Hamburg

Musikschullehrer fordern mehr Geld

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HamburgSeit fast einem Jahr kämpfen die 310 Musiklehrer an der staatlichen Hamburger Jugendmusikschule (JMS) schon für eine bessere Bezahlung, bislang ohne durchschlagenden Erfolg. Bereits Mitte Oktober haben sie mit einem Konzert vor der Elbphilharmonie gegen die zähen Verhandlungen protestiert, jetzt wollen sie die Eltern ihrer Schüler mobilisieren und bitten um Unterstützung. Eltern sollen Protestkarten ausfüllen und Vertreter aus Politik und Bürgerschaft ansprechen, um eine höhere Vergütung für die Musikschullehrer zu erreichen.

Ein Musiklehrer an der JMS erhält nach Angaben der Gewerkschaft Ver.di als Berufsanfänger 2413,38 Euro brutto für eine Vollzeitstelle, mit zehn Jahren Berufserfahrung sind es 3459,19 Euro brutto. Häufig werden die Hochschulabsolventen nicht besser entlohnt als Verwaltungsmitarbeiter im öffentlichen Dienst: "Wir wollen eine neue Eingruppierung mit einer besseren Bezahlung", sagt Agnes Schreieder von Ver.di. Problematisch sei zudem, dass sehr viele Kollegen nur Teilzeit arbeiteten, längst nicht alle freiwillig. Die JMS verfügt nach Angaben der Schulbehörde insgesamt über etwa 170 Stellen. Hiervon arbeiten 34 Lehrkräfte als Vollzeit-, der Rest als Teilzeitkräfte.

Agnes Schreieder sagt: "Das letzte Angebot der Arbeitgeberseite beinhaltet, dass ein kleiner Teil der Lehrer in die nächste Tarifgruppe kommt." Das solle aber nur für Lehrer gelten, die mindestens 50 Prozent ihrer Zeit Gruppen mit mehr als zwölf Schülern unterrichten. Die Gewerkschaft lehne den Ansatz nicht grundsätzlich ab, "aber was ist mit Leuten, die in Gruppen mit elf Schülern arbeiten, oder die nur auf 49 Prozent der Unterrichtszeit kommen? Das produziert generell Ungerechtigkeit, die in der Sache nicht gerechtfertigt ist", sagt die Gewerkschafterin. Zudem solle jeweils nach einem Jahr wieder überprüft werden, ob der Kollege immer noch 50 Prozent Gruppenunterricht erteilt. Sonst droht die Rückstufung.

Einzelunterricht werde immer weiter zurückgedrängt, sagt Katrin Steinbach, die Oboe und musikalische Grundausbildung studiert hat und seit fast 20 Jahren an der Jugendmusikschule tätig ist. "Einzelunterricht für Anfänger gibt es fast nicht mehr, häufig ist es Dreier-Unterricht oder Gruppenunterricht. Es gebe eine Auflage der Behörde, mehr Kinder zu erreichen.

"Wir erreichen etwa 14.000 Schüler", sagt Christofer Seyd, Leiter der Jugendmusikschule. 8000 davon sind "klassische" Musikschüler, die Gebühren bezahlen, die anderen nehmen Angebote an den Schulen wahr, denn es gibt zahlreiche Kooperationen mit Schulen im Vor- und Nachmittagsunterricht. Seyd widerspricht dem Vorwurf, Einzelunterricht gebe es immer seltener. "Es ist keine Grundsatzentscheidung und es gibt keine Vorgabe, dass Anfänger keinen Einzelunterricht bekommen sollen." Um Kinder ans Instrument heranzuführen, sei es durchaus sinnvoll, in kleinen Gruppen zu unterrichten.

Katrin Steinbach unterrichtet an drei Nachmittagen an drei Standorten, sie ist auch in der ganztägigen Bildung und Betreuung an Grundschulen tätig. "Es ist eine anspruchsvolle Tätigkeit und sie erfordert eine umfangreiche Ausbildung", sagt die 45-Jährige. Die Spannbreite des Unterrichts sei sehr groß: "Ein Lehrer soll Gruppen unterrichten, einen fünfjährigen Anfänger, aber auch einen 18-Jährigen auf die Aufnahmeprüfung für die Hochschule vorbereiten können." Sie und ihre Kollegin wollten zwei Gehaltsgruppen höher eingestuft werden, "weil unsere Ausbildung und unsere Aufgaben das rechtfertigen", sagt Steinbach. Ein Berufsanfänger würde dann bei einer Vollzeitstelle knapp 400 Euro brutto mehr verdienen, jemand mit zehn Jahren Berufserfahrung 650 Euro brutto mehr.

Wie viele Stunden sie arbeiten, darauf haben die Lehrer nur bedingt Einfluss. Steinbach hatte lange eine 49-Prozent-Stelle. Die Behörde fragt zweimal pro Jahr in einem sogenannten Interessensbekundungsverfahren ab, wer bereit sei, mehr zu unterrichten. Anfang November konnte sie ihre Arbeitszeit auf 53 Prozent aufstocken – diese Erhöhung ist aber bis Ende Juli 2014 befristet. Sie habe seit zehn Jahren immer wieder erklärt, dass sie gern mehr arbeiten würde, sagt sie.

Angesichts der vielfältigen Aufgaben der JMS-Lehrer ist für die Gewerkschaft klar, dass sich die Behörde bewegen muss. "Wir fordern für alle Verbesserungen und planen eine weitere Aktion vor der nächsten Verhandlungsrunde am 13. Dezember", sagt Agnes Schreieder. Damit Senator Ties Rabe (SPD) endlich merke, dass das bisherige Angebot nicht akzeptabel sei.

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