Coffee nach Italien tragen

Egbert Niessler

Vorsicht, heiß und billig – Der amerikanische Kaffeegigant Starbucks will jetzt auch im Land von Espresso und Cappuccino Filialen eröffnen

Die letzte Bastion gerät unter dem Ansturm der Fremden ins Wanken. Die Gefahr kommt – nein, nicht aus dem Orient –, sondern über den Atlantik. Der amerikanische Kaffeegigant Starbucks schickt sich einem Insider zufolge an, nun auch Italien zu erobern, die letzte unberührte Insel alteuropäischer Bohnenkultur.

Die Türkei und Österreich, einst in unruhigen historischen Zeiten Vermittler und Weiterentwickler arabischer Genüsse, sind längst gefallen. Der Rest Europas sowieso. Nur vor Italien, der Heimat von Espresso und Cappuccino, schreckte die weltgrößte Kaffeehauskette aus dem fernen Seattle bisher zurück. Zu übermächtig schienen alte Kultur und traditionsbewusste Konsumenten.

Doch nun werde mit einem einheimischen Partner verhandelt, will die Nachrichtenagentur Reuters von einer mit dem Vorgang vertrauten Person erfahren haben. Einem Bericht der Zeitung „Corriere della Sera“ zufolge laufen Gespräche mit dem italienischen Geschäftsmann Antonio Percassi. Eine Vereinbarung dürfte noch vor Weihnachten unterzeichnet werden, hieß es.

Dann gibt es auch im bella Paese endlich normierten, effizient verarbeiteten und verabreichten US-Kaffee – preisgünstig dank Steuersparmodellen und traditioneller amerikanischer Zurückhaltung bei Arbeitnehmerrechten. Und sollten auch die Italiener selbst sich sperrig zeigen – in ihrem Land tummeln sich zu jeder Jahreszeit genügend mit Filterplörre sozialisierte Touristen, die auch nach dem Essen und am Abend Cappuccino oder Latte macchiato (selbstverständlich laktosefrei) schlürfen und es für den ultimativen Ausweis globalisierter Geschäftigkeit halten, in Fußgängerzone und U-Bahn einen mit Heißgetränken gefüllten Pappbecher vor sich herzutragen.

Der Erfolg scheint also garantiert. Und zwar auf der ganzen kulinarisch-imperialistischen Linie: Vor einigen Tagen hat bereits ein anderes US-Unternehmen einen Brückenkopf errichtet und ein italienisches Produkt reimportiert: Domino’s Pizza eröffnete in Mailand eine Filiale.

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