschweifendes Narrenfest der Spätantike, gewidmet dem Gott Saturn. 30 Tage dauerte es, Herren wurden zu Dienern und umgekehrt, am Ende stand eine blutige Opferung. Das perfekte Thema für eine Band, die bewusst mit okkulten Inhalten spielt. Natürlich sei sie keine Teufelsanbeterin, wird Alia O’Brien nicht müde, in Interviews zu betonen, aber das Spiel mit Archetypen macht eben Spaß und kommt an. Live zu erleben am 17.4. im Rock Café St. Pauli.

Bereits ein paar Tage vorher (14.4.) ist eines der Blood-Ceremony-Vorbilder im Klubsen zu erleben: Pentagram, die seit 45 Jahren aktive Doom-Metal-Ramme von Sänger Bobby Liebling, der in der Vergangenheit mehr als einmal dem Tod von der Schippe gesprungen ist. Stichwort Drogenmissbrauch. Als die Band vor ein paar Jahren eine Art Comeback-Konzert in der Markthalle spielte, waren Fans zu Tränen gerührt, hatten sie doch nicht damit gerechnet, ihren spindeldürren alten Helden noch einmal zu erleben. Inzwischen hat Liebling, über den inzwischen auch eine Kino-Dokumentation erschienen ist, sich aber ganz gut berappelt und bringt regelmäßig neue Alben raus. Das aktuelle Werk heißt „Curious Volume“ und klingt, tja, eigentlich wie immer – was im Fall von Pentagram eine sehr gute Nachricht ist. Alia O’Brien hat die Platte bestimmt schon zu Hause stehen. Die hat nämlich nicht nur ein freundlichen Wesen, sondern weiß auch, was gut ist.

Blood Ceremony So 17.4., 20.00, Rock Café
St. Pauli (S Reeperbahn), Silbersackstraße 27, Karten zu 17,20 im Vorverkauf
Pentagram
Do 14.4., 20.30, Klubsen (S Hammerbrook), Wandalenweg 7, Karten zu 27,50 im Vvk.

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