Pinneberg

Flugzeugbauer hat Angst vorm Fliegen

Pinneberger hat den historischen Dreidecker Fokker Dr 1 als Modell gebastelt. Doch das Schmuckstück bleibt am Boden – aus Furcht vor einer Bruchlandung

Pinneberg.  „Angst vorm Fliegen“ – das war vor 40 Jahren der Titel eines erotisch-deftigen Romans der amerikanischen Autorin Erica Jong. Angst vorm Fliegen haben auch Menschen, denen Flugzeuge generell nicht geheuer sind. Der Pinneberger Ruheständler Henning Münster fühlt sich hingegen in großen Düsenmaschinen ebenso wie in kleinen Motorflugzeugen durchaus wohl. Dennoch verspürt auch er eine – wenn auch sehr spezielle – Variante der Angst vorm Fliegen. Henning Münster traut sich nicht, seine Fokker Dr 1 in die Luft zu bringen.

„Ich habe einfach Angst davor, eine Bruchlandung hinzulegen”, bekennt der Diplomingenieur für Elektrotechnik, der bis zu seinem Ruhestand ein eigenes Unternehmen für elektronische Steuerung betrieb und große Firmen wie die Hamburger Hochbahn und Rheinmetall zu seinen Kunden zählte. Die Furcht vor dem Crash hat jedoch nichts mit persönlicher Gefahr für Leib und Leben zu tun. Denn bei Münsters Fokker handelt es sich um ein Modellflugzeug mit Funkfernsteuerung.

Henning Münster brauchte 100 Stunden, um das Modell der Fokker Dr 1 zu bauen

Der Nachbau des berühmten Fokker-Dreideckers aus den Anfängen der Fliegerei reizte den 71-Jährigen. Unter anderem wegen der speziellen Technik der drei übereinander liegenden Tragflächen – und nicht wegen dessen Einsatz im Ersten Weltkrieg. Das Flugzeug verfügte im Original wie auch aktuell als Modell über extreme Manövrierfähigkeit, die engen Kurvenflug ermöglicht. Als „grenzwertig” bezeichnet Münster den zeitweiligen Heldenkult um den Freiherrn Manfred von Richthofen, der als Kampfpilot das Jagdflugzeug flog, 80 gegnerische Maschinen abschoss und seine Fokker in auffälligem Rot bemalen ließ. Nach seinem Tod ging er als „Roter Baron” in die Kriegsgeschichte ein.

Auch die im Maßstab 1:6 in mehr als 100 Stunden zu Hause angefertigte Miniaturausgabe der Fokker Dr 1 verfügt über eine rote Bespannung. Zwar gehören die Einzelteile zu einem angelieferten Modellbausatz. Doch mit dem schnellen Zusammensetzen, wie es meist bei aus Styropor bestehenden Modellflugzeugen der Fall ist, hatte die Arbeit am Dreidecker nichts zu tun.

Die Rohteile aus Balsaholz mussten nach detailgetreuen Bauplänen angefertigt werden. „Da wurde gesägt, geschnitten, gefeilt, geschliffen und geformt”, beschreibt der Hobbyflug- zeugbauer seine Arbeitsweise mit speziellem Miniaturwerkzeug. Immer wieder galt es, beim Zusammenfügen von Spanten, Rahmen und Holmen zu Flügelprofilen und Tragflächen die aerodynamischen Anforderungen zu erfüllen. Bespannt wurden die Tragflächen mit einer erhitzten Kunststofffolie, die beim Abkühlen die erforderliche Straffung erreichte. „Rumpfoberflächen aus Balsaholz bekamen über heißem Wasserdampf die nötige Elastizität, um an die Form des Holzgerippes angeschmiegt werden zu können”, erläutert Münster. Auch die beweglichen Teile wie Höhen- und Seitenleitwerk sowie die Querruder in den oberen Tragflächen fügte er zu funktionierenden Steuerungselementen zusammen.

Das starre Fahrwerk und das steuerbare Spornrad am Heck machen den Modellvogel am Boden roll- und lenkfähig. Der Propeller des fertigen Flugmodells wird wie das Original über einen Verbrennungsmotor angetrieben. Allerdings verfügt der Zweitakter lediglich über den winzigen Hubraum von 8,6 Kubikzentimetern und erreicht damit eine Leistung von einer Pferdestärke. Als Treibstoff kommt ein Gemisch aus 75 Prozent Methanol und 25 Prozent Rizinusöl zum Einsatz, das eine angemessene Schmierung des Triebwerks sicherstellt.

Das Modell ist 4,5 Kilogramm schwer, der Rumpf fast einen Meter lang

Das Format des Dreideckers ist auch als Modell beeindruckend. Die Tragflächenspannweite beträgt 120 Zentimeter, die Länge des Rumpfes 98 Zentimeter. Mit 4,5 Kilogramm Gewicht ohne Treibstoff liegt die Fokker-Kompaktausgabe gut auf der Hand. Mit einer Fünf-Kanal-Funkfernsteuerung lassen sich alle Ruder sowie der Gashebel des Propellers bedienen.

Zusätzlich hat Münster noch eine Service-Startbox gebaut. Eingeklinkt in diese mobile Luftwerft lässt sich das Modell gut transportieren. Außerdem enthält der Holzkasten Platz für Kraftstoff, Pumpen, Batterie und Werkzeug.

Also alles klar zum Abheben? Eben nicht, weil Henning Münster sich ausmalt, wie seine Fokker sich nach dem Aufsetzen überschlägt und als Wrack endet. Da hilft es auch nicht, dass der Bastler schon robuste Modell-Motorsegler geflogen und sicher gelandet hat. Die Fokker ist eben sehr viel anspruchsvoller. Selbst befreundete Modellbauer, die als Fluglehrer für Anfänger tätig sind, wagten nicht, für einen Schulflug die Verantwortung zu übernehmen. Münster tröstet sich: „Eigentlich steht für mich mehr der Bau des Modells im Mittelpunkt.”

Immerhin: Einen Ausflug der besonderen Art hat der Dreidecker hinter sich: In der Weihnachtsausstellung des Rellinger Baumarkts Hass + Hatje wurde der Flieger im vergangenen Jahr als Zugmaschine von Geschenkpaketen unter der gläsernen Kuppel der Eingangshalle aufgehängt. Passend zum Anlass wurde abgerüstet: Die militärischen Hoheitszeichen waren verdeckt und die Maschinengewehre an Bord mit Wattewolken kaschiert. Und im Cockpit saß der Weihnachtsmann...