Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 21. September 2022

| Lesedauer: 8 Minuten

Mitgefühl leben!

20. September: Kommentar: „Wir müssen helfen. Jetzt! Die Not der Ukrainer ist groß. Sie brauchen uns“

Ja, wir Hamburger können weitaus mehr helfen und uns unterhaken. Es kann doch nicht sein, dass Tausende in einem „schwierigen Winter“ in Turn- und Lagerhallen unterkommen müssen, während viel Wohnraum in vielen großen Häusern eigentlich zur Verfügung stehen könnte, wenn man nur wollte. Es darf doch nicht sein, dass Hamburger sich zwischen einer warmen Wohnung und einem kleinen Einkauf entscheiden müssen, während der Staat doch ziemlich planlos mit der Gießkanne eine Energiepauschale von 300 Euro an alle verschenkt, selbst an Menschen, die keine Not kennen und deren Leben ohne gravierende Einschränkungen weitergeht. Es gibt tausende Menschen in Hamburg, die von der Hand in den Mund leben müssen und auf keine Rücklagen zurückgreifen können. Was können wir, die das „Staatsgeschenk“ nicht benötigen, tun? Wir könnten „fairteilen“. Alle, die eine 300-Euro-Energiepauschale wirklich nicht benötigen, könnten diese in Form von Lebensmittelgutscheinen an die Tafeln in ihrer Nachbarschaft weiterleiten, denn dort weiß man genau, wer auf Hilfe angewiesen ist. Oder wir leiten die 300 Euro an einen vom Hamburger Abendblatt eingerichteten Fonds weiter, der sich um Bedürftige und vielleicht auch um „kleine Bäckereien“ gezielt kümmern könnte. Wir prüfen nochmals, ob wir älteren Hamburger nicht doch noch Wohnraum in unserem Haus für den kommenden Winter schaffen könnten. Ich weiß sehr wohl, dass alles nicht einfach umzusetzen ist, aber in besonders schwierigen Zeiten bedarf es besonderer Wege. Genau wie Jule Bleyer schreibt: „Jetzt ist keine Zeit zu jammern, wir müssen wieder Taten sprechen lassen.“ Ja, wir müssen uns unterhaken und „Mitgefühl leben“!

Norbert Grote,

Mitglied der Tafel „Mit Laib und Seele“

Ein undankbares Land

20. September: „Ukraine-Hilfe: Wo die Not jetzt groß ist“

Nicht nur, dass uns die Ukraine ständig kritisiert, weil wir angeblich zu wenig Waffen liefern. Jetzt wird über unsere nachlassende Spendenbereitschaft gemeckert. Anscheinend hat die Ukraine nicht mitbekommen, dass wir durch den Krieg eine hohe Inflation haben, dass alles sehr teuer geworden ist, und die Menschen in diesem Land nicht wissen, wie sie ihre Rechnungen bezahlen können. Die Ukraine ist ein sehr undankbares Land. Kein Land außer Polen hat mehr Flüchtlinge aus der Ukraine aufgenommen als Deutschland. Außerdem unterstützt Deutschland die Ukraine nicht zu knapp mit Steuermitteln. So geht man nicht mit jemanden um, von dem man Hilfe erwartet.

Manfred Sommerfeld

Stöhnen auf hohem Niveau

Wenn das ukrainische Generalkonsulat bedauert, dass die Hilfsbereitschaft drastisch nachgelassen hat, dann ist das mehr als verständlich – aber Stöhnen auf hohem Niveau. Viele Bürger haben selbst Sorgen mit der Inflation und der nächsten Heizkostenabrechnung und es gibt nicht nur das Krisengebiet Ukraine. In vielen afrikanischen Staaten sterben Menschen, weil sie nichts zu essen oder trinken haben, Naturkatastrophen in Haiti und Bangladesch sind längst nicht überstanden. Die Abwägung darüber lässt verzweifeln, wo zuerst geholfen werden sollte. Notunterkünfte in Turnhallen oder geschlossenen Supermärkten sind nicht schön, aber für eine gewisse Zeit vertretbar. Nachdenklicher macht das Foto, das Geflüchtete aus der Ukraine zeigt, die eine städtische Unterkunft suchen: Vorwiegend Männer über 18 Jahren, denen es eigentlich verboten ist, ihr Land zu verlassen. Wehrpflichtige Männer flüchten und lassen ihr Land im Stich. Da kommen auch Zweifel auf, ob unsere Unterstützung so richtig ist. Das soll kein Zynismus sein, sondern die Flüchtlingspolitik auf den Prüfstand stellen.

Dietmar Johnen-Kluge

Tarifwirrwarr vereinfachen

19. September: „Mehrheit würde Nahverkehrsticket für 29 Euro kaufen“

Es geht doch hauptsächlich um die Vereinfachung des Tarifwirrwarrs. Wenn ich vom Eimsbüttler Marktplatz fünf Kilometer nach Neumühlen/Oevelgönne fahre, kostet es 3,60 Euro. Fahre ich stattdessen neun Kilometer nach Burgwedel, kostet es: 3,60 Euro. Überraschung! Allein der HVV hat einen „Ticketdschungel“, der nicht nur Touristen in den Wahnsinn treibt. Das ist der Grund für den Erfolg des 9-Euro-Tickets!

Gabriele Ebert

Stadtgrün wird vernichtet

19. September: „,Senat zu langsam beim Klimaschutz‘. Rosa Domm und die Fraktion der Grünen begehren auf: CO2-Ausstoß schneller reduzieren!“

Für die „Grünen“ in Hamburg konzentriert sich der Klimaschutz hauptsächlich auf den Bau von Fahrradwegen, vertreten durch den stets medienpräsenten Anjes Tjarks, dem es wohl auch egal ist, ob dafür alte Bäume gefällt werden. Noch nie wurde in Hamburg so viel Stadtgrün vernichtet wie unter der Regierungsbeteiligung der „Grünen“. Es ist schon erschreckend, wenn man sich Karten anschaut, die die zunehmende Zubetonierung der Stadt in den letzten Jahrzehnten verdeutlichen.

Dietlind Thiessen

Wozu noch Deutsch lernen?

17./18. September: „Kauderwelsch, wohin man hört“

Es geht mir schon länger „auf den Zeiger“, wie einige wenige der Meinung sind, „uns Bürger“ quasi umerziehen zu wollen, indem wir deren verworrenen Wortschatz mit Anglizismen übernehmen sollen. Was kommt als nächstes? Müssen wir in Zukunft eine völlig neue Sprache entwickeln oder gehen wir gleich komplett ins Englisch über? Da gibt es im Übrigen schon Firmen, die so etwas versuchen. Da werden dann Pausenräume für Fahrer zur „Driver Lounge“, Kontaktaufnahmen zu „Single sign on“, und wöchentliche Rundschreiben zu „Driver Update“ verklausuliert, als ob man dadurch dem Ganzen den Anschein von „Weltansprache“ vermitteln wollte! Dann könnten wir doch eigentlich auch gleich noch den Euro gegen den Dollar eintauschen. Und ganz nebenbei, wozu lernen unsere Kinder in der Schule eigentlich noch Deutsch, wenn sowieso die Sprache so immer weniger gesprochen wird? Danke, für Ihr „Wachrütteln“ und den Hinweis auf Rückbesinnung zur korrekten Sprechweise in unserem Land.

Hans-Jürgen Vogt

Jeder trägt Verantwortung

17./18. September: „Massengräber von Isjum: Täter-Suche auch in Deutschland“

Bilder von Massengräbern und Beweise von Folterungen an Kriegsschauplätzen füllen die Medien. Die Ukraine ersucht bei deutschen Politikern um verstärkte Waffenlieferungen zur Landesverteidigung. Eindringliche Bitten für humanitäre Hilfe erreichen unsere Gesellschaft im Stundentakt. Flüchtlinge zeugen von Verfolgung und Hunger. Wollen wir immer noch nichts sehen, nichts wissen und hören? Jene, denen nach Kontrolle über uns dürstet, sitzen in Machtzentren außerhalb Europas. Dort weiß man um unsere Befindlichkeiten und Widersprüche, unsere übermächtigen Sorgen den Wohlstand zu wahren. Generationen von Eltern und Großeltern gestalteten unter Mühen, Leid und Verzicht eines der freiheitlichsten Länder der Erde. Verspielen wir nun leichtfertig diese Erbschaft, weil der Preis für politische Konstanz und Wirtschaftskraft schon vor uns eingezahlt wurde? Die Rechtsstaatlichkeit liegt jetzt in unseren Händen. Jeder von uns verantwortet das Leben der nächsten Generationen, die Sicherheit unserer Nachbarn und das Wohlergehen heimatloser Menschen, die bei uns leben. Ist beherztes Handeln gegen die Dämonen von Unterdrückung und Vertreibung nicht die gemeinschaftliche Aufgabe einer vorausschauenden und umfassenden Daseinsvorsorge?

Heriberto Niedorff, Hamburg

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