Gastbeitrag

Atomkraft floppt, Erneuerbare sind top

Nur mithilfe einer raschen Energiewende kann es uns gelingen, auch den Hunger in der Welt zu besiegen

Die Atomlobby träumt von einer „Renaissance der Atomkraft“. Doch die Wirklichkeit sieht ganz anders aus. Das bestätigt soeben der neue World Nuclear Industry Status Report. Demnach fließen seit dem Jahr 2000 nur noch drei Prozent der gesamten Energie-Investitionen der Welt in die Atomenergie – und zugleich boomen die erneuerbaren Energien weltweit. Dieser Trend gilt aber auch für die Europäische Union. 1988 waren in den heutigen 28 EU-Staaten insgesamt noch 177 Atomkraftwerke (AKW) in Betrieb, heute sind es noch 131.

Noch eindrucksvoller sind die Investitionen in die erneuerbare Energie, in die fossile und in die nukleare Energie seit der Jahrtausendwende: 57 Prozent aller Energie-Investitionen flossen in die Erneuerbaren, 40 Prozent in die Fossilen und nur noch drei Prozent in die Atomkraft. In China, dem größten Energieverbraucher der Welt, haben 2014 alle Fotovoltaik-Anlagen zusammen die Gesamtleistung der Atomkraft bereits überholt. Und im Reich der Mitte begann der Fotovoltaik-Boom so richtig erst im Jahr 2013. Weltweit gilt jetzt: Atom floppt – Erneuerbare top!

Es gibt zwar in einigen Ländern wie China, Indien oder England noch Neubaupläne für Atomkraftwerke, aber überall regen sich zugleich heftige Widerstände in der Bevölkerung.

Die Regierung Abe in Japan will zwar alle 52 nach Fukushima stillgelegten AKW wieder ans Netz bringen, doch global haben Bürgerinitiativen dies bisher verhindert. Und weltweit müssen in den nächsten 15 Jahren über die Hälfte aller AKW alters- oder sicherheitsbedingt abgeschaltet werden. Neubauten wird es kaum noch geben. Selbst das atomverrückte Frankreich hat beschlossen: Keine neuen AKW mehr. Und die alten sollen Jahr um Jahr um eins weniger werden. In Europa haben nicht nur Deutschland, sondern auch die Schweiz, Italien und die Niederlande den Ausstieg aus der Atomenergie bereits politisch festgezurrt.

Der Hauptgrund für den unaufhaltsamen Siegeszug der Erneuerbaren: Sie sind sicher, umweltfreundlich, ewig vorhanden, werden immer preiswerter und verursachen wenige Folgekosten. Kurz: Sie sind den alten Energien gesellschaftlich weit überlegen und liefern die wertvollere Energie für alle Zeit auf allen Kontinenten für alle Menschen.

Der letztlich unschlagbare Vorteil für die Erneuerbaren: Sonne und Wind schicken keine Rechnung. Sie sind Geschenke der Natur, die uns faktisch unendlich zur Verfügung stehen. Energie von ganz, ganz oben, Energie vom Chef selbst!

Nur mithilfe einer raschen erneuerbaren Energiewende kann es uns gelingen, den Hunger zu besiegen. Afrika und die Sonne – welch eine Chance, den Hunger ein für alle Mal ins Museum der Geschichte zu stellen.

Die Behauptung vom „billigen Atomstrom“ hat sich längst als Schauermärchen entpuppt: Atommüll strahlt eine Million Jahre. Was kostet es, dafür auch nur den Pförtner eines einzigen Atommüll-Lagers zu bezahlen? Wenn der Mann im Monat 2500 Euro verdient und wir eine Inflationsrate von nur zwei Prozent über eine Million Jahr zugrunde legen, dann kostet dieser eine Pförtner mehr Geld, als die gesamte Menschheit heute zur Verfügung hat. Atomstrom ist letztlich unbezahlbar. Wir können es uns einfach nicht länger leisten, auf Kosten der nächsten Generationen Energie zu erzeugen. Das brauchen wir auch gar nicht, denn wir haben längst Alternativen. Und Deutschland ist dabei technologisch führend.

Dieser weltweite Trend „Weg vom Atom“ wird soeben durch eine Meldung aus Taiwan bestätigt. Die Kuomintang-Regierung wollte ein fertiggestelltes Atomkraftwerk in Betrieb nehmen. Doch die Bevölkerung hat einen dreijährigen Aufschub und einen Volksentscheid über das Projekt erzwungen. Für diese Zeit fallen Instandhaltungskosten von 100 Millionen Euro an, was beweist, dass Atomenergie nicht nur gefährlich für Mensch und Umwelt ist, sondern auch absurd teuer. Da der Atommüll aus jedem Atomkraftwerk dieser Welt etwa eine Million Jahre strahlt, ist Atomenergie praktisch unbezahlbar.

Daran ändert auch die schönste Kampagne der Atomlobby nichts. Die Menschen sind aufgewacht. Es gilt jetzt eine Art elftes Gebot: Du sollst den Kern nicht spalten!