Das stinkt doch zum Himmel

Warum riecht es im Erzgebirge so penetrant nach Katzendreck? Eine neue Analyse auf dem Schwartenberg soll Klarheit bringen

Wer sich eine Katze hält, scheint ab und zu an ihr zu schnüffeln, am weichen Fell, an ihren Samtpfötchen. Und was bei dieser Aktion auf die menschliche Nase und deren 350 Rezeptoren, die Geruchszellen, einwirkt, klingt olfaktorisch tierisch, jedenfalls wenn die Schwärmereien im Online-Katzen­forum wirklich der Wahrheit entsprechen. Denn dort ist die Rede von einer „Mischung aus Baby und Zimt“, versetzt mit „a bisserl Duschgel“, plus der Beteuerung: „Ich könnt den ganzen Tag an ihr rumschnüffeln.“

Her mit einer solchen Katze, möchte man als (Noch-)Haustier-Verweigerer spontan ausrufen angesichts dieser überraschenden Lektüre und der Erkenntnis, wie „Pinsel“ und „Zwergi“ duften, wenn sie vom Freigang heimkommen: nach Moos und frischer Erde, nach Minze und einem blumigen Sommertraum. Wie ärmlich sind dagegen die künstlichen Duftnoten aus Luft­erfrischern, Aromalampen, Ölschälchen und Brennstäbchen!

Erst wenn sämtliche von Katzen verbreitete Wohlgerüche aufgebraucht sind, kommt Ammoniak ins Spiel. Und schon sind wir im Erzgebirge, genauer gesagt, auf dem Schwartenberg bei Seiffen, wo sich vor allem bei südlichen Winden ein penetrantes Luftgemisch verbreitet, das selbst den zur Ausgewogenheit verpflichteten Behörden bei der Beschreibung der Geruchsbelästigung nur noch Despektierliches einfällt: Es stinkt nach Katzendreck.

Und das seit 15 Jahren. Vorher roch es „nur“ nach verbrannter Kohle, in den 90ern nach Schwefel. Die Schwaden waberten aus Tschechien rüber, sodass die EU-Kommission sogar mal ein Verfahren einleitete wegen Überschreitung der Grenzwerte. Hamburg kennt das ja. Aber woher der Katzendreck­gestank in Sachsen nun genau kommt, weiß bisher niemand.

Deshalb hat ein technisches Gerät auf dem Schwartenberg in 787 Metern Höhe jetzt einen neuen Suchauftrag bekommen. Statt weiter erfolglos nach Benzol oder Stickoxiden zu schnüffeln, soll es jetzt Mercaptane aufspüren, schwefelhaltige chemische Verbindungen. Sie könnten aus der Industrie herüberwehen. Im Herbst und Winter schlimmer als im Sommer. Sicher ist nur: Katzen, ob aus Sachsen oder Tschechien, sind nicht die Übelriecher.