Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 17. September 2022

| Lesedauer: 8 Minuten

Ohne Rücklagen

16. September: „So viele Mogelpackungen wie nie zuvor. Ob Rama, Goldbären oder Calgon – bei Preis und Inhalt wird getrickst. Was die Inflation damit zu tun hat“

Seit einiger Zeit diskutiert die Politik über die übermäßigen Gewinne der Energie-Anbieter, die steigenden Strompreise wegen der Nutzung der Gaskraftwerke, die eigentlich fehlende Energie ausgleichen sollen. Interessanterweise stellen Bewohner in der Nähe von Windkraftanlagen fest, dass immer wieder größere Teile der Anlagen längere Zeit abgeschaltet werden, somit müsste Strom doch eigentlich günstig sein, weil genügend Strom da ist. Auch die Inflation ist ein Thema, während der größte Teil der Bevölkerung (laut statistischen Bundesamt verdienen rund die Hälfte der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer weniger oder um die Armutsgrenze herum) befürchtet, kaum noch etwas bezahlen zu können. Viele können nicht einfach, wie der Handel und manche Firmen, die steigenden Kosten weitergeben. Am Ende des Jahres, bei den nächsten Firmenbilanzen wird sich zeigen, welche Unternehmen einfach nur ihre Kosten weitergegeben haben und welche heimlich ihren Gewinn trotz der Krise weiter gesteigert haben. Je länger die Politik zögert, zumindest bei den Grundnahrungsmitteln die Mehrwertsteuer zu senken (und aufzupassen, dass der Einzelhandel nicht einfach seine Gewinne steigert – siehe Benzin- und Dieselpreise), umso mehr verbrennen die wenigen Rücklagen der Geringverdienenden, wenn sie nach der Corona-Zeit überhaupt noch Rücklagen haben.

Rüdiger Ramm

Keine Vordrucke erhalten

16. September: „Erschwert Haspa Überweisungen per Formular? Verbraucherzentrale hat diesen Verdacht – Sparkasse widerspricht“

Ihr Artikel ist absolut richtig. Die Haspa verweigert die Herausgabe von Überweisungsvordrucken. Ich kümmere mich um eine ältere Dame, Haspa-Kundin, die in zwei Filialen keine Vordrucke erhielt mit dem Verweis auf online- oder Telefonbanking. Dazu gab es einen Vordruck mit der einer Telefonnummer und dem Hinweis dort anzurufen zwecks Erklärung und evtl. Zusendung von Formularen. Ich habe dort angerufen, bin mehrmals mehr als zehn Minuten in der Warteschleife unterhalten worden, ohne einen Gesprächspartner zu bekommen. Letztlich hat sie in einer Filiale, unter Tränen, dann doch Formulare erhalten. Hierbei handelt es sich um eine jahrzehntelange Kundin.

Rolf Karg

Geht auch per Post

Die Verbraucherzentrale empfiehlt also Kund/-innen, die sich vom Online-Banking überfordert fühlen doch tatsächlich, dass diese sich von der Webseite der Verbraucherzentrale ein Beschwerde-Formular herunterladen? Da ist der Service der Haspa doch besser, die schickt ihre Überweisungsformulare per Post zu.

Uwe Karsten Bäcker, Hamburg

Nun die zweite Kröte schlucken

15. September: Leitartikel: „Die Ampel und das Risiko. Bei Corona ist die Regierung vorsichtig, beim Strom hingegen fahrlässig“

Die Fehler und Fehleinschätzungen des Wirtschafts- und Klimaschutzministers häufen sich derzeit in beängstigender Weise. Seine Aussage, Gasknappheit habe nichts mit Strom zu tun, wird spätestens dann widerlegt, wenn die Bevölkerung die in diesem Sommer massenhaft erworbenen elektrischen Heizlüfter einschaltet, weil Gas gespart werden muss. Natürlich sind alle vorhandenen Energieformen miteinander verzahnt! Die berüchtigte Gasumlage des Wirtschaftsministeriums (Bürger zahlen für Gas- Großhändler, egal ob notleidend oder hochprofitabel) ist fast ein Nullsummenspiel, denn die Regierung wird ihre „Einsparung“ (da ja die Bevölkerung zahlt) durch die geplante Senkung der Gas-Mehrwertsteuer wieder verlieren. Sagte Robert Habeck nicht vor einigen Wochen, dass es keinen großen Hebel zur Lösung der Energiekrise gäbe, sondern nur viele kleine Einzelmaßnahmen? Dann fragt man sich allerdings, warum die noch im Betrieb befindlichen drei Akw‘s in der größten Energiekrise der Bundesrepublik nicht wenigstens bis zum Ende des Winters im Streckbetrieb weiterlaufen sollen. Dass diese technisch bedingt nicht einfach in einen Standby-Betrieb versetzt werden können, dürfte sich inzwischen auch im Wirtschaftsministerium herumgesprochen haben – das ist eine weitere Fehleinschätzung. Habecks „Notfallreserve“-Vorschlag war somit wohl der letzte Versuch zu verhindern, dass die Grünen nach der Reaktivierung einiger Kohlekraftwerke nun auch die zweite Kröte in Form der Akw‘s schlucken müssen. Wo bleibt der Ampel-Kanzler?

Michael Deil, Bargteheide

Ungünstiges Verhältnis

14. September: „Hamburg will klimafreundlichste U-Bahn Deutschlands bauen. Innovatives Konzept: Bei der Erstellung der U 5 sollen 70 Prozent Kohlendioxid eingespart werden“

Es ist löblich, dass der Senat – allerdings erst auf Druck von Umweltverbänden und kritischer Gutachter – anerkannt hat, dass nicht nur die CO2-Emissionen beim Betrieb, sondern auch beim Bau einer U-Bahnstrecke zu betrachten sind. Denn diese sind um ein vielfaches höher, als die Einsparungen im Betrieb, so dass neue U-Bahnstrecken per Saldo erst in 180 – 250 Jahren überhaupt CO2-neutral sind. Dieses ungünstige Verhältnis hofft man nun mit neuen Bauverfahren zu verbessern. Aber hier wird eher nach dem Prinzip Hoffnung erwartet, dass dann CO2-neutraler Stahl und Beton zur Verfügung steht, bei dessen Herstellung weniger CO2 anfällt als bei den derzeit gängigen Verfahren. Wie das gelingen soll – abgesehen von vagen Selbstverpflichtungen der Baufirmen – was immer die am Ende der Tage wert sind, diese Antwort bleibt der Verkehrssenator der Öffentlichkeit schuldig. Und angesichts der Inbetriebnahme erst um 2030 wird der erste Bauabschnitt der U 5 keinen Beitrag zur Erreichung der Hamburger Klimaziele für 2030 leisten. Eine Straßenbahn auf gleicher Linienführung aber sehr wohl, denn diese könnte 2027 fertig sein! Und es ist leicht die klimafreundlichste U-Bahn in Deutschland zu bauen, wenn in keiner anderen deutschen Großstadt aus den vorgenannten Gründen derzeit keine U-Bahnen mehr gebaut werden. Gleichermaßen auf dem Prinzip Hoffnung ist die Finanzierung des Projektes gebaut. Mit 1,85 Milliarden Euro geht Hamburg in die Vorlage, in der Hoffnung, dass der Bund später einmal 75 Prozent davon übernimmt. Das aber nur, wenn nicht nur der als solcher unwirtschaftliche erste Bauabschnitt fertiggestellt ist, sondern auch die restlichen 80 Prozent des Gesamtprojektes. Dies wird aber nicht vor 2040 der Fall sein. Auch wenn der Bund später einmal seinen Anteil an den insgesamt zehn Milliarden und mehr Baukosten übernehmen sollte, im Hamburger Haushalt bleiben für dieses verkorkste Projekt mindestens 2,5 Milliarden hängen. Kann sich Hamburg das in der gegenwärtigen Krisenlage leisten?

Michael Jung

Wer bezahlt? Die Hamburger!

13. September: „Moorburg: Senat will einen schnellen Abriss. Trotz Gas-Krise wird das Kohlekraftwerk nicht wieder angefahren“

Es ist nicht nachvollziehbar, dass das modernste Kohlekraftwerk in Deutschland nicht (mehr) hochgefahren werden soll, trotz der drohenden Energieengpässe. Laut Ihrem Bericht könnte man damit den gesamten Strombedarf von Hamburg decken! Der Bau hat drei Milliarden Euro gekostet – wahrscheinlich wird der Rückbau nicht viel billiger werden. Und wer hat das bezahlt und wird auch den Rückbau bezahlen? Die Hamburger! Sie dürfen aber nicht mitreden. Vielleicht hilft ein Aufruf durch die Bevölkerung, dass der Senat mal wieder anfängt „volksnah“ zu denken und dem Wirtschaftssenator, der Gott sei Dank parteilos ist, zu folgen.

Anncatrin I. Wagner

Schreiben Sie uns gerne an oder per Post an das Hamburger Abendblatt, 20445 Hamburg
Von den vielen Leserbriefen, die uns erreichen, können wir nur einen kleinen Teil veröffentlichen. Teilweise müssen wir kürzen, um möglichst viele Meinungen zu veröffentlichen. Mit Ihrer Einsendung erlauben Sie uns, alle Inhalte und Ihre Kontaktdaten an die zuständigen Redakteurinnen/Redakteure und/oder an externe Autorinnen/Autoren weiterzuleiten. Sollte eine Weiterleitung Ihrer Kontaktdaten und ein Dialog mit uns nicht gewünscht sein, bitten wir um Mitteilung. Einsendungen werden sowohl in der gedruckten Ausgabe sowie den digitalen Medien vom Abendblatt veröffentlicht und geben ausschließlich die Meinung der Einsender wieder. Veröffentlichte Leserbriefe finden Sie auch auf abendblatt.de/leserbriefe.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Leserbriefe