Alles seit vielen Jahren bekannt

3. Januar: „Jagd auf die Retter – und nun?“ und „Fragen nach einer Nacht“

Mich überrascht es, dass dieses Chaos von der Silvesternacht als besonders außergewöhnlich wahrgenommen wird. Es ist doch schon seit vielen Jahren bekannt, dass Rettungsdienste und Polizei regelmäßig bei Einsätzen verbal angegriffen werden, bespuckt, verletzt und während ihrer Arbeit massiv attackiert werden. Es ist auch bekannt, dass die Strafverfolgung nicht passiert und unter allen Umständen vermieden wird, Verfahren werden schnell eingestellt. Leider handelt es sich um eine Klientel, die immer laut Respekt fordern, sich selbst aber nicht gefordert sieht. Nächstenliebe ist ein Gebot der christlichen Gesellschaft, aber nicht zu Lasten der Gesellschaft, die zu einem überwiegenden Teil friedlich leben möchte. Das nicht benennen der Ursache und Verursacher fördert leider wieder eine Gruppe von Menschen, die auch heute in einem Artikel erwähnt werden. Eine Gruppe von jugendlichen männlichen Migranten findet in unserer Gesellschaft keinen Platz, empfindet Frust und verfügt über zu viel Zeit. Sie kommen aus Kulturkreisen, die andere Maßstäbe setzen. Der männliche Nachwuchs wird bevorzugt und bekommt eine überhöhte Wertschätzung, die gemessen an unseren Wertvorstellungen nicht zeitgemäß ist. Das aus den Köpfen zu bekommen, ist schier unmöglich. Und das sagen zu können, muss möglich sein.

Sabine Below

Bitte eine ehrliche Diskussion

Mit Bedauern nehme ich wahr, dass die Diskussion über ein generelles Böllerverbot wieder neu entflammt, nur weil ein sehr sehr kleiner Teil der Gesellschaft Feuerwerk als Waffe missbraucht. Die letzten Jahre haben schon gezeigt, dass die Diskussion über ein solches Verbot rein ideologisch getrieben war, mal war es der Slogan „Brot statt Böller“, dann war es die Feinstaubbelastung (inzwischen durchs Umweltbundesamt widerlegt), dann Corona, der Ukraine-Krieg und jetzt die Angriffe auf Polizei und Feuerwehr. Es gibt Millionen Menschen in unserem Land, die Feuerwerk zu Silvester lieben. Feuerwerk passt in unseren aktuellen Zeitgeist – es ist nicht nur eine alte Tradition, es ist bunt, fröhlich und genderneutral. Ich erwarte von der Politik, dass die Diskussion ehrlich geführt wird. Ich erwarte von der Justiz, dass die Täter zur Rechenschaft gezogen werden. Ich erwarte zudem von allen Anderen dieselbe Toleranz gegenüber sieben Stunden Feuerwerk im Jahr, denn ich toleriere auch 365 Tage im Jahr Hundekot, zugestellte Gehwege mit E-Rollern, Klimaaktivisten, die den Verkehr behindern und viele andere Dinge, die mir nicht gefallen. Insofern: Kampf gegen illegale Pyrotechnik aus dem Ausland und Ausweitung der Böllerverbotszonen in der Innenstadt: Ja; generelles Böllerverkaufsverbot und das Verbot zum Abfeuern einer Silvesterrakete aus meinem Garten: Nein!

Jannis Malzahn

Gesetze konsequent anwenden

Jetzt wird wieder nach Gesetzesverschärfung gerufen, dabei könnten die bestehenden konsequent angewendet werden. Nur was hindert daran? Führt die Güterabwägung dazu, von der konsequenten Rechtsanwendung abzusehen? Dann werden trotz Verbots um die Binnenalster Feuerwerkskörper abgebrannt. Fehlt es an Mut hier bestehende Regelungen durchzusetzen? Mir scheint, es fehlt an Rückendeckung durch die Politik und auch die Presse skandalisiert gerne polizeiliches Handeln. Reflexhaft fordert die Politik jetzt wieder die volle Härte des Gesetztes um dann im konkreten Fall erneut das konsequente Einschreiten der Polizei lautstark zu hinterfragen. Klarheit ist was anderes.

