Glosse

Mittagessen – von Sanifair bezahlt

In meinem Leben habe ich sicherlich schon einige Hundert Euro an Autobahntankstellen gelassen. Nicht für Sprit oder Eis, sondern für Sanifair-Toilettenanlagen.

50 Cent sind mir ein sauberes Örtchen schon wert. Dort riecht es immer so schön frisch, dass ich das Gefühl habe, es sei genauso sauber wie es duftet. Und es gibt keine bösen Überraschungen, stets genug Seife und Papier. Herrlich.

Für mich gehört es zum Reisen dazu, diese blau-grünen Wertgutscheine zu sammeln. Sammeln, weil ich schnurstracks zurück ins Auto steige, und sie glatt vergesse.

Die Bons funktionieren wie ein Reisetagebuch: Bei jedem Griff ins Portemonnaie fallen mir die Erinnerungen an meine letzten Ausflüge in die Hände. Ein kurzer Blick auf Datum und Uhrzeit, und ich muss gedankenverloren lächeln: Ja, bei diesem Besuch bei Oma gab es ihr legendäres Gulasch, auf der Strecke von Berlin zurück wäre ich fast liegengeblieben, weil der Sprit beinahe alle war .

Mittlerweile ist meine Geldbörse prall gefüllt mit Re­mi­nis­zenzen an Tankstellen quer durch die Republik und die entsprechenden Reisen. Lediglich aus Platzgründen nehme ich mir für den nächsten Stopp vor, die Bons endlich einzulösen. Es wird nicht beim Eis bleiben, der Stapel reicht inzwischen für ein Mittagessen zu zweit.