Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 30. August 2022

| Lesedauer: 7 Minuten

Bitte, legen Sie jetzt auf...

29. August: Gastbeitrag: „Die Digitalisierung macht das Leben einfacher!?“

Der Artikel von Professor Arno Rolf veranlasst mich, über eine bemerkenswerte Telefonansage einer Hamburger Service-Institution zu berichten: Nach einer freundlichen Begrüßung wird die Frage gestellt, ob sich der Anruf auf die Bearbeitungsdauer eines (…)antrages beziehe. Wenn das so sei, solle man bitte den Anruf beenden. Es folgt der Hinweis, dass man die Zeit für die schnellere Bearbeitung der Anträge einsetzen könne. Dazu erübrigt sich wohl jeder weitere Kommentar...

Volker Nicolai

Alles dauert ewig

27./28. August: „Der deutsche Schlendrian“

Die beschriebenen „goldenen“ Zeiten unserer Republik sind lange her. Früher wurde eben mehr oder weniger einfach „gemacht“, was notwendig war oder sinnvoll erschien. Schon seit langem ist das aber nicht mehr möglich, so steht z.B. jede Infrastrukturmaßnahme bekanntlich unter dem Vorbehalt einer langwierigen behördlichen Planung, einer umfänglichen Bürgerbeteiligung und wird in aller Regel von Verbänden oder Bürgerinitiativen so oder so in Frage gestellt. Das Ergebnis: Alles dauert ewig, wird auch deshalb teurer oder wird zum Teil erst gar nicht in Angriff genommen oder zu Ende gebracht. Beispiele wie die Elbphilharmonie, die A 20, Marschbahn, Elbvertiefung, Ausbau alternativer Energien und deren Transport durch Deutschland zeugen davon. Die Liste ließe sich endlos fortführen. Und die Politik tut das ihre, sie traut sich aus Angst vor Bürgerunwillen und Aktivisten nicht, hier Abhilfe durch schlankere Genehmigungsverfahren zu schaffen. Im Gegenteil, sie fördert die Langsamkeit dieser Prozesse. Vermutlich wird sich daran auch nichts ändern, der Schlendrian wird wohl leider eher noch zunehmen, allen gegenteiligen Beteuerungen der Politik zum Trotz. Und auch der Bürger, der diesen Schlendrian kritisiert, muss sich manchmal an die eigene Nase fassen.

Klaus Krämer, Eckernförde

Die Zeche zahlen unsere Kinder

Auch mich macht es traurig, dass der gedankliche Morast aus ängstlichem, opportunistischem Zaudern, operativer Hektik, ichbezogener Erwartungshaltung auf das Jetzt und Heute sowie einem fehlenden, mehrheitsfähigen, gemeinsamen Verhaltenskodex uns als Gesellschaft, aber auch Europa daran hindert, die Herausforderung der Zukunft positiv und nachhaltig zu gestalten. Unsere Kinder und Enkel werden ein Bedauern und eine Entschuldigung für das Versagen von der jetzt die Verantwortung tragenden Generation nur schwer akzeptieren. Zukünftige Generationen werden vieles von dem schultern müssen, was jetzt versäumt wird und falsch läuft.

Klaus Matthiesen, Quickborn

Auf den Punkt gebracht

Vielen Dank für Ihren grandiosen Artikel! Ich kann mich nicht daran erinnern, wann ich das letzte Mal den Eindruck hatte, dass jemand so genau auf den Punkt bringt, was auch ich in meinem Kopf bewege. Chapeau!

Nina Klemme

Egoistische Eliten

Als politisch immer noch interessierter Oldi habe ich in den letzten Jahrzehnten, besonders während der Merkelkanzlerschaft, am Verstand der politischen, wirtschaftlichen, journalistischen und auch kulturellen Eliten gezweifelt. Diese haben nicht das langfristig Sinnvolle getan, sondern das kurzfristig Gewinnbringende. Hierzu zwei Beispiele: Zum Einen hat die Globalisierung deutschen Konzernen Gewinne gebracht durch Ausbeutung von Natur und billigen Arbeitskräften im Ausland. Das hat zu Abhängigkeiten, Lieferketten, Pandemie, Konsumgier und Wegwerfgesellschaft geführt. Und zweitens haben bei der Umwandlung der deutschen Gesellschaft in eine multikulturelle die zuvor genannten Eliten anfangs die sich anbahnende Einwanderungsgesellschaft geleugnet. Nun preisen sie die „vielfältige, bunte, multikulturelle deutsche Gesellschaft“, ohