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Eine große Liebe, radikal und wie im Rausch

Die Schmerzen sind unerträglich. Nicht nur die, die Tony bei ihren Dehnübungen in der Reha-Klinik quälen. Die Rechtsanwältin muss nach einem Kniesehnenriss, den sie sich bei einem Skiunfall zugezogen hat, wieder mühselig das Laufen lernen. Und das tut mindestens so weh wie die Erinnerungen an eine desaströse Beziehung.

„Mein Ein, Mein Alles“ der französischen Regisseurin Maïwenn handelt von der „Amour fou“, einer Liebe, die berauscht, unvernünftig und unkontrollierbar ist – eine Liebesbeziehung, die aufgrund ihrer Intensität als unnormal empfunden wird. Die „Amour fou“ hat schon viele Filmemacher fasziniert. Nun hat Maïwenn sie in ihrem Drama mit ihrer für sie typischen narrativen Kraft umgesetzt: radikal, explosionsartig, streckenweise aber auch zu überzogen.

Bei der Besetzung bewies Maïwenn, die 2011 für „Poliezei“ in Cannes den Preis der Jury erhielt, eine glückliche Hand. Vincent Cassel („Black Swan“, „Kind 44“) spielt hervorragend den notorischen Verführer. Und Emmanuelle Bercot („Zwischen den Wellen“) als verzweifelte, zwischen Hass und Leidenschaft hin- und hergerissene Tony erhielt für ihre schauspielerische Leistung die Cannes-Auszeichnung als beste Schauspielerin.

„Mein Ein, Mein Alles“ Frankreich 2015, 124 Min., ab 12 Jahren, R: Maïwenn, D: Vincent Cassel, Emmanuelle Bercot, Louis Garrel, täglich im
Blankeneser, Holi, Zeise; www.studiocanal.de