Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 15. September 2022

| Lesedauer: 8 Minuten

Eine Stunde in die Innenstadt

14. September: „Hamburg will klimafreundlichste U-Bahn Deutschlands bauen. Innovatives Konzept: Bei der Erstellung der U5 sollen 70 Prozent Kohlendioxid eingespart werden“

Der Hauptbahnhof ist schon ständig überlastet und jetzt eine weitere Linie! Warum wird hier nicht endlich am Bedarf geplant? Wir benötigen in dem anscheinend unbekannten nördlichen Hamburg (es gibt auch noch Leben außerhalb von Eppendorf, Hoheluft, Rotherbaum und Eppendorf) eine Querverbindung von Ost nach West, bzw. in die Gegenrichtung. Wo sind die Ergebnisse von Bedarfsanalysen? Warum soll ich, um zu den Arenen zu kommen, den Hauptbahnhof ansteuern? Da bin ich ja selbst mit dem Fahrrad schneller und mit dem ungeliebten Auto erst recht. Es sollte doch, wenn man nur etwas gesunden Menschenverstand hätte und die grüne Brille ablegen würde, erkannt werden, dass der Hauptbahnhof schon überlastet ist, und die Metrolinie 24 dieses Ziel nur mit Umsteigen und dem ständigen Halten an unwichtigen „Milchkannen“ erreichen kann. Wenn ich schon neue, womöglich vom Bund unterstütze neue Linien plane, warum kann ich nicht über eine Legislaturperiode hinaus planen? Warum muss ich von Sasel aus, wenn ich in die Innenstadt möchte, ca. eine Stunde in unkomfortablen Zügen zubringen? Es sollten endlich Schnellverbindungen geplant werden, die wirklich den Anreiz bieten, die ÖPNV-Möglichkeiten zu nutzen.

Volker Behning

Lieber dezentral planen

Wenn man die Grafik über den geplanten Verlauf der U5 betrachtet, ergibt sich spontan die Erkenntnis, dass eine geradlinige Führung von Ost nach West eine sinnvolle Änderung wäre. Es würde die Strecke um mehr als die Hälfte kürzen, die Kosten und eine CO2- Belastung erheblich reduzieren und eine schnelle Verbindung im Norden ergeben. Ein „Nordhalbkreis“ wäre eine wesentliche Ergänzung zu den City-geführten Südrouten. Eine Nordtrasse kann an einigen Stellen Umsteigepunkte zur S-Bahn und U-Bahn bilden, die in die City führen. Die Entwicklung hat gezeigt, dass eine Metropole mehr von einigen gut strukturierten, gut erreichbaren dezentralen Mittelpunkten profitiert. Die Stadtkonzepte der sechziger und siebziger Jahre, die beinhalteten, dass alles Wichtige in der Innenstadt stattfindet, entsprechen nicht mehr unserer heutigen mobilen und digitalen Lebenswirklichkeit und sind auch ökologisch nicht erstrebenswert.

Klaus Volke-Samoske

Vergleich zur Stadtbahn ziehen

Mit der Verkündung einer drastischen Senkung der bisher zugrunde gelegten Kohlendioxid-Emissionen während der Bauphase der geplanten U-Bahn-Linie U5 aufgrund des Einsatzes neuer umweltverträglicher Bauweisen durch den Senat und den HHA-Vorstand, kurz vor dem „ersten Spatenstich“ (trotz bereits monatelanger Arbeiten) glauben die handelnden Personen offensichtlich den vermeintlich größten Widerstand gegen das Vorhaben aus dem Weg geräumt zu haben. Damit soll vermutlich/offensichtlich insbesondere den Verfechtern einer Stadtbahn-Alternative der „Wind aus den Segeln genommen“ werden. Diese hatte Bürgermeister Tschentscher noch im Frühjahr diesen Jahres im diametralen Widerspruch zu den Fakten weltweit als „nicht mehr zeitgemäße… altmodische Stahlungetüme“ eingeordnet, die „keine Metropole (heute mehr)… in ihr Zentrum“ baue. Tatsächlich hat sich durch die nunmehr geplante – aber noch längst nicht gesicherte – Bauweise absolut keine veränderte Vergleichssituation ergeben. Die betreffende Bauweise könnte ebenso gut bei den dafür infrage kommenden Streckenabschnitten einer modernen Stadtbahn zur Anwendung kommen und würde dabei lediglich einen Bruchteil der betreffenden Emissionen gegenüber dem Bau einer U-Bahn zur Folge haben. Dazu kommen die erheblich geringeren Bau- und Betriebskosten, die verkehrssystematischen, fahrgastbezogenen und ökonomischen Vorteile, die deutlich frühere Fertigstellung etc. Vor diesem Hintergrund gilt nach wie vor, dass es weder sachgerecht noch vertretbar ist, wenn das „Jahrhundert-Projekt“ U5 weiterverfolgt wird, bevor nicht eine qualifizierte Untersuchung und vergleichende Bewertung mit einer zeitgemäßen Stadtbahn-Alternative vorliegt.

Dr.-Ing. Andreas Kossak, Hamburg

Kafka lässt grüßen!

Da soll eine U-Bahn gebaut werden, obgleich die Techniken für die Baustoffe erst noch entwickelt werden müssen, geschweige denn getestet wurden. Wie viel Geld der Bau kostet? Wissen wir nicht, lassen HHA und Senat verlauten. Die Strecke von Bramfeld zur Sengelmannstraße nützt keinem, sie entspricht nicht der Wegkonstellation der Fahrgäste. Sie wollen nach Barmbek oder am Rübenkamp umsteigen in die S-Bahn. Später sollen die Fahrgäste vom Mühlenkamp/Hofweg mindestens 20 Minuten zu Fuß gehen, um zur Haltestelle Jarrestraße zu gelangen, um in die Mönckebergstraße zu kommen, wo keine U5 hält. Surrealismus pur – Franz Kafka lässt grüßen!

Ingo Naefcke

Ein Dankeslied für die Steuer

13. September: „Zu sozial? Lemonaid soll Steuern nachzahlen. Finanzamt erkennt Sponsoring von Projekten nicht an“

Ja, der Staat braucht dringend Geld! Durch den Umgang mit Milliarden von Steuergeldern, leert sich mit rasender Geschwindigkeit die Staatskasse. Jede noch so kleine Möglichkeit der Finanzämter wird genutzt, den Mittelstand auszuquetschen. Es ist unglaublich, dass eine Firma wie Lemonaid zur Steuernachzahlung herangezogen wird, da sie keine Gegenleistung des Vereins bekommen hat. Wie soll das gehen? Sollten die Empfänger täglich ein Dankeslied singen? Am Besten wir vergessen unser Spenderherz, da das Vergessen bis in die höchsten Kreise modern und zur Gewohnheit geworden ist.

Friedrich Winkelmann

Arbeiten Jobcenter effektiv?

13. September: „Das neue Bürgergeld – davor warnen Experten“

Eine Neiddebatte anzustoßen ist zweifelsfrei nicht hilfreich. Wenn es aber nicht gelingt, einen Teil der 2,4 Millionen Arbeitslosen in Jobs zu bringen, muss sich die Frage stellen, ob die Vermittlungsarbeit der Jobcenter nicht angepasst werden muss. Servicekräfte, Verkäufer und Kofferträger sind ohne große Vorbildung einsetzbar. Wie oft haben Politiker von Fachkräften aus dem Ausland geschwärmt, auch von Ukrainern, die gerne arbeiten würden. Von den 2000 angekündigten türkischen Mitarbeitern für die Flughäfen haben 150 einen Vertrag erhalten, 47 haben die Arbeit angetreten, nicht einmal 2,5 Prozent. Wenn jetzt noch der arbeitspolitische Sprecher der SPD-Fraktion die Arbeitgeber auffordert, einfach mehr Geld zu zahlen, zeigt er, dass er die Wirklichkeit ignoriert: Höchste Sozialabgaben und Steuerklassen, da bleibt vom brutto einfach zu wenig übrig. Vielen Arbeitskräften wird dies bei der Auszahlung der Energiekostenpauschale nochmals deutlich vor Augen geführt.

Norbert Herzberg, Pronstorf

Ungekürzte Vergütung

9. September: „Hausärzte drohen mit Aufnahmestopps. Geplante Sparmaßnahmen gingen zu Lasten der Patienten. Appell an Bundesgesundheitsminister“

Wir Ärzte bekommen keinen Bonus für die Neuaufnahme von Patienten, sondern eine Vergütung unserer erbrachten Leistung außerhalb des vorgegebenen Budgets und das für vier Quartale. Das bedeutet, das wir endlich einmal die Leistung zu 100 Prozent vergütet bekommen, die wir bei allen anderen Patienten nie bekommen. Ein Bonus ist eine Zusatzzahlung zum Verdienst, wir erhalten aber nur die abgerechnete Vergütung endlich einmal ungekürzt.

Dr. Anke Knorr, Allgemeinärztin

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