Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 30. Mai 2023

| Lesedauer: 5 Minuten

Nicht für den Mittelstand

26. Mai: „SPD-Chef Klingbeil fordert höhere Steuern“

Der Spitzensteuersatz beträgt 42 Prozent für Besserverdienende und greift schon bei 58.597,00 Euro. Da kann man doch nicht ernsthaft darüber nachdenken, diese Menschen noch mehr zu belasten. Wie wäre es denn, mal daran zu arbeiten, dass die enorme Steuergeldverschwendung ein Ende hat? Der Mittelstand ist die Stütze unserer Wirtschaft und wird im übrigen schon systematisch durch zu viel Bürokratie und viele andere Dinge systematisch kaputt gemacht. Wenn schon Steuererhöhungen, dann bitte bei den wirklich Reichen oder Firmen, die aus welchen Gründen auch immer, bislang zu wenig Steuern oder gar keine bezahlen.

Gitta Uther, Seevetal

Umsatzrendite ist nicht hoch

25. Mai: „Darf ein Restaurant Vorkasse verlangen? Wissenschaft trifft Wirklichkeit: Abendblatt-Chefredakteur Lars Haider spricht mit dem ehemaligen Uni-Präsidenten Dieter Lenzen über (große) Themen unserer Zeit“

Die durchschnittliche Umsatzrendite in einem ordentlichen und nach Grundsätzen der ordentlichen Buchführung geführten Individual-Restaurant liegt bei fünf bis zehn Prozent. In Euro gesprochen: von 1.000 Euro Netto-Umsatz verbleiben 50 bis 100 Euro zu versteuernder Gewinn. Dies ist nicht viel, wenn man bedenkt, welche Porzellan-Mengen hierfür bewegt werden müssen. Erscheint nun in einem 40-Sitzplatz-Restaurant ein Vierer-Tisch entgegen der getroffenen Absprache, die übrigens formal juristischen Charakters ist, nicht, so kann man rasch nachvollziehen, wie fragil das betriebswirtschaftliche Gerüst des Gastronomen ist, der allein das Risiko von Erfolg oder Misserfolg trägt. Abhilfe könnte man schaffen, indem der Gast bereit ist, höhere (wie auch im Auslandsvergleich wahrnehmbare) Preise zu akzeptieren, in deren Folge die Erträge steigen und man sich somit auch mehr Toleranz und Entgegenkommen erlauben könnte. Gastfreundschaft soll bitte nicht mit wirtschaftlich geprägten Gastgeber-Tun verwechselt werden. Bei einem Freund überlegt man sehr wohl, unter welchen Parametern man zu- oder absagt. Im Rahmen eines geschäftlichen Zusammenwirkens helfen in einer disruptiven Gesellschaft zunehmend nur vertragliche Vereinbarungen. Der Handwerker, (was ein Gastronom im weitesten Sinne ja auch ist) darf ohne gesellschaftlichen Aufschrei Vorauskasse erwarten – beim Gastronomen, der aufgrund gesellschaftlicher und betriebswirtschaftlicher Notwendigkeiten reagiert, erfolgt eine wissenschaftlich nicht belegte Grundsatzdiskussion. Es ist der Gastronom, der reagiert und nicht umgekehrt! Zahlreiche Gäste bewegen sich leider nicht mehr auf Augenhöhe und haben einseitig die Rahmenbedingungen verändert. Was wären wir in Hamburg ohne eine funktionierende und attraktive gastronomische Vielfalt? Wir brauchen eher eine gesellschaftliche Diskussion hinsichtlich der Werteverluste einer Gesellschaft anstelle einer weiteren Überregulierung!

Björn Grimm, Lüneburg

Unsere Demokratie verliert

25. Mai: Kommentar: „Die Stimmung kippt. Warum der Klimaschutz in Verruf gerät“

Ewig Gestrige bringen den Klimaschutz in Verruf. Der Klimaschutz und damit der Schutz unserer Lebensgrundlage ist nicht ohne Anpassungen in Wirtschaft und Gesellschaft zu erreichen. Dies führt in vielen Bereichen zu Unsicherheiten. Diese Unsicherheiten werden seit Jahren systematisch durch große Firmen, deren Geschäftsgrundlage in der Zerstörung unserer Lebensgrundlage liegt, genutzt, um Änderungen und einen aktiven Klimaschutz zu verhindern. Unterstützung fanden diese Firmen gerade auch in der Regierung bei CDU und CSU, die seit Jahren die notwendigen Maßnahmen zum Erhalt unserer Lebensgrundlagen verschleppen. Dies rächt sich jetzt, da notwendige Änderungen nun um so rascher in die Wege geleitet werden müssen, was die Unsicherheiten verstärkt. Aber anstatt diese Änderungen und auch die damit verbundene Unsicherheit als Chance zu begreifen und endlich aktiv den Klimaschutz mit voran zu bringen, schüren CDU und CSU, und leider auch die FDP, weiterhin im Sinne der fossilen Industrie und aus parteipolitischen Gründen Ängste und rufen weiterhin zum Nichtstun auf. Diese Angstkampagne ist die eigentliche Ursache, die alle Maßnahmen zum Klimaschutz diskreditieren und die Stimmung in Deutschland kippen lassen. Leider vergessen CDU und FDP dabei, dass diese Ängste nur den Bauernfängern in die Hände spielen, die unsere wertebasierte Demokratie verachten und bestrebt sind unseren liberalen Rechtsstaat abzuschaffen. Am Ende verliert durch die Politik von CDU/CSU und FDP nicht nur der Klimaschutz, sondern auch unsere Demokratie.

Jörg Behrschmidt, Hamburg

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