Nach dem Schanzenfest gab es Krawalle. Straßenschlachten blieben aber aus. Innensenator Neumann (SPD) verurteilt die Ausschreitungen.

Hamburg. Krawalle in Hamburg: Nach dem Schanzenfest unweit des Autonomentreffs Rote Flora ist es zu Ausschreitungen gekommen. Die befürchteten schweren Straßenschlachten blieben jedoch aus. Nachdem Vermummte mehrere Feuer gelegt und den Eingang einer Bank zerstört hatten, ging die Polizei mit 2.100 Einsatzkräften und drei Wasserwerfern gegen die Randalierer vor. Fünf Polizisten und ein Journalist wurden leicht verletzt, 31 Personen vorläufig festgenommen. Ein 21-Jähriger wurde wegen Landfriedensbruchs dem Haftrichter vorgeführt. Zehn Randalierer kamen in Gewahrsam. Hamburgs Innensenator Michael Neumann (SPD) verurteilte die nächtlichen Ausschreitungen. Er sagte: "Ich habe kein Verständnis dafür, dass es im Anschluss an ein friedliches Stadtteilfest auch in diesem Jahr nach Einbruch der Dunkelheit wieder zu gewalttätigen Ausschreitungen im Schanzenviertel gekommen ist. Sachbeschädigungen, Brandlegungen und Steinwürfe auf Polizisten durch eine Minderheit von Krawallmachern sind durch nichts zu rechtfertigen. "

+++ REPORTAGE AUS DEM SCHANZENVIERTEL +++

Am Sonnabend hatten mehr als 10.000 Anwohner und Besucher ein friedliches Schanzenfest gefeiert. Anschließend kam es gegen 22.30 Uhr zu ersten Zwischenfällen, als Jugendliche vor der Roten Flora Feuerwerkskörper warfen und mehrere Müllsäcke auf der Straße anzündeten. Passanten löschten das Feuer. Wenig später versammelten sich mehrere schwarz gekleidete junge Menschen mit Sprechchören erneut um ein Feuer aus Müllhaufen und Pappkartons.

Kurz darauf wurde der Polizei zufolge eine Filiale der Sparkasse unweit der Roten Flora attackiert. Dabei zerstörten rund 20 Vermummte mit Eisenstangen den Eingangsbereich der Bank. Vor der Roten Flora seien bei einem Feuer aus Mülltonnen, Absperrgittern, Holzpaletten und Bierbänken die Flammen meterweit in die Höhe geschlagen. Die Polizei löschte das Feuer mit den Wasserwerfern und trieb die Menge auseinander. Insgesamt befanden sich zu dieser Zeit noch mehrere tausend Menschen im Schanzenviertel. Die Straße Schulterblatt wurde geräumt. Kurz nach Mitternacht beruhigte sich die Lage wieder.

Am Rande des Schanzenfestes wurde ein 19-jähriger Rahlstedter in der Nacht zum Sonnabend im S-Bahnhof Sternschanze mit einer Machete erwischt. Die gefährliche Waffe wurde sichergestellt, teilte die Bundespolizei am Sonntag mit. Der Mann, der bei der Polizei als linksradikaler Gewalttäter geführt wird, konnte nicht sagen, was er mit der Machete vorhatte.

Ein Videojournalist wurde angegriffen, als er das Feuer vor der Roten Flora filmte. Als er in ein Café flüchtete, folgten ihm zehn Randalierer, warfen seine Kamera auf den Boden und traten auf sie. Anschließend schlugen sie dem Journalisten ins Gesicht.

Das Schanzenfest im Stadtteil Sternschanze war wie in den Jahren zuvor nicht angemeldet und geht auf die Initiative der Anwohner zurück. Das seit 1988 stattfindende linksalternative Fest verläuft stets ohne Randale. In der Nacht danach jedoch kommt es alljährlich zu Krawallen. 2010 wurden 14 Menschen verletzt und 42 Personen festgenommen.

Auch in diesem Jahr hatten sich die Einsatzkräfte auf Ausschreitungen eingestellt. Die 2.100 Beamten kamen aus mehreren Bundesländern. Auch Bundespolizisten waren im Einsatz. Innensenator Neumann lobte die "hervorragende Einsatztaktik" der Polizei. Den Beamten sei es gelungen, mit "einem Mix aus Besonnenheit und konsequentem Eingreifen" größere Eskalationen zu verhindern. Der Polizeieinsatz rund um das Schanzenfest kostet nach Schätzungen der Deutschen Polizeigewerkschaft rund 750.000 Euro.

(Mit Material von dpa/dapd/coe/jeb)