Axel Georg Wiese

Realismus ist nötig

31. Dezember: Hamburger KRITiken „Fertig machen zur Zeitenwende“

Matthias Iken klaubt sich die Argumente zusammen, um am Ende festzustellen: Einfach wird es nicht. Das geht auch mit faktenbasierten Argumenten. Die Inflation wird auf den Krieg geschoben, war aber bereits schon in 2021 auf einem erschreckenden Niveau. Das gilt auch für Gas. Die aktuellen Verbraucherpreise sind dem Preisverhalten der Energieversorger und Großhändler geschuldet und nicht dem Krieg. Lafontaine/Wagenknecht haben das Gerücht in die Welt gesetzt, um die Gasversorgung durch Russland wieder zu reaktivieren. Wenn die Inflation der Taschendieb des kleinen Mannes ist, dann ist Desinformation das Glück der Kreml-Regenten. Wer hat den Gashahn zugedreht und gelogen, dass sich die Balken biegen? Hätte die EU auf Sanktionen aus Angst vor Reaktionen verzichten sollen? Dieses Appeasement hat uns doch den Einmarsch der russischen Armee beschert. Zuletzt wird der Realismus in der Energiedebatte eingefordert und die bekloppten Aktionen der „letzten Generation“ ins Feld geführt. Wer aus der „Ampel“ distanziert sich nicht davon? Und die Verlängerung von AKW-Laufzeiten apodiktisch (Gegner sollen schweigen) gegen den Ausbau der erneuerbaren Energien einzusetzen, zeigt die ideologische Verbohrtheit der AKW-Befürworter. Es sind noch keine Endlager für den Müll gefunden, aber neue Brennstäbe sollen gekauft werden. Warum wird die ewige Blockade der bayrischen Regierung gegen Windenergie und Trassen nicht thematisiert.

Thomas und Anna Maria Ertl

Schilderwald und Pollerdickicht

29. Dezember: Gastbeitrag „Baukultur für alle. Der Architekturkritiker Gert Kähler plädiert für ein Recht auf eine gute Umgebung und mehr Verantwortung“

Neben den von ihm zu Recht genannten „Müllsammelstellen mit großzügig herum verteiltem Müll“ lässt der Gastschreiber leider sowohl den immer dichteren Wald wahlweise schiefstehender, verdrehter, verrotteter, beklebter, verrosteter, verbeulter, verdreckter, bemooster und zudem häufig überflüssiger Verkehrsschilder als auch das wuchernde Poller- und Bügeldickicht entlang der Hamburger Straßen und auf den hanseatischen Plätzen unerwähnt; das jahrzehntelang haltbare gestaltqualitätsfreie Rohrmaterial steht, gleich in welchem Formzustand, offenbar unter Denkmalschutz. Niemanden kümmert’s, niemanden stört’s! Es fehlt eine institutionalisierte Gesamtverantwortlichkeit für den öffentlichen Raum und dessen Aufenthaltsqualität zum Wohle der Menschen.

Rupert Schubert, Hamburg

Wichtig: Erhalt der Industrie

31. Dezember: „Harburg 2023: Ein Labyrinth aus Einbahnstraßen. Serie, Teil 5: was verändert sich in den Bezirken? In Harburg wird sehr viel gebaut: neue Straßen, neue Wohnungen und neue Schulen“

Vielen Dank für Ihre Berichterstattung zur Nynas-Raffinerie im Hafen, auch im Überblick, was im kommenden Jahr im Bezirk Harburg passieren wird. Mir fehlt zu dieser Information der Aufschrei der Politik und der Bevölkerung. Ich frage mich, woran es liegt. Sind „nur“ 270 betroffene Mitarbeiter einfach zu wenig? Ist die Industriefeindlichkeit in Hamburg und Deutschland so ausgeprägt, dass jedes Stück Industrie weniger begrüßt wird? Ist es egal, ob Spezialöle für die Energietransformation und Bitumen für den Straßenbau nicht mehr in Hamburg hergestellt werden, sondern längere Anfahrtswege benötigt werden oder aus dem Ausland exportiert werden muss? Auch die Raffinerie für Pflanzenöle der Firma Olenex im Harburger Hafen, direkt neben der Nynas-Raffinerie, stellt im kommenden Jahr ihren Betrieb ein, der wenigstens nur innerhalb Deutschlands verlagert wird. Auf dem Gelände wird es keine Industrie mehr geben, dort sind weitere Logistikhallen geplant. Ich frage mich, was die Hamburger Politik und auch das Bundeswirtschaftsministerium für den Erhalt der Industrie und die Transformation zu zukunftsgerichteten Energien tun werden. Ist der geplante Hamburger Green Energy Hub nur eine leere Worthülse?

Martin Reuß, Ehemaliger Produktionsleiter der Nynas-Raffinerie, Hamburg

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