Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 7. September 2022

| Lesedauer: 8 Minuten

Trinkwasserversorgung sichern

6. September: „Hamburg sitzt auf dem Trockenen. In diesem Sommer hat es viel zu wenig geregnet“

Nicht nur Hamburg liegt auf dem Trockenen, sondern auch die Nordheide. Von dort bezieht Hamburg große Mengen seines Trinkwassers. Geht das Austrocknen weiter – was die Klimaforscher ja voraussagen – wird von dort trotz aller Verträge weniger oder kein Wasser mehr bezogen werden können. Vorausschauende Politik muss jetzt schon nach Alternativen suchen, die die Trinkwasserversorgung der Hansestadt sichern. Ein Beispiel wären Meerwasserentsalzungsanlagen. Die Planung müsste allerdings jetzt schon beginnen, damit es dann nicht heißt, wir brauchen noch Jahre, um eine alternative Wasserversorgung zu gewährleisten.

Wolfgang Knobel

Reserven mobilisieren

6. September: „Habeck will Atommeiler nur als Notreserve“

Verantwortliches politisches Handeln sieht anders aus. In einer energiepolitischen Notlage, wie sie uns bevorsteht, gilt es alle Reserven zu mobilisieren und nicht auf Kante genähte Kompromisse zu beschließen. Es ist irrwitzig genug, dass das moderne Kohlekraftwerk Moorburg vom Netz gegangen ist und teilweise schon ausgeweidet wurde. Es war kurzatmig, nach Fukushima den schnellen Atomausstieg zu beschließen. Wer kann denn heute sagen, wie morgen der Winter in Deutschland und in den benachbarten Ländern ausfällt? Lasst es mehrere Tage oder gar Wochen minus zehn Grad kalt werden. Mit zugefrorener Alster, soll ja vorkommen! Soll dann der massenhafte Betrieb von Heizlüftern das Stromnetz zum Zusammenbruch bringen? Die deutsche Bevölkerung wird mit Entlastungspaketen gepampert, die im Zweifelsfall niemandem wirklich helfen, weil man Geld nicht verheizen oder in Strom umwandeln kann. Unser Land braucht jetzt Energiesicherheit, sprich, eine transparent gut abgepufferte Bereitstellung. Das ist gut für die Stimmung in Wirtschaft und Bevölkerung. Sie stärkt auch die Solidarität mit der Ukraine. Die Einsparung von Kohlendioxid ist jetzt ein Problem von morgen, das bei der Wiedereinstellung eines landesweiten energiepolitischen Gleichgewichts berücksichtigt werden kann.

Dr. Volker Schreiner, Hamburg

Grüne Tricksereien

Die Gefahr besteht, dass unsere Energieversorgung durch grüne Tricksereien auf tönerne Füße gestellt wird. Der Ausstieg aus der Steinkohle und Braunkohle, und die ideologische Abschaltung der Kernenergie sollte durch Gaskraftwerke bewältigt werden. Nun ist das Gas weg und es wird weiter getrickst. Schon Einstein hat gesagt: „Mit demselben Gedankengut, das in die Krise geführt hat, lässt sich die Krise nicht bewältigen.“

Dietrich Ksoll

Leere Drohung von Uniper

3./4. September: „Uniper – diesen Konzern soll die Gasumlage retten“

Wieso der deutsche Steuerzahler die Resterampe überholter Großkraftwerks-Technologien, die im mehrheitliche Eigentum des finnischen Staates steht, mit Euro-Milliarden retten soll, erschließt sich nicht. Letztlich geht es um die Margen- und damit Posten-Sicherung der lokalen/regionalen „Versorger“. Wieso leisten wir uns in Deutschland 860 Verteilnetzbetreiber mit Monopolbetrieb und fast 1000 Stadtwerke mit tausenden von hoch bezahlten Führungskräften, die außerhalb der Infrastruktur-Aufgaben für den Netzbetrieb überwiegend eine Energiesorte verteilen, von der wir uns sowieso schnellstens verabschieden müssen? Die Energiekosten gehen sofort massiv nach unten ohne doppelte Margen, eine Verschlankung ist auch im Europa-Vergleich überfällig. Dass die Gesellschafter von Uniper das Unternehmen ohne staatliche Hilfen in die Insolvenz laufen lassen, dürfte eine leere Drohung sein.

Karl Eberhard Hunke

Scholz bleibt sich treu

5. September: „Habeck bringt sich in Position. Wirtschaftsminister wird Scholz’ Herausforderer“

Man muss Kanzler Scholz nicht mögen, aber er bleibt sich treu und lässt es unversucht sich zu verstellen. Da erscheint ein Philosoph Habecknatürlich eloquenter in seiner Ausdrucksweise. Auch er muss sich nicht verstellen, ein leichter Hang zum Narzissmus war schon als Minister in Schleswig-Holstein erkennbar. Faktisch spricht nichts für einen Kanzler Habeck. Seine Verbeugung in Qatar führte zu keinem belastbaren Ergebnis und die unausgewogene Gasumlage sind nur zwei Beispiele für politisches Versagen. Das er nebenbei nahezu alle grünen Kernthemen abgeräumt hat, wird ihm momentan wohl vom Stammwähler noch verziehen. Nur wie lange noch?

Stefan Kruse, Aukrug/Holstein

Weder Scholz noch Habeck

Ehre wem Ehre gebühret, aber bitte nicht übertreiben Herr Haider. Unser Bundeskanzler Olaf Scholz hat offensichtlich so viele Erinnerungslücken – siehe Wirecardskandal und Deal mit der Warburgbank, dass zu befürchten ist, dass er sich eines Tages nicht mehr an seinen Amtseid erinnern kann. Was nun Robert Habeck betrifft eventuell Kanzler werden zu wollen, ist das noch ein langer dorniger Weg. Da werden noch einige andere Damen oder Herren ihre Ansprüche anmelden. Meine Prognose: Weder Olaf Scholz noch Robert Habeck werden bei der nächsten Bundestagswahl Bundeskanzler.

Jürgen Retzlaff

Wenig ausgewogen

5. September: „Ein Paket mit Wumms. Die Ampel überrascht mit Milliardensegen und ungewöhnlichen Ideen“

Ein Paket mit Wumms ist das lediglich auf der Ausgabenseite, in allen Punkten weder ausgewogen noch präzisiert. Alle genannten Bereiche sind vage, werden den Bedürfnissen nicht gerecht, im weitesten Sinne wird einerseits Geld verbrannt, andererseits kommt wenig bei den wirklich Betroffenen an. Der Staat will die Strompreise deckeln oder im Zaum halten, ausgerechnet durch eine Abschöpfung der Zufallsgewinne statt einer Veränderung des „Merit-Order-Prinzips“ bei den Kraftwerken, es ist zweifelhaft ob, wie und wann das überhaupt möglich ist. Der Strompreis wird zurzeit im Wesentlichen durch den sehr hohen Gaspreis bestimmt, also müsste man als erstes die Gaskraftwerke abschalten, was dann auch der Versorgungssicherheit zugute käme. Im Übrigen fehlt eine Aussage zum Weiterbetrieb der Kernkraftwerke, denn damit wären die Gaskraftwerke kompensiert. Eine Nachfolgeregelung für das 9-Euro-Ticket ist in der bisherigen Form unsinnig, allenfalls für den Weg zum Arbeitsplatz wäre es eine Entlastung, ansonsten nutzen es ca. 70 Prozent für Zugfahrten, die sie sonst gar nicht machen würden. Unsolidarisch ist auch eine steuerfreie und freiwillige Zuwendung der Arbeitgeber, diese erzeugt Neid und spaltet die Gesellschaft, denn nur wenige Betriebe werden das zahlen können, stattdessen könnte man z.B. das „Weihnachtsgeld“ steuerbefreit auszahlen. Warum traut sich die Regierung nicht, den Bürgern nahezubringen, dass der bisherige Lebensstandard nicht aufrechtzuerhalten ist, jeder seinen eigenen Beitrag zu leisten hat, sofern das möglich ist, man aber die wirklich Bedürftigen gezielt mit direkten Zuwendungen unterstützt, ohne den halbwarmen Regen für alle.

Herbert Stephan

Wie beschämend!

3./4. September: „Keine Staatsgäste bei Begräbnis von Gorbatschow“

Deutschland hat Herrn Gorbatschow die Wiedervereinigung zu verdanken. Weder Bundespräsident Steinmeier, noch Bundeskanzler Scholz, noch Außenministerin Baerbock hielten es für nötig, an der Beerdigung dieses Staatsmannes teilzunehmen. Wie beschämend für Deutschland!

Horst Kloppert, Ahrensburg

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