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Vom Alltag eines Datenschützers

Es werden immer neue Quellen entdeckt, aus denen sie in Strömen fließen, und wer schnell genug ist, um sie richtig zu verarbeiten, kann Milliarden mit ihnen verdienen. Der Vergleich hinkt nicht: Daten sind das neue Öl.

„Wenn Daten das neue Öl sind, dann ist Datenschutz der neue Umweltschutz“. So heißt es in David Bernets Dokumentation „Democracy – Im Rausch der Daten“. Der zentrale Held des Films ist ein solcher „Umweltschützer“: Jan Philipp Albrecht, Grünen-Abgeordneter im Europäischen Parlament. Bernet hat ihn seit 2012 im Auge seiner Kamera, da war Albrecht gerade dazu ausersehen worden, einen Gesetzesvorschlag zu einem europäischen Datenschutzrecht auszuarbeiten. Der Beginn eines langen Weges. Albrechts Anliegen ist eines, dessen Dringlichkeit den meisten wohl erst mit den Enthüllungen von Edward Snowden ins Bewusstsein rückte. Auch Bernets Film zieht aus dem Verweis auf Snowden wertvolle Energie, wobei er dankenswerterweise klarmacht, dass sein „Held“ schon lange vorher das Thema am Wickel hatte. Die Bürokraten-Mühsal der Gesetzgebung filmt Bernet in kontrastreichem Schwarz-Weiß.

Es gelingt ihm ein atmosphärisches Porträt von Albrechts Arbeit, leider aber kommen die Argumente zu kurz. Wie verdient wer mit Daten Geld, und was hat die Industrie gegen Datenschutz vorzubringen? Man hätte das gern genauer ausformuliert gehört als nur „Unsere Privatsphäre ist bedroht“.

„Democracy – Im Rausch der Daten“ D 2015, 105 Min., o. A., R: David Bernet, täglich im Abaton