Hamburg

Hamburgs Wirtschaft warnt Rot-Grün vor Fahrradstreifen

Liste zeigt: Viele Straßen sollen umgebaut werden. Handelskammer schreibt Alarmbrief an Verkehrssenator Horch

Hamburg.  Die neue Radverkehrsstrategie des rot-grünen Senats stößt auf massive Kritik der Hamburger Wirtschaft. Die Handelskammer schrieb jetzt einen Brandbrief an Verkehrssenator Frank Horch (parteilos): Darin beklagt die Kammer die Pläne der Verkehrsbehörde, künftig auch Hauptverkehrsstraßen wie den Ring 3, die Bebelallee oder die Luruper Chaussee zugunsten neuer Radfahrstreifen zurückzubauen. Dies beeinträchtige auch den Wirtschaftsstandort.

Am gestrigen Donnerstag brachten die beiden Regierungsfraktionen von SPD und Grünen einen Antrag in die Bürgerschaft ein, wonach bis 2020 ein neues Radwegenetz mit 14 einzelnen Strecken komplett fertiggestellt werden soll. Alle sechs Fraktionen stimmten zu. Jährlich werden zudem bis zu 50 Kilometer Radwege und Radstreifen neu gebaut oder saniert. Das Abendblatt druckt heute die Liste der Straßen, wo bis 2017 neue Radstreifen angelegt werden sollen.

Die Handelskammer lehnt vor allem die geplante Verengung des Rings 3 zwischen Osdorfer Landstraße und Rugenbarg ab, wo es statt vier künftig nur noch zwei Fahrspuren für Autos geben soll. Die Leistungsfähigkeit des Rings als "bedeutendste" Querverbindung im Bereich der äußeren Stadt werde sich "drastisch reduzieren", schrieben nach Abendblatt-Information Präses Fritz Horst Melsheimer und Hauptgeschäftsführer Hans-Jörg Schmidt- Trenz an Senator Horch, der selbst einmal Präses der Kammer war. Der Rückbau widerspreche den bisherigen "Grundsätzen der Verkehrsplanung", die eine Bündelung von Verkehrsströmen vorsahen. Die Folge werde sein, dass sich der Verkehr verstärkt in die umliegenden Wohngebiete verlagern werde. Zum einen werde sich dadurch die Akzeptanz der Anwohner für die neue Radpolitik drastisch reduzieren. Zum anderen beeinträchtige "die Einrichtung von Radverkehrsspuren auf Hauptverkehrsstraßen die Leistungsfähigkeit dieses für Hamburg so wichtigen Straßennetzes erheblich".

Noch deutlicher wurde im Gespräch mit dem Abendblatt der Hamburger Speditionsunternehmer Axel Heik, selbst Kammer-Mitglied. Rückbauten wie am Ring 3 oder auf der Bebelallee würden den Wirtschaftsverkehr in Hamburg extrem verlangsamen. "Das wird für uns wie eine Fessel sein", befürchtet der Spediteur.

Die Wirtschaftsbehörde wollte zu dem Schreiben der Kammer an Horch nicht konkret Stellung nehmen. Behördensprecherin Susanne Meinecke machte aber deutlich, man werde nicht von den Plänen abrücken. Die betroffenen Straßen seien hinsichtlich ihrer Verkehrsbelastung überprüft worden, und der Bau von Radfahrstreifen sei an den jetzt kritisierten Abschnitten durchaus möglich. Es gehe darum, dort auch den Radfahrern ein "vernünftiges Angebot" zu machen, weil sich die heutigen Radwege in einem schlechten Zustand befänden. Meinecke: "Eine einseitige Bevorzugung eines Verkehrsmittels kommt nicht mehr infrage."

Der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) in Hamburg bezeichnete die Kritik der Kammer als Ausdruck einer rückständigen Verkehrspolitik. "Jetzt, wo es ernst wird, kommt es natürlich zu Verteilungskämpfen, einige wollen eben keine Fahrradstadt", sagte ADFC-Sprecher Dirk Lau.

Seite 8 Liste: Die neuen Fahrradstreifen

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