Mensch

Bekenntnisse vieler Ehrenamtlicher

Die Bücherhallen Hamburg ehren ihre rund 500 Freiwilligen mit einer großen Fotoausstellung. Vernissage ist am 1. Dezember

Eigentlich hat David Inn einen stressigen Job als IT-Experte. Dennoch nimmt er sich zweimal die Woche Zeit, um mit Flüchtlingen und Migranten beim „Dialog in Deutsch“ die deutsche Sprache einzuüben. „Wir reden über unterschiedliche Alltagsdinge wie Essgewohnheiten, Kleidung oder auch Erfahrungen in Deutschland“, sagt Inn, der als Sohn zweier Südkoreaner selber einen Migrationshintergrund hat. „Ich weiß, wie es sich anfühlt, zwischen zwei Kulturen zu stecken“, sagt er. In Hamburg gibt es rund 80 „Dialog in Deutsch“-Gesprächsgruppen in allen Stadtteilbibliotheken. Der 38-Jährige macht dort mit, weil er früher ständig die Bücherhallen für sich nutzte. „Ich wohnte in Schnelsen direkt gegenüber einer Bibliothek und habe für die Schule und Uni viel Fachliteratur ausgeliehen.“ Mit seinem Engagement für die Bücherhallen Hamburg will er der Institution etwas zurückgeben.

David Inn ist einer von 38 Ehrenamtlichen der Bücherhallen Hamburg, die in großformatigen Bildern des Fotografen Chris Lambertsen bei einer großen Ausstellung der Zentralbibliothek gezeigt werden. Mit einem Zitat bekennen sie sich zu ihrem Ehrenamt für Zuwanderer, Alte, Kranke, Behinderte oder Kinder, und sie sind stellvertretend für die rund 500 Freiwilligen der Bücherhallen.

Auch von Jana Ilgner gibt es ein großes Bild, auf dem sie lachend neben einem blauen Stuhl steht. Die 36-Jährige liest einmal pro Woche Kindern in der Bücherhalle Barmbek vor. Sprache und Literatur sind ihr Beruf und ihre Leidenschaft, und die Freude am Lesen möchte die Lexikografin gern an die Grund- und Vorschulkinder weitergeben. Sie ist Mitglied im Verein „Lesewelt Hamburg“, einem engen Kooperationspartner der Bücherhallen. „Die Arbeit ist spannend und Kinder und Vorlesende gehen mit viel mehr als nur den neuen Geschichten nach Hause“, sagt Jana Ilgner.

Andere Ehrenamtliche haben sich zu Medienboten ausbilden lassen. Sie bringen Menschen, die durch Krankheit oder eine Behinderung an ihr Zuhause gebunden sind, mindestens einmal im Monat Medien in die Wohnung oder ins Heim, lesen gern auch vor und haben viel Zeit. Diese Dienstleistung ist kostenlos, man braucht lediglich eine Bücherhallen-Kundenkarte. So entstehen oft intensive, bereichernde und langfristige Beziehungen, da ein Ehrenamtlicher immer den gleichen Kunden aufsucht. Bundesweit haben mittlerweile viele öffentliche Bibliotheken die bewährten Konzepte von „Dialog in Deutsch“ und „Die Medienboten“ übernommen.

„Das Engagement unserer 500 Ehrenamtlichen ermöglicht den Bücherhallen Hamburg, ergänzende, anderweitig nicht finanzierbare Dienstleistungen anzubieten. Gleichzeitig bauen wir neue Geschäftsfelder auf, erreichen zusätzliche Zielgruppen und vernetzen uns noch vielfältiger in der Stadt“, sagt Hella Schwemer-Martienßen, Direktorin der Bücherhallen Hamburg, die „das ehrenamtliche Engagement als einen großen Gewinn für alle Beteiligten“ sieht.

Ziel der Ausstellung ist es, bürgerschaftliches Engagement auf eine ungewöhnliche Weise öffentlich zu machen und damit allen Ehrenamtlichen – nicht nur denjenigen bei den Bücherhallen – Wertschätzung zu erweisen. „Wir möchten zeigen, wie viel Spaß ein freiwilliges Engagement machen kann, wie viel man dabei persönlich zurückbekommt und wie groß die Bandbreite der möglichen Tätigkeitsfelder ist“, sagt Uta Keite, Bereichsleiterin Bürgerengagement. Anlass für die Ausstellung ist der Internationale Tag des Ehrenamts am 5. Dezember.

Die Vernissage ist am 1. Dezember um 18.30 Uhr, Interessierte sind herzlich eingeladen. Sonst kann die Ausstellung während der Öffnungszeiten der Zentralbibliothek, Hühnerposten 1, von Montag bis Sonnabend zwischen 11 und 19 Uhr besucht werden.

Wer zu Hause Besuch von einem Medienboten bekommen möchte, kann sich unter Tel. 43 26 37 83 oder E-Mail melden: medienboten@buecherhallen.de; Wer Flüchtlinge oder Migranten kennt, die bei den „Dialog in Deutsch“-Gruppen mitmachen möchten, meldet sich unter Tel. 42 60 63 33,
E-Mail: DialoginDeutsch@buecherhallen.de