Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 14. September 2022

| Lesedauer: 8 Minuten

Unmut wird zunehmen

13. September: Leitartikel: „Der Schrecken der Inflation“

Hohe Preise, starker Protest. Das war auch die Ursache des sogenannten „Arabischen Frühlings“. Der Unmut wird gewiss zunehmen, wenn alle Verbraucher und Unternehmen die ersten hohen Rechnungen für Strom und Gas erhalten. Damit sich Verbraucher die Energie für das lebensnotwendige Heizen und Kochen noch leisten können, und unsere Wirtschaft nicht deindustrialisiert wird, ist ein Energiepreisdeckel das Geringste und Notwendigste, was die Politik nun einführen muss. Schließlich haben nicht die Verbraucher und Unternehmen die Gasknappheit zu verantworten, sondern unsere Politiker. Praktikabel wäre ein Energiepreisdeckel in Höhe von 90-95 Prozent des letzten Jahresverbrauchs. Dessen Einführung erzielte diverse Effekte: Es gäbe sozialverträgliche Preise, zudem einen klimaschonenden Anreiz zum Sparen und die Rechtspopulisten hätten auch kein Thema mehr.

Reiner Gorning

Mit zweierlei Maß gemessen

13. September: „Zu sozial? Lemonaid soll Steuern nachzahlen. Finanzamt erkennt Sponsoring von Projekten nicht an“

Bei den skandalösen Cum-Ex-Geschäften drückt die Finanzbehörde alle Augen zu, aber bei einem sozial engagierten Unternehmen wie Lemonaid wird das Recht ganz eng ausgelegt. Dabei hätte Hamburg hier mal eine Gelegenheit, die peinliche Scharte durch eine Vorreiterrolle beim „Social Entrepreneurship“ wieder auszuwetzen. Zumindest ansatzweise. Es ist ein Trauerspiel und ein erneuter Skandal auf allen Ebenen.

Annette Bopp

Nicht noch ein Bunkerabriss

13. September: „Zu laut: Behörde stoppt Bauarbeiten. HafenCity GmbH muss Baustelle des Null Emissionshauses weitgehend stilllegen“

So geht es also! Man muss erst den Rechtsweg beschreiten, damit das Amt für Bauordnung und Hochbau (ABH) reagiert, um bei Überschreitungen der Immissionswerte einzuschreiten. Unzählige Anwohner des Grindelviertels leiden seit Monaten (Jahren?) unter Baulärm: Sanierung des Philturms (2017), Umbau des Allende-Platzes, Sanierung des ehemaligen Fernmeldeamtes (bis 2024) und – die größte Belastung – Abriss des Bunkers in der Binderstraße, der nun seit acht Monate eine fast tägliche Belastung zwischen 75-90 Dezibel bedeutet. Wenn im Rahmen der Umgestaltung des Joseph-Carlebach-Platzes ein weiterer Abriss eines Hochbunkers im Grindelhof in Angriff genommen werden soll, ist es an der Zeit eine Initiative „Lebenswerter Grindel“ zu gründen!

Susanne Hanke

Kurzsichtige Entscheidung

12. September: „,Fahrt eure Kinder doch gleich ins Klassenzimmer!‘ Sogenannte Elterntaxis sind eines der größten Probleme für Hamburgs Schulen“

Es geht nicht um Bevormundung. Wir alle versuchen unseren Tagesablauf, unter Beachtung aller Termine, so praktisch und angenehm wie möglich zu gestalten. Dies hat aber leider oft zur Folge, dass wir nicht weitsichtig entscheiden. So kann eine, für den Moment umständlich erscheinende Entscheidung, langfristig viel mehr Positives bewirken. Wenn wir uns die Zeit nehmen, mit unseren Kindern einen geeigneten Schulweg zu Fuß oder mit dem Fahrrad zu trainieren und sie können diesen Weg dann allein bewältigen, hilft es unseren Kindern selbstständig zu werden, ihr Selbstvertrauen zu stärken und wir werden wieder mehr Zeit für uns haben.

