Glosse

Streikendes Smartphone: Blind Date in Sachen „Eiklod“

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Elisabeth Jessen
Elisabeth Jessen

Elisabeth Jessen

Foto: HA / Andreas Laible

Simon und ich sind seit gestern ziemlich beste Freunde. Ein „Blind Call“ brachte uns zusammen, wir verstanden uns auf Anhieb. Also, nicht in allen Details, ich versuchte aber redlich zu verstehen, was er mir sagen wollte.

Dass ich an Simon geriet, war reiner Zufall. Mein Smartphone hatte Mucken gemacht und ich verabredete deshalb ein Telefongespräch mit dem Hersteller, um das Problem, dass alle Fotos vom Gerät verschwunden waren, zu lösen.

Simon rief pünktlich an. Freundlich klang seine Stimme, mit einem leichten Akzent, den ich nicht recht einordnen konnte. Ich tippte auf einen französischen, weil er immer vom Eiklod sprach, wo wir meine verlorenen Fotos wiederfinden würden. Während ich, das Telefon am Ohr, mit Smartphone, Tablet und Notebook werkelte, Back-ups erstellte, Einstellungen verwaltete und wartete, dass die Rechner rechneten, kamen wir ins Plaudern.

Er rufe mich aus Irland an, sagte er. Ganz neblig sei es am Morgen gewesen, er als Italiener sei mit dem Wetter nicht so richtig glücklich. Ich war verwirrt. Wieso ruft mich ein Italiener, der für den amerikanischen Apfelkonzern arbeitet, aus Irland an und spricht mit mir Deutsch? „Es hätte auch jemand aus Lissabon, Istanbul, Athen oder Hamburg anrufen können“, sagte Simon. Er sei bei der Jobsuche eben in Irland gelandet.

Die Iren seien sehr stolz und tränken sehr viel Tee, sagte er über seine Mitmenschen, und er klang dabei ein wenig unglücklich. Ich versuchte ihn aufzumuntern, während die Geräte langsam vor sich hin rechneten. „So sind sie eben, es dauert“, tröstete mich Simon seinerseits.

Meine Fotos waren nach eineinhalb Stunden wieder am rechten Platz, das Back-up sollte aber noch drei weitere Stunden dauern. Wir verabschiedeten uns also freundschaftlich, ich musste Abendbrot machen.

Manche Kunden seien gar nicht nett, sagte Simon noch zum Abschied. Erst am Vortag habe ihn einer ganz böse beschimpft. „Dabei weiß man doch“, sagte ich, „dass das Problem immer vor dem Computer sitzt.“ Aber das wusste Simon natürlich schon. Blind Calls mit Technikversagern sind schließlich sein tägliches Geschäft. Beim nächsten Problemtelefonat habe ich vielleicht Panaiotis aus Athen oder Ayşe aus Istanbul am Apparat. Mal sehen, was wir uns zu erzählen haben.

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