Hamburg

Fast jeder zweite Schüler in Hamburg hat Migrationshintergrund

Anteil knapp viermal so hoch wie in Schleswig-Holstein. Zahl der Flüchtlingskinder verdoppelt sich

Hamburg. Fast jeder zweite Hamburger Schüler hat einen Migrationshintergrund. Laut der aktuellen Schulstatistik, die Schulsenator Ties Rabe (SPD) am gestrigen Montag präsentierte, sind exakt 43,7 Prozent der Schüler im Ausland geboren oder haben einen Elternteil, der nicht in Deutschland zur Welt kam.

Der Anteil der Jungen und Mädchen ohne Zuwanderungsgeschichte an Schulen liegt bei 47,9 Prozent. Bei 9,5 Prozent der Schüler war die Herkunft nicht eindeutig zu entscheiden. Der hohe Anteil von nicht klar zuzuordnenden Fällen hat folgende Ursache: Die Angaben zum Migrationshintergrund wurden im Rahmen von Schülerleistungsstudien wie KESS oder Kermit abgefragt, sie sind nicht Bestandteil der jährlichen statistischen Erhebungen der Schulen. Offensichtlich waren etliche Elternangaben nicht vollständig, sodass die Herkunft der Schüler nicht eindeutig erkennbar war.

Hamburg liegt mit dem Anteil von 43,7 Prozent der Schüler mit Migrationshintergrund bundesweit an der Spitze. Zum Vergleich: Im Nachbarland Schleswig-Holstein beträgt die Quote lediglich zwölf Prozent. „Dahinter steht eine gewaltige Integrationsleistung“, sagte Schulsenator Rabe. Zuwanderung sei „im Kern nichts Neues“ für Hamburg. „Wir mussten die internationalen Vorbereitungsklassen nicht erst erfinden“, sagte der SPD-Politiker mit Blick auf die Flüchtlingskinder.

Deren Zahl ist in den vergangenen Monaten sprunghaft gestiegen. Im Schuljahr 2012/13 wurden noch 1687 geflüchtete Kinder unterrichtet, zu Beginn des laufenden Schuljahres 2015/16 waren es bereits 3834 Jungen und Mädchen. Doch seitdem ist die Zahl auf 6143 Schüler gestiegen. Rund 2500 Jungen und Mädchen lernen in den Vorbereitungsklassen der allgemeinen Schulen, noch einmal 2500 entsprechend ältere Schüler in den Vorbereitungsklassen der Berufsschulen. „Wir gehen davon aus, dass wir die Herausforderung gut bewältigen“, sagte Rabe.

Das Elternwahlrecht bringe es mit sich, dass die Schulen „Raumpuffer“ haben, weil man nie wissen könne, wie viele Schüler für einen Standort angemeldet würden. „Das kommt uns jetzt zupass“, sagte Rabe. Anders ist die Lage in den Zentralen Erstaufnahmen. Als einziges Bundesland will Hamburg alle schulpflichtigen Jungen und Mädchen sofort nach der Ankunft in der Stadt unterrichten. Doch das gelingt offensichtlich nicht umfassend. „Zurzeit lernen rund 1100 Kinder in den Erstaufnahmen. Wir hoffen, in den nächsten Wochen in Richtung 1500 zu gehen“, sagte der Senator. Das sollen dann rund zwei Drittel der Jungen und Mädchen in den Erstaufnahmen sein.

Die Zuwanderung von Flüchtlingen ist eine wesentliche Ursache dafür, dass das Hamburger Schulsystem weiter wächst. Laut aktueller Statistik besuchen 190.396 Schülerinnen und Schüler die allgemeinbildenden staatlichen und privaten Schulen. Das ist ein Zuwachs um 3672 Schüler oder knapp zwei Prozent gegenüber dem Vorjahr und um 11.852 seit 2010. Ähnlich hohe Schülerzahlen gab es zuletzt 1983, als 194.051 Jungen und Mädchen gezählt wurden.

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