Oliver Hanke

Monatskarte zu teuer

Mein Sohn ist acht Jahre alt und fährt mit der Bahn oder dem Bus. Bei schönem Wetter auch gerne mit dem Fahrrad. Vielleicht würden noch mehr Kinder mit der Bahn oder dem Bus fahren, wenn ein Monatsticket nicht 40 Euro kosten würde. In Berlin fahren Schulkinder kostenfrei oder jedenfalls günstiger. Warum muss ein Kind mit acht Jahren, was eventuell nur ein bis drei Stationen fahren muss, so viel für ein Monatsticket bezahlen? Sollte eine Familie drei Kinder haben, so wären es schon 120 Euro. Vielleicht sollte man mal über diese absurde Preisgestaltung in Hamburg sprechen.

Franziska Buggert

Beitrag zur Gasversorgung

12. September: „Flüssiggas-Terminal für Hamburg droht zu scheitern. Grüner Umweltsenator bittet grünen Wirtschaftsminister um Hilfe. Doch der weicht aus“

Hamburg mit seinem großen, internationalen Seehafen könnte in der jetzigen Gas-Notlage mit einem LNG-Terminal am Standort Moorburg einen wichtigen Beitrag leisten zur Stabilisierung der Gasversorgung. Da müssten sich doch Probleme, wie eine mögliche Behinderung des Schiffsverkehrs zu den Betrieben an den Harburger Seehäfen, durch eine vernünftige Koordination der jeweiligen Schiffsbewegungen lösen lassen. Auch die Verklappung des beim Bau des Terminals entstehenden Schlicks dürfte kein unüberwindbares Hindernis sein. Alles nach dem Motto „wo ein Wille…“ Aber dass Hamburg vom Bund kostenmäßig nicht allein gelassen werden kann, ist klar. Andererseits muss Hamburg dem Bund klare und vor allem belastbare Kostenkalkulationen auf dem Tisch legen. Leider habe ich das Gefühl, das hier die Beteiligten momentan jedenfalls überfordert sind.

Jan Troje

Es fehlt Individualität

10./11. September: „Architektur Preis 2022 – Sie dürfen entscheiden“

Man kann zu recht behaupten, dass ich keine Ahnung habe und alt bin und daher nicht befähigt, ein Urteil zu den vorgeschlagenen Bauten abzugeben. Jedoch habe ich eine Meinung und es bestätigt sich der Eindruck, der sich mir beim Betrachten von innerstädtischen Wohngegenden aufgetan hat. Es sind eben nicht nur Hallen, die gewisse Formen vorgeben, sondern auch Neubauten, die mir wie Würfel vorkommen. Auch auf dieser Abendblatt-Seite, alles Würfel. Und die Geschwister-Scholl-Schule sieht wie ein Gefängnis aus. Sicher bergen diese Würfel wunderbar helle und klare Räume in sich, äußerlich allerdings erscheinen sie, vor allem in der Anhäufung, eng, erschlagend und bar der wunderbar dekorativen Individualität der früheren Jahre, die wir uns wohl nicht mehr leisten können.

Doris Wolff

Den Untergang aufhalten

9. September: „Dohnanyi am Freitag: ,Verhandlungen sind die Lösung‘. Hamburgs Altbürgermeister im Gespräch. Heute über Wege aus den Krisen“

Dohnanyi nutzt die Ausdehnung der Nato, die nicht wirklich eine Gefahr für Russland darstellt und die allein den Ängsten der osteuropäischen Staaten vor Russland geschuldet war, um die kuriose Behauptung aufzustellen, der Schlüssel für den Frieden liege „allein in Washington“. In Wirklichkeit ist nicht die angebliche Bedrohung durch die Nato der Grund für den Überfall auf die Ukraine. Der Historiker Heinrich August Winkler stellt gemeinsam mit vielen anderen Sachkennern fest, dass es für den Kremlchef jetzt nur um ein Ziel gehe: die vermeintliche „geopolitische Katastrophe“ des Untergangs der Sowjetunion so weit wie möglich rückgängig zu machen. Um die Voraussetzungen für Verhandlungen über einen für die Ukraine erträglichen Frieden zu schaffen, ist es deshalb nach Einschätzung vieler seriöser Konfliktforscher notwendig, die Ukraine mit westlichen Waffenlieferungen zu unterstützen, bis der Aggressor Putin einsieht, dass er die Ukraine nicht „schlucken“ kann. Waffenlieferungen und Verhandlungen sind keine Alternativen, sondern können nur gemeinsam eine befriedigende Problemlösung bewirken.

Dr. Ernst Niemeier

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