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Möbel, die sich wie Legosteine aufbauen lassen

Michael Linden kam auf die Idee, ein modulares Möbelsystem zu entwickeln, bei dem die einzelnen Teile mithilfe von Magneten miteinander verbunden werden

Michael Linden kam auf die Idee, ein modulares Möbelsystem zu entwickeln, bei dem die einzelnen Teile mithilfe von Magneten miteinander verbunden werden

Foto: Roland Magunia

Diese Regale, Tische und Betten lassen sich ohne Werkzeug montieren. Halt geben entweder Magnete, ein Stecksystem oder Stoffbezüge.

Viel Geschick und gute Nerven braucht man in den meisten Fällen beim Möbelaufbau. Wohl jeder minderbegabte Heimwerker wird sich schon gefragt haben: Geht das nicht einfacher? Auch Michael Linden hat sich diese Frage gestellt. Dann fing der Diplom-Pädagoge, der vor Jahren auf das Tischlerhandwerk umgesattelt hat, in seiner Werkstatt in Boitze bei Lüneburg an zu tüfteln. „Zuerst versuchte ich es mit Holzstäben, die durch Bohrungen geführt werden mussten, dann mit Verbindern, bestehend aus Klett und Flausch, wie man es bei Freizeitjacken kennt“, erinnert sich der 51-Jährige. Das alles empfand er aber als zu wenig belastbar, zu wenig tauglich.

Und dann – das ist jetzt gut zwei Jahre her – kam er auf die Idee, es einmal mit Magneten zu versuchen. Damit war die Idee für das Möbelsystem Tavar geboren. Es kommt ohne Leim, ohne Schrauben, ohne jegliches Werkzeug aus und erlaubt, Möbelteile quasi wie Legosteine beliebig miteinander zu verbinden. Damit eröffnet sich nicht nur die Möglichkeit, alles schnell auf- und abzubauen, sondern auch an die jeweiligen Raumverhältnisse (Schrägen und Drempeln) anzupassen.

Wie leicht, fast schon spielerisch sich die Möbel aufbauen lassen, zeigt sich bei einem Redaktionsbesuch des Tüftlers im Großer Burstah: Binnen weniger Minuten hat Linden die aus Bergahorn und Eiche sorgfältig gearbeiteten Platten und Verbinder zu einem kastenartigen Gebilde aufgebaut. Die Idee des Fotografen, eine kleine Aussparung zu bauen, hat der Tischler in Null­kom­ma­nix umgesetzt.

„Auch wenn das jetzt alles so einfach aussieht“, sagt Linden, „ich arbeite an der Idee für dieses modulare Möbelsystem seit gut 25 Jahren.“ Die Bohrungen im Holz seien beispielsweise 25 Hundertstel kleiner als die Neodym-Magnete, die für das System verwendet werden. „Nur so ist gewährleistet, dass sie nicht verrutschen oder herausgezogen werden können, wenn ein Möbel ab-, um- oder aufgebaut werden soll.“ Die Magnete selbst hätten jeweils eine Haftstärke von gut 2,4 Kilogramm. „Das macht das System stabil und bestens geeignet auch für den Messebau“, sagt der Tüftler und gibt damit preis, auf welche Zielgruppe er außer Privatkunden, die beste Handwerkskunst schätzen, setzt.

Der TÜV hat bereits Haltbarkeit, Qualität und Sicherheit der Möbel attestiert. Leider hat alles noch seinen Preis: Ein Regal aus der Tavar-Kollektion kostet schnell 2000 Euro und mehr. Auch ist Linden mit seinem Team, bestehend aus der Architektin Beatrix von Scheibler und Freunden mit Fachwissen aus dem Messe- und Ladenbau, noch dabei, ein Händlernetz aufzubauen. Dafür können Interessierte sich aber auf der Website www.tavar.de einen guten Überblick über die Kollektion verschaffen und so direkt Kontakt zu dem Tischler aus Boitze aufnehmen.

Als Tüftler und Designer mit eigenen Vorstellungen vom Wohnen darf auch Georg Ihm bezeichnet werden. Er ist wie Linden der Überzeugung, dass sich Möbel leicht aufbauen lassen sollten. „Vor allem müssen sie flexibel sein“, sagt der 44-Jährige und verdeutlicht bei einem Besuch in seinem Haus mit Hund und Garten in Tonndorf an Regal rob, was er meint: Dieses besteht aus MDF-Platten und wird werkzeugfrei ohne Leim und störende Verspannungen mittels Nuten im Holz Ebene für Ebene gesteckt und kann genauso einfach getrennt, erweitert oder zerlegt werden. Die Steckhöhen gibt es in vier Höhen, sodass neben Büchern und Ordnern auch anderes im Regal abgelegt werden kann. Für die Aufbauhöhe gibt es ebenfalls keine Grenzen. Wer möchte kann das Regal auch mit Rückwand erhalten. Dann handelt es sich um bert (beide Entwürfe ab 509 Euro).

Da Georg Ihm auch gern mit Spannbezügen aus Stoff experimentiert, wurde er schon als „Der mit dem Stoff tanzt“ tituliert. Tatsächlich will der Architekt, der in Wismar studiert und lange Zeit in Wien gelebt hat, auf diese Weise seinen Möbeln „ihre eigene neue Identität“ geben, wie er betont. Er selbst schläft in Bett scorg mit Leucht-Beistelltisch org nebenan – kryptische Namen ohne Hintersinn. Weil beide problemlos anders farblich bezogen werden können, sind sie wandelbar. Das gilt aber auch für den von ihm entworfenen Acryl-Leuchtkörper deta, der zugleich als Ausstellungsvitrine für Gläser und anderes genutzt werden kann. Wegen seiner vielen Ideen, Räume anders zu gestalten, firmiert er gern auch als Wohnberater.