Dabeisein ist auch nicht alles

Mikronesiens Nachwuchsfußballer kassieren in drei Spielen 114 Tore. Und das reicht nicht einmal für einen Eintrag in die Rekordlisten

Dabeisein ist alles, postulierte einst der wackere Baron Pierre de Coubertin, als er die Olympischen Spiele reanimierte. Die neuzeitliche Variante der antiken Wettkämpfe war – wie der Spruch des französischen Adligen unschwer erkennen lässt – getragen vom Pathos und der Romantik des 19. Jahrhunderts. In der modernen Leistungsgesellschaft zählt das bloße Dabeisein nicht mehr viel.

Und auch beim ganz profanen Sporttreiben tun gelegentliche Erfolgserlebnisse dem Selbstwertgefühl und der Motivation für weitere Trainingsmühen ganz gut. Spaß soll die Sache ja schließlich auch machen. Der Autor selbst hat einmal die Sportart gewechselt, weil seine Handballmannschaft Punktspiele im Durchschnitt mit 23:1 verlor. Das ist auf die Dauer einfach nur frustrierend. Da will ein junger Sportler nicht mehr unter allen Umständen dabei sein.

Was aber sollen da die jungen Fußballer aus Mikronesien sagen? Die Nachwuchskicker von der Pazifischen Inselgruppe kassierten 114 Tore in drei Partien – ohne einen einzigen eigenen Treffer zu versenken. So geschehen bei den Pacific Games auf der Insel Guam. 0:46 gegen Vanuatu, 0:38 gegen Fidschi und 0:30 gegen Tahiti lautet die erschütternde Bilanz gegen aus europäischer Sicht nicht unbedingt furchterregende Gegner. „Bisher sind die meisten noch nie aus ihren Dörfern rausgekommen – geschweige denn von ihren Inseln runter“, brachte Trainer Stan Foster zur Entschuldigung vor. Auf der Hauptinsel Guam hätten sie zum ersten Mal eine Rolltreppe oder einen Fahrstuhl gesehen – und beim Turnier hätten viele von ihnen zum ersten Mal in einer Mannschaft mit elf Spielern gekickt.

In die internationalen Rekordlisten wird das 0:46 gegen Vanuatu nicht eingehen. Da zählen U23-Spiele nicht. Das wird die Australier freuen: Denn ihr 31:0 gegen Amerikanisch-Samoa von 2001 bleibt damit unerreicht. Und Mikronesiens Trainer Foster wird sein ganzes Talent aufbringen müssen, seine Spieler am Ball zu behalten. Ein Spiel gegen den HSV könnte helfen ...