Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 10. September 2022

| Lesedauer: 8 Minuten

Wie ein Fels in der Brandung

9. September: „Weltweite Trauer um die Queen“

Die Welt wird eine Königin wie Elizabeth II. nicht wieder sehen. Fassungslos stehen das britische Volk sowie royale Fans aus buchstäblich aller Herren Länder in Trauer vereint. Ich bin kein Anhänger der Monarchie, aber die englische Königin habe ich bereits zu meinen Schulzeiten, als die Sex Pistols sie mit „God Save The Queen“ gewaltig aufs Korn nahmen, gemocht. Sie ließ sich nie aus der Fassung bringen und war auch in stürmischen Zeiten ein Fels in der Brandung.

Alfred Kastner

Es läuft etwas falsch...

9. September: „Kanzleramts-Erweiterung wird 177 Millionen teurer“

Irgendetwas läuft gewaltig falsch in unserem Land! Tag für Tag wird der Bürger mit immer mehr verunsichernden Horrormeldungen bombardiert. In den sozialen Medien liest man neben drohenden Insolvenzen aller Geschäftsrichtungen (die laut Wirtschaftsminister Habeck keine sein werden), von Energie- und Gaspreisen, die ins Unermessliche abzudriften scheinen nun auch von einem zeitlich deplatzierten Festakt des Senats für den neuen Ehrenbürger der Stadt Hamburg sowie von Mehrkosten für den Kanzleramtsprotzbrocken in Höhe von 177 Millionen Euro – muss man das verstehen? Dieses mit zweierlei Maß messen – auf der einen Seite werden Bürger aufgefordert, drastisch zu sparen und auf der anderen Seite werden Steuergelder ohne Ende verprasst – ist für jeden Bürger nicht mehr nachzuvollziehen und entbehrt jeglichem Verständnis! Vielleicht wäre man in Regierungskreisen gut beraten auch dort mit Einsparungen zu beginnen, wie zum Beispiel einem Abspecken der 709 Bundestagsabgeordneten.

Silvia Böker

Kurios ist das nicht!

9. September: „Zwei Kampfjets über dem Flughafen – aber warum? Lärm der Maschinen eines privaten kanadischen Bundeswehr-Dienstleisters schreckt Anwohner am späten Abend auf. Die Hintergründe“

Dass „private Kampfjets“ über Hamburg fliegen und dazu noch an späten Abend lediglich 200 Meter über dem Flughafen eine „Übung“ abhalten dürfen, bedarf ohne Zweifel weiterer Aufklärung. Warum es aber überhaupt Privatfirmen gibt, die alte ausgemusterte, über fünfzig Jahre alte Maschinen zugelassen erhalten, um mit ihnen Profite zu erzielen, ist ebenfalls eine Frage und eine Antwort wert – umso mehr, als sie im Auftrag der Bundeswehr tätig werden, also aus Mitteln des Wehretats bezahlt werden. Liegt es da noch weit entfernt von der Vorstellung, dass private Panzer im Auftrag der Bundeswehr auf dem Rathausmarkt den Häuserkampf simulieren, während reguläre Einheiten z. B. in Mali zweifelhafte Militärpräsenz zeigen? „Kurios“ ist das Ganze jedenfalls nicht!

Ulrich Reppenhagen

Wir haben eine Verantwortung

7. September: „Energiekrise: Hamburgs Firmen schlagen Alarm. Handelskammer-Umfrage: 62 Prozent der Betriebe im produzierenden Gewerbe sehen ihre Existenz gefährdet“

In Zeiten eines extremen Energienotstands, wo immer mehr Firmen unter den Schutzschirm der Regierung schlüpfen müssen, ist es an der Zeit, auszuloten, wo noch finanzielle Kapazitäten frei sind, um eine Überschuldung des Staates nicht noch weiter ausufern zu lassen. Auf den Prüfstand bzw. abgeschafft gehören zeitnah unbedingt alle Subventionen für klimaschädliche Produkte. Die können wir uns nun wirklich nicht mehr leisten. Lebenswichtige Industriezweige wie die Bäckereien müssen unbedingt in das EKDP (Energiekostendämpfungsprogramm) aufgenommen werden, zahlreiche nachrangige Produkte wie z.B. Wermutwein sollten nicht mehr unterstützt werden. Die Steuerung der Massen phlegmatischer Bürger auf klimafreundlichere Pfade kann ganz einfach über den Preis erfolgen. Alles, was umweltschädlich ist, muss sehr teuer werden, z.B. Zweitwagen, Inlandsflüge etc. Hier kann der Staat sinnvoll weitere Einnahmen generieren. Großverdiener müssen stärker herangezogen werden und ihren Solidarbeitrag leisten. Sonst geraten wir sehr bald in eine soziale Schieflage mit unabsehbaren Verwerfungen. Die überbordenden Werbesendungen jeglicher Art in die Hausbriefkästen sollten ganz verboten werden. Hierfür sterben täglich unendlich viele wertvolle Bäume, die wir im Kampf gegen das zunehmende CO2 dringend brauchen und die uns schon jetzt bei großflächigen Waldbränden weltweit verloren gehen. Wer das alles als Spaßbremse sieht, der muss sich vorhalten lassen, dass wir aktuell rein rechnerisch bis zur Jahresmitte schon mehr als eine Erde pro Jahr verbraucht haben, um unseren Ressourcenhunger zu stillen. Wir leben nicht nur im Hier und Jetzt, sondern haben auch eine Verantwortung für kommende Generationen. Kann es nicht auch Mut und Spaß machen, Wege zu finden, damit es auch unseren Kindern und Kindeskindern noch einigermaßen gut gehen kann?

Annelie Kirchner

Politik muss gegensteuern

7. September: „Mietenfalle Inflation. Bei den Verträgen, die an die Teuerung gekoppelt sind, drohen jetzt happige Aufschläge“

Wir haben einen Wohnungsmietvertrag mit Indexklausel, Vertragsabschluss 2009. Danach moderate Erhöhungen von zwei bis 3,5 Prozent. Kaum war der Index für Juni 2022 veröffentlicht, erhielten wir von unserem privaten Vermieter ein entsprechendes Mietänderungsverlangen mit einer Erhöhung der Nettokaltmiete um acht Prozent. „Haus & Grund“ als Grundeigentümerverband hat bereits zu „Augenmaß“ bei Indexmieterhöhungen aufgerufen. Das wird meines Erachtens nicht reichen. Vielmehr muss die Politik hier gegensteuern. Sei es durch eine Kappung in der Höhe oder eine Verlängerung der Zeit, in der die Miete unverändert bleiben muss. Das darf nicht nur für Neuabschlüsse gelten, sondern auch für Bestandsmietverträge. Wenn die Inflation so weiter geht und damit der Verbraucherpreisindex immer weiter steigt, gerät die Mieterhöhungsschraube bei den Indexmietverträgen ins Maßlose. Hinzu kommen ja auch noch extrem gestiegene Wohnungsnebenkosten. Mein Mann und ich beziehen Altersruhegeld. Wir blicken mit Sorge in die Zukunft.

Monika Hartmann

Atommeiler nicht abschalten

6. September: „Habeck will Atommeiler nur als Notreserve. Zwei der drei verbliebenen Kraftwerke sollen im Krisenfall wiederangefahren werden. Die Opposition kritisiert die Entscheidung scharf“

Seit Wochen gibt es diese Diskussionen um die Verlängerung der letzten drei Atommeiler, und dann kommt nach dem Stresstest so ein fauler Kompromiss, der sich, wie sich jetzt herausstellt, so gar nicht realisiert werden kann, weil man Atomkraftwerke nicht im Standby-Modus laufen lassen kann. Es ist doch jetzt keine Zeit für ideologische Politikentscheidungen, die die Bürger immer mehr verunsichern. Wir brauchen jetzt pragmatische Entscheidungen, nachvollziehbar und mit der Gewissheit, dass unsere Politiker alle Möglichkeiten nutzen, um uns durch die nächsten Monate zu bringen. Es geht nicht nur darum, dass wir u. U. in kalten Wohnungen sitzen, sondern um die Folgen für die Wirtschaft, Arbeitskräfte usw. Statt dessen produzieren wir jetzt auch noch Strom mit unseren Gaskraftwerken und liefern ihn nach Frankreich. Auch das ist ein Argument, die Atommeiler nicht abzuschalten, Strom zu produzieren und den Strompreis wegen des höheren Angebotes wieder senken zu können. Im Augenblick sollte man Prioritäten setzen – was nicht heißen soll, das wir die Erneuerbaren vernachlässigen – wie sagte Herr Kretschmann ganz richtig: Besondere Umstände erfordern besondere Maßnahmen.

Ilonka Ressler

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