Hamburg

Hamburg macht Zeltlager für Flüchtlinge winterfest

Stadt bestellt schon Heizlüfter. Merkel fordert EU-Sondergipfel nächste Woche. Ungarn riegelt Grenze komplett ab

Hamburg.  Der extreme Zustrom von Flüchtlingen zwingt die Behörden, die Zeltlager in Hamburg winterfest zu machen. Die städtische Gesellschaft „Fördern & Wohnen“ hat 290 Heizlüfter für die Notunterkünfte in Ohlstedt, Jenfeld, Wilhelmsburg und Bahrenfeld bestellt. Grundsätzlich hält die Stadt daran fest, alle Zeltlager bis zum Winter durch befestigte Unterkünfte ablösen zu wollen. „Nach den jüngsten Entwicklungen wird dieses Ziel schwer zu erreichen sein“, sagte Frank Reschreiter, Sprecher der Innenbehörde.

Derzeit sind noch rund 2600 Flüchtlinge in Hamburg in Zelten untergebracht. Zusätzlich muss bis Anfang Oktober eine Bleibe für 1200 Flüchtlinge gefunden werden, die bislang in der Messehalle B6 untergebracht sind. Nach vorläufigen Zahlen wurden allein im August 6700 neue Flüchtlinge in Hamburg registriert. „Es wäre naiv zu glauben, ohne Zelte durch den Winter zu kommen“, hieß es bereits in der vergangenen Woche aus Senatskreisen. Seitdem trafen täglich mehr als 350 Flüchtlinge in Hamburg ein, auch im Deutschen Schauspielhaus werden Neuankömmlinge einquartiert.

In kleiner Runde weist Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) darauf hin, dass man sich darauf einstellen muss, auf viele Jahre mit Provisorien bei der Unterbringung von Flüchtlingen zu leben, wenn der Zustrom in dieser Höhe anhält. Provisorien seien nicht nur Zelte, sondern auch Hallen, leer stehende Baumärkte oder Containerdörfer.

Unterdessen hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) einen EU-Sondergipfel gefordert. Er solle nächste Woche stattfinden, sagte Merkel beim Besuch des österreichischen Bundeskanzlers Werner Faymann. Der reguläre Gipfel im Oktober komme angesichts der dramatischen Lage zu spät.

Merkel wehrte sich gegen Vorwürfe vor allem aus der CSU, ihre Entscheidung, Tausende in Ungarn festgehaltene Flüchtlinge aufzunehmen, sei falsch gewesen. „Wenn wir uns jetzt noch
entschuldigen müssen dafür, dass wir in Notsituationen ein freundliches Gesicht zeigen, dann ist das nicht mein Land.“ Nach den rechtsextremen Ausschreitungen etwa in Heidenau sei es nötig geworden, der Welt ein anderes, hilfsbereites Deutschland zu zeigen.

Ungarn riegelte gestern die Grenze zu Serbien ab und versperrte so Tausenden Flüchtlingen den Weg nach Westeuropa. Aufgebrachte Migranten schlugen gegen Metallzäune und riefen „Öffnet die Grenze, öffnet die Grenze!“

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