Hilfe, ich habe einen Handy-Nacken!

Schmerz lass nach. Wenn die Deutschen keine Probleme mehr haben, dann schaffen sie sich einfach welche. Dafür gibt es ja Smartphones

Es ist erstaunlich, wie mobil die Senioren heutzutage sind. Das Leben hat sie fit wie'n Turnschuh gemacht. Unter den jungen Leuten stecken dagegen offenbar viele Memmen. Sie klagen ständig über Rücken, obwohl sie sich mehrmals pro Woche in der Muckibude abrackern.

Geplagt werden sie von solchen neuen Volkskrankheiten wie Gorilla-Arm, Handy-Nacken und Steifheit der Daumen. Schuld daran trägt dieser moderne Krimskrams: Es sind gerade die Besitzer von mobilen Endgeräten wie Smartphones und Tablets, die über Verspannungen und Schmerzen im Nackenbereich klagen.

Die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) zeigte jetzt Herz für die digitalen Nomaden und deren chronische Immobilität. Und rät, bloß nicht den Kopf hängen zu lassen. Zur Vorbeugung sollten Handy-Dauernutzer regelmäßig Pausen einlegen und Lockerungsübungen machen.

Puh! Was ist denn schon dabei, wenn 25 Kilogramm mehr Gewicht auf den Halswirbeln lasten – nur weil der Kopf beim Blick auf das Handy um 45 Grad geneigt ist? Früher ging es den Trimm-Dich-Pfad rauf und runter, und der Maus-Arm war flugs kuriert. Ganz ohne teuren Fitnessclub-Mitgliedsbeitrag. Und heute?

Wir brauchen einfach mehr Vertrauen zu den Innovationen, die aus Silicon Valley kommen. Die Handy-Nacken-Schmerzpatienten müssen doch nur auf eine Gymnastik-App schauen und damit ihre Übungen machen. Da lässt der Schmerz bestimmt gleich nach. Schließlich kann nur in einem gesunden Körper ein gesunder Geist wohnen. Außerdem kommt bald die Google-Brille für alle. Dieser hübsche Volkscomputer verursacht keinerlei Nackenschmerzen, weil man ihn bequem auf der Nase trägt. Vielleicht wird demnächst sogar ein Chip ins Gehirn eingepflanzt.

Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie da lieber Ihren Arzt oder Apotheker. Und Ihren gesunden Menschenverstand. Aber der könnte dann schon ferngesteuert werden.

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