Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 28. September 2022

| Lesedauer: 8 Minuten

In Brüssel schafft man Posten

27. September: Leitartikel: „Warnsignal für Europa. Rechtsruck in Italien – doch die Regierung in Rom kann schnell scheitern“

Die Entwicklung in Europa ist vorhersehbar. Statt wichtige Themen wie die Verteidigung, die Freihandelszone oder die Migrationspolitik in den Fokus zu nehmen, schafft man in Brüssel nur Posten. Die Inhaber dieser Posten müssen mit Themen versorgt werden, die kein Bürger braucht. Selbst durch Abflussrohre kriecht man in Europa gemeinsam. Dadurch hat die EU bereits viele Sympathien bei den Bürgern eingebüßt und auch die Einmischung in Wahlen ist eher unklug. Die Engländer haben bereits das Handtuch geworfen, und es ist nur eine Frage der Zeit bis andere Länder folgen. Nur die gut gefüllten Fördertöpfe verhindern das noch. Die Lösung kann hier nur sein, eine schlankere, entbürokratisierte Gemeinschaft zu schaffen, die sich um die wesentlichen Themen kümmert.

Christiane Dornecker

Gesellschaft entpolitisiert sich

Langsam wird’s in Europa rechts immer enger, dies ist aber nur ein Teilaspekt. Eine zuverlässig abnehmende Wahlbeteiligung bei sämtlichen Wahlen auf Europa-, Länder- oder Lokalebene zeigt die wachsende „Entpolitisierung“ der Gesellschaft und ermöglicht damit das Erstarken der Nationalisten. Glauben die aktuell verantwortlichen Politiker wirklich so weiter machen zu können? Wir brauchen einen radikalen Wechsel zu einer für Jedermann verständlichen und sozialgerechten Politik, egal ob arm oder reich, Hauptschule oder Abitur. Dann gäbe es evtl. auch wieder ein persönliches Interesse, eine Akzeptanz und Verständnis für politische Entscheidungen und im Idealfall auch eine wieder steigende Wahlbeteiligung.

Peter Stüve-Bernklau

Das ist mir ein Rätsel

27. September: Leserbrief: „E-Autos sind Energiefresser“

Ein E-Auto ist kein Energiefresser, sondern ein Energiesparer. Meinen VW Golf Hybrid fahre ich rein elektrisch mit 14 bis 15 Kilowattstunden Energieeinsatz auf 100 Kilometer. Im Benzinmodus verbraucht das Fahrzeug etwa 5,5 Liter Benzin auf 100 Kilometer. Ein Liter Benzin enthält ca. acht Kilowattstunden Energie, somit verbraucht das Auto im Benzinmodus 44 Kilowattstunden Energie auf 100 Kilometer, also etwa das Dreifache. Wie Frau Kring vor diesem Hintergrund zu der Einschätzung kommt, dass (nur) E-Autos Energiefresser sind, Verbrenner aber offenbar nicht, ist mir ein Rätsel. Allenfalls im Vergleich zum Fahrrad oder ÖPNV verbraucht es noch deutlich mehr.

Jan Hensel

Zeit für Energiepreisdeckel

27. September: „Auf Kollisionskurs. Am Streit um die Gasumlage zeigt sich: Zwischen Vizekanzler Habeck und Finanzminister Lindner verläuft ein tiefer Graben durch die Ampel-Regierung“

Eigentlich ist das alles doch ein Trauerspiel. Da denkt sich der Wirtschaftsminister eine Umlage, welche das Gas zusätzlich verteuert aus und schaltet Kraftwerke ab, die Minister aller Parteien machen, oft eher wie Wahlgeschenke wirkende, Vorschläge für „Entlastungspakete“ aller Art, aber mit möglichst viel Bürokratie. Der Finanzminister hält die Taschen zu, okay, das ist seine Aufgabe, aber Zusammenarbeit zum Wohle der Menschen, Wirtschaft und Gesellschaft ist wohl nicht drin. Es wird aber höchste Zeit für einen Energiepreisdeckel, in anderen EU-Ländern gibt es diesen schon, warum bei uns nicht? Wirtschaft, Verbraucher, Mieter, Arbeitnehmer usw. benötigen langsam mal Klarheit und Sicherheit, die Energiekrise ist seit Monaten absehbar, die Preise steigen und die Verunsicherung der Menschen und Unternehmen wächst. Wie soll ein Bürger noch konsumieren oder gar größere Anschaffungen planen, wie ein Unternehmen seine Produktion oder die Einstellung von Arbeitnehmern planen, wenn sie nicht einmal annähernd ahnen können, wie hoch fällt die Gas- oder Stromrechnung aus. Die Belastungen der Wirtschaft bestehen ja nicht nur in den hohen Energiepreisen, auch ein Rückgang des privaten Konsums, wegen hoher Energiepreise und Zukunftsangst, ist Gift für die Konjunktur, gerade auch der Klein- und Mittelbetriebe. Statt hier und da unausgewogene „Entlastungspakete“ als Klein-Klein-Lösung zusammenzubasteln, wäre ein Energiepreis-Deckel aufwandsarm, gerecht und gibt Sicherheiten für Menschen und Betriebe. Letztlich ist es doch egal, ob die Gelder des Bundes nun in Form von „Entlastungspaketen“ auf dem Umweg über mein Konto oder direkt vom Bund in die Schatullen der Energiekonzerne wandern. Direkte Deckelungszuwendungen, auf Antrag nebst Nachweisen, des Bundes an die Energiekonzerne verschaffen dem Staat zudem die Möglichkeit sich die Preisgestaltung doch mal etwas genauer anzusehen.

Peter Drygalla

Das ist kein Wunder

26. September: „Faeser in Sorge wegen steigender Flüchtlingszahl. Migration über die Balkanroute nach Deutschland nimmt zu“

Merken wir noch etwas? Es ist kein Wunder, dass die Flüchtlingszahlen bei uns stark ansteigen. Die Ursachen liegen zweifellos häufig in Krieg, Perspektivlosigkeit, Armut etc. in der jeweiligen Heimat, aber auch in unserer Art der Versorgung von Flüchtlingen. Ich möchte nicht missverstanden werden: Jeder (egal woher), der Hilfe braucht, soll sie bekommen, und ich bin dabei. Was ich aber derzeit erlebe, ist eine Überversorgung. Es geht nicht mehr nur um Schutz, sondern um ein Leben hier entsprechend unserer Standards. Welche Signale senden wir damit? Wie lange hält unsere wirtschaftliche und erst recht die gesellschaftliche Lage das aus?

Karin Hansen-Nootbaar

Gehört ins Privatleben

26. September: „Dr. Wimmer – TV-Arzt ohne Zulassung. Der prominente Ratgeber und Moderator hat keine Approbation mehr. Er sagt, er lasse sie ,ruhen‘“.

Es ist, wie es immer war, sobald jemand aus der Reihe tanzt, wird es negativ belegt – jemand äußert Bedenken, in diesem Fall die Ärztekammer. Wie wichtig digitale Sprechstunden in der aktuellen Corona-Zeit sind und in Zukunft sein werden, ist ja deutlich geworden. Nicht die Digitalisierung ist das Problem, sondern die Frage wie man z. B. auch ältere Mitbürger oder hier nicht so affine Personenkreise einbindet bzw. mitnimmt. Eines sei mal ganz deutlich: Herr Dr. Wimmer hat im Laufe der Jahre Medizin auf ein auch für Laien gut verständliches Niveau und mit einer erfrischenden und empathischen Leichtigkeit herübergebracht, wie es das bis dato nicht gab. Und das Ruhen der Approbation nun als einzigartigen Vorgang aufzubauen, ist unnötig, denn wer das Buch „Wenn die Faust des Universums zuschlägt“ von ihm gelesen hat, kann ungefähr erahnen durch welche Hölle er während der Erkrankung seiner verstorbenen Tochter mit seiner Familie gegangen sein muss. Daher sollte man seine Entscheidung trotz aller Präsenz in der Öffentlichkeit da lassen wo sie hingehört, in sein Privatleben!

Marina Todt, Hoisdorf

Nicht gut für die Umwelt

23. September: „So könnte der Stadtpark der Zukunft aussehen“

Der Stadtpark ist schon sehr schön, so wie er ist. Das ist vermutlich auch der Grund, warum den Planern nichts Besseres eingefallen ist als die Autos verbannen zu wollen. Wenn es sein muss, kann man Dauerparker durch Einführung von Parkscheiben vertreiben. Mein Hund und ich kommen mit dem Auto oder eben gar nicht, weil sich alles andere nicht lohnt. Die andere Seite des Stadtparks zu erreichen würde bei Schließung der Otto-Wels-Straße für mich zur Folge haben, dass ich längere Wege zurücklegen muss. Der Umwelt kommt das nicht zugute.

Andrea Schorbach

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