Offener Brief an meine Fahrraddiebe

Was habt ihr gegen mich? Dreimal bestohlen in drei Jahren – aber weit wertvollere Bikes gleich daneben einfach achtlos stehen lassen

Liebe Freunde des nehmenden Gewerbes, langsam reicht es. Das dritte Rad in drei Jahren. Gut, beim ersten Mal war ich selber schuld. Über Nacht am Dammtor abgestellt, mit einem billigen Rundschloss. Das, erklärte mir der Polizist, knipst ihr in einer halben Sekunde durch. Dann habe ich mir das teuerste Schloss gekauft: fast so schwer wie das Rad und fast so teuer. Ihr habt es mir vor der Haustür geklaut, im September 2014. Ich war so frustriert, dass ich mit meinem auseinanderfallenden Alurad von 1983 gefahren bin. Ich habe kein Auto, nicht mal einen Führerschein, ich mache alles mit dem Rad. Könnt ihr das nicht berücksichtigen?

Vor zehn Monaten habe ich mir doch ein neues Rad besorgt. Eigentlich nur, weil ich meiner Tochter eins gekauft habe. Ich habe es brav jeden Abend in den Fahrradkeller geschleppt, jeden Morgen wieder rückwärts. Ich wollte sogar eine Fahrraddiebstahlversicherung abschließen. Aber der Verkäufer sagte: „Dafür haben Sie ein Jahr Zeit.“ Seit Februar steht es auf meiner To-do-Liste. Immer ganz unten.

Gestern Abend besuchte ich meine Freundin in Eimsbüttel. Ich entschied mich für den Bügelparkplatz zwei Häuser weiter, vor der Spielhalle, alle zehn Bügel mit je zwei Rädern belegt. Ein sicherer Ort. Alle Räder waren heute noch da. Nur meins nicht. Dabei stand einen Bügel weiter ein Rennrad, über 1000 Euro wert. Habt ihr Tomaten auf den Augen? Ihr seid nicht fair. Meine Tochter fährt dasselbe Modell, sie trägt es nie in den Keller, und ihr lasst es einfach stehen. Würfelt ihr?

Was ist eigentlich aus der Soko „Fahrraddiebstahl“ geworden? Ich erinnere mich an den Aufmacher: „Diese Frau jagt Hamburgs Fahrraddiebe.“ Mein nächstes Rad wird einen Mikrochip haben. Ich werde verfolgen, in welchem weißrussischen Dorf ihr es umspritzt. Ich werde euch besuchen und den Unterschied zwischen mein und dein erklären. Und warum Radfahren den Planeten rettet. Und euch bitten, nächstes Mal das Rennrad zu nehmen, einen Bügel weiter und der Soko-Frau eine Karte zu schicken: „Huhu, hier sind wir! Fangt uns doch!“