Hamburg

Neue Pläne: Stadt verzichtet auf Großsiedlungen für Flüchtlinge

5600 Wohnungen sollen überwiegend in kleineren Einheiten über Hamburg verteilt entstehen. Karte zeigt die Standorte

Hamburg.  In die Diskussion um den Bau von sogenannten Expresswohnungen für Flüchtlinge kommt Bewegung. Die Stadtentwicklungsbehörde hat offenbar von Plänen Abstand genommen, die 5600 geplanten Wohnungen in einigen wenigen Großsiedlungen zu errichten. Das geht aus einer Aufstellung der Standorte hervor. Das Abendblatt zeigt heute eine Karte. Danach ist lediglich im Bezirk Bergedorf am Mittleren Landweg der Bau eines Quartiers mit rund 800 Wohnungen geplant. Der Rest soll überwiegend in kleineren Siedlungen entstehen.

Der rot-grüne Senat hatte beschlossen, für eine dauerhafte Unterbringung von Flüchtlingen mit Bleibeperspektive 5600 Wohnungen zu errichten. Diese sollen bis Ende 2016 entstehen. Sie werden zunächst als Flüchtlingsunterkünfte deklariert und nach der Erstellung eines regulären Bebauungsplans in einigen Jahren in normale Wohnungen umgewandelt. Die Stadtentwicklungsbehörde nutzt dazu die Ausnahmen im Baugesetz, die der Bundestag im Oktober beschlossen hatte. Danach können Flüchtlingsunterkünfte auf Flächen errichtet werden, auf denen bislang sozialer Wohnungsbau nicht vorgesehen oder erlaubt ist.

Stadtentwicklungssenatorin Dorothee Stapelfeldt (SPD) verwies gegenüber dem Abendblatt darauf, dass der normale Wohnungsbau davon nicht beeinträchtigt werde. An der im Bündnis für das Wohnen vereinbarten Errichtung von jährlich 6000 Wohnungen ändere sich nichts. Hinzu komme, dass vornehmlich Flächen genutzt werden, auf denen es noch kein Baurecht gibt. „Es darf keine Konkurrenz zu den bisherigen Wohnungsbauflächen geben“, sagte die Senatorin. Sie ließ auch keinen Zweifel daran, dass die ersten Flüchtlinge schnell in die neuen Wohnungen einziehen werden. „Bis Weihnachten 2016 sollen sie fertig sein.“

In den vergangenen Wochen hatte es vermehrt Kritik daran gegeben, dass Flüchtlinge in größeren Wohnsiedlungen untergebracht werden sollten. Vor allem die CDU-Opposition hatte vor einer Gettobildung gewarnt. Auch von Umweltschützern war Kritik laut geworden. „Wir erleben, dass vermehrt frühere Projekte aus der Schublade geholt und durch den Zuzug von Flüchtlingen legitimiert werden“, sagte Bernd Quellmalz, Vizegeschäftsführer des Naturschutzbunds Deutschland. Durch große Wohnsiedlungen würden ökologisch wertvolle Flächen ohne entsprechenden Ausgleich versiegelt.

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