Gestatten: Schnuckelpupine Müller

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Volker Behrens

Oder soll sie doch lieber Schaklyn heißen? Eine kleine Kollektion der schlimmsten Entgleisungen in deutschen Geburtsurkunden

„Namen sind Schall und Rauch“, sagte er. Wer noch gleich? Faust. Aber wie hieß er mit Vornamen? Heinrich natürlich. Das „Faust“-Zeug hat der Goethe-Johann geschrieben. Heinrich und Johann, das geht auch heute noch, so wie Julia, die gestern geborene Tochter von Ministerin Schwesig. Ansonsten können einem außer vom Rauch auch dann schon mal die Tränen in die Augen steigen, wenn man hört, wie Leute ihre Kinder nennen.

Rumpelstilzchen! möchte man denen zurufen, die sich ausgefallene Namen für den Nachwuchs überlegen, ohne darüber nachzudenken, dass ihre Kinder lebenslang damit herumlaufen müssen. Schon Carl Zuckmayer nannte aus Begeisterung für die indigene Bevölkerung Nordamerikas seine Tochter (!) Winnetou. Dafür hätte er eigentlich kurz an den Marterpfahl gehört.

Jedes Jahr werden in den Geburtsurkunden etwa 1000 neue Namen eingetragen, weiß man an der Namenberatungsstelle der Universität Leipzig. Einige klingen allerdings, als seien die Eltern ausgesprochen beratungsresistent gewesen. Kleine Kostprobe? Xantippe, Anakin, Neymar, Sequoia, Godsgift, Schnuckelpupine, Prinz-Gold, Sunshine, Milka, Imperial-Purity, Courage, Fanta, Chanel und Schaklyn. Man könnte fast meinen, alles geht. Aber Satan, November, Sofie Sophie und Gucci hat man dann doch abgelehnt. „Hauptkriterium ist, ob der Name das Kind lächerlich machen würde“, sagt Gabriele Rodriguez von der Uni Leipzig.

Ältere Menschen, besagt eine Studie, sind mit ihrem Vornamen zufriedener als jüngere. Man spricht sogar von der gefrusteten Chantal- und Kevin-Generation. Und dann kommt der Zeitgeist doch noch ins Spiel. Die Einwanderer werden auch viele neue Namen zu uns bringen, wie sie es mit Jasmin schon vor Jahren getan haben, der ja eigentlich ein persischer Name ist.

Aber früher war keineswegs alles besser. Auch damals gab es schon Einwanderer. Manche waren in den Namensbestenlisten sogar mal ziemlich weit oben. Tempi passati. Heute nennen nur noch sehr wenige Eltern ihre Söhne Adolf.

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