Ein unauffälliges Mahnmal

9. Januar: Leitartikel: „Beschämend und skandalös. Noch immer fehlt ein Gedenkort für die NS-Verbrechen im Stadthaus“

Es ist erfreulich, dass im Abendblatt das lähmende Schweigen über die unwürdige Situation der städtischen Erinnerung an die ehemalige Polizei- und Gestapo-Zentrale im Stadthaus aufgebrochen wird. In einer Zeit, in der das Verharmlosen, Relativieren und Verdrängen der NS-Verbrechen trotz aller Aufklärung immer noch gesellschaftliche Realität ist, braucht es eine unübersehbare und verstörende Erinnerung an die Verbrechen, die in der Nazizeit in diesem großen Gebäudekomplex organisiert, vorbereitet und durchgeführt wurden. Doch das Kunstwerk „Stigma“ ist übersehbar, stört niemanden und ist respektlos gegenüber den Menschen, die im Stadthaus verhört und gefoltert wurden. Noch während der Kultursenator im letzten Sommer bei der öffentlichen Präsentation von „Stigma“ behauptete, dass „das Kunstwerk Stigma weithin sichtbar und spürbar an die Verbrechen erinnert, die an diesem Ort begangen wurden, … an dem man buchstäblich nicht vorbeikommt“, war das Gegenteil zu sehen: Die Passanten flanierten wie immer über den Bürgersteig und wussten auf Befragen nicht, was die fahrradweg-rote Spur bedeuten sollte. Und ein Mitarbeiter eines der Luxusgeschäfte freute sich, dass die Geschäfte mit dieser Spur größere Aufmerksamkeit bekommen könnten. An dieser Situation wird sich nichts ändern, wenn jetzt auf dem Gehweg noch eine kleine Informationstafel eingelassen werden soll. „Stigma“ wird zur Dekorationsspur. Und vielleicht ist das auch ehrlicher so. Denn in der Intention der beiden Künstlerinnen sollte die Farbe der Spur an menschliche Haut erinnern. Es war auch von einer „Blutspur“ die Rede. Die Passanten sollten also symbolisch über die Haut der im Stadthaus gefolterten Menschen gehen, und das auch noch mittels der Tartan-Einlage möglichst angenehm. Kein Wunder, dass auch noch von einer „Reparaturspur“ die Rede war, als ob sich das Leiden und das Unrecht der NS-Herrschaft reparieren ließen. Um diese Respektlosigkeit und den desolaten Zustand von „Stigma“ zu beenden, sollte in einem offenen Wettbewerb ein markantes, auf dem Gehweg aufgestelltes Denkzeichen geschaffen werden. Wenn Hamburg es mit dem Erinnern ernst meint, dürfte das nicht an den Finanzen scheitern.

Ulrich Hentschel

Kultur auf Augenhöhe

9. Januar: „Fegebank: Gendersprache muss möglich sein. Zweite Bürgermeisterin sagt, Sprache solle nicht vorgeschrieben werden“

Ich bin sicher, dass auch beim Thema Gendern am Ende der Markt regeln wird, was sich durchsetzt. Schaut man in aktuelle Stellenanzeigen und Karriereportale von Unternehmen stellt man schnell fest, dass es mit dem (m/w/d) nicht mehr getan ist. Beim Wettbewerb um junge Talente kann es sich kein Unternehmen mehr leisten, qualifizierte und leistungsorientierte Frauen „mitzumeinen“. Und auch die jungen Männer können zu Recht vermuten, dass Unternehmen, die das Gendersternchen o. ä. nutzen, mehr darauf bedacht sind, eine Kultur auf Augenhöhe, Respekt, Zukunftsorientierung und Diversität zu fördern. Dies gilt umso mehr in einer offenen Großstadt wie Hamburg und hier sowohl für einen Weltkonzern als auch für das traditionsreiche Familienunternehmen. Es wäre schade, wenn Behörden und Verwaltung hier zukünftig alt aussehen müssen.

Katrin Hofmann, Personalreferentin

Verkehr wird immer komplexer

9. Januar: „Grüne gegen Fahrtests für Senioren“

Für Privatpiloten gilt schon immer, dass alle zwei Jahre eine medizinische Überprüfung erforderlich ist mit dem Nachweis von einer mindest Flugstundenzahl in diesem Zeitraum. Und fürs Autofahren gilt: Der einmalig gemachte Sehtest und die Fahrprüfung reichen für das ganze Leben – bei inzwischen ca. 50 Millionen Pkw auf unseren Straßen mit ständig steigender Komplexität im Straßenverkehr. Ich bin jetzt gerade 70 Jahre alt geworden und würde gerne zusammen mit Professor Püschel als Vorbild eine verbindliche medizinische Prüfung und einen Fahrtest machen. Den Fahrtest würde ich gerne mit meinem Porsche 911 ablegen, den ich seit über 40 Jahren fahre.

Wilfried Schlag, Hamburg-Osdorf

Prüfung ab 60

Schon lange bin ich (bald 75) dafür, dass es ab 70 eine Fahrtüchtigkeitsprüfung geben sollte. Es ist keine Diskriminierung, sondern eine Tatsache, dass mit dem Alter auch körperliche Einschränkungen zunehmen. Bei dem einen mehr, beim anderen weniger. Die ehrlichen Menschen in meinem gleichaltrigen Umfeld geben zu, dass sie sich nicht mehr so sicher fühlen, im Dunkeln ungern fahren und den Kopf können die meisten auch nicht mehr gut drehen. Dazu kommt das abnehmende Sehvermögen. Akzeptanz fällt doch wahrscheinlich leichter nach einer nicht nicht bestandenen Prüfung. Man selbst ist ja nicht so schnell bereit, das Auto stehen zu lassen, da nehme ich mich selbst nicht aus. Eine Möglichkeit wäre auch eine verpflichtende Prüfung ab 60 und die Abstände der Tests mit zunehmenden Alter langsam zu verringern.

Christa Holland

Absurde Auflagen

9. Januar: „Bagelbistro: Ist diese Bar zu schwarz für die City?“

Haben die Verantwortlichen im Bezirksamt Mitte wirklich keine anderen Probleme, als sich um die Farbe von Markisen Gedanken zu machen? Man kann manchmal in dieser Stadt nur noch den Kopf schütteln, mit welchen Auflagen und Forderungen teilweise aufgewartet wird. Auf der einen Seite zeigt das Bezirksamt totales Unvermögen, wenn es um das Areal der Drogeneinrichtung „Drob Inn“ geht, auf der anderen Seite zeigt man dafür völlig überzogene Stärke, was die farbliche Gestaltung zweier Markisen in der Innenstadt angeht. Man sollte doch froh sein, dass es überhaupt noch Unternehmen gibt, die in der Innenstadt ihre Läden öffnen wollen.

Derk Langkamp

Weniger Busse – mehr Platz

6. Januar: „Pro und Kontra: Ist die Stadtbahn eine Option für Hamburg?“

Was kann eine Stadtbahn in Hamburg zukünftig für Autofahrer und eine alternde Bevölkerung leisten? Neben all den genannten Vorteilen der Stadtbahn (deutlich günstiger, schneller umsetzbar, größere Flächenabdeckung, Umweltvorteile) sind für mich zwei weitere entscheidend: Busse stehen sich bereits heute häufig gegenseitig im Weg. Bei zukünftig stärkerer ÖPNV-Nutzung wohl noch mehr. Eine Stadtbahn ersetzt zwei bis drei Busse. Das schafft Platz auf den Straßen, weil nur noch eine Stadtbahn, statt drei Bussen, neben dem Auto fährt. Teilweise fährt die Bahn auf separaten Streifen, wodurch diese Straßen frei von Bussen wären, und der verbleibende Verkehr flüssiger laufen kann. Der akute Busfahrermangel kann nebenbei ebenfalls angegangen werden. Zweiter Punkt: Stadtbahnen helfen einer alternden Bevölkerung. Wer kennt sie nicht, die kaputten Rolltreppen und Aufzüge an U- und S-Bahnen? In einer stark alternden Bevölkerung werden zukünftig mehr und mehr Menschen lange Treppen meiden (müssen). Die Stadtbahn ermöglicht hier den ebenerdigen Zustieg zum ÖPNV in unmittelbarer Umgebung der Wohnung. Im Gegensatz dazu kann die U-Bahn nur genutzt werden, wenn der teils kilometerlange Weg zur Station auf sich genommen wird, und die Aufzüge funktionieren. Falls nicht, müssen Oma und Opa auf dem Weg aus 25 Meter Tiefe mehrfach durchschnaufen. Aufgabe einer fortschrittlichen Politik sollte es sein, eigenes Handeln zu hinterfragen, wenn sich die Bedingungen grundlegend ändern. Paris baut(e) innerhalb der letzten 30 Jahren eine Straßenbahn mit von null auf eine Million Fahrgäste täglich. Barcelona folgt ebenfalls sehr erfolgreich.

Andreas Golbs, Ingenieur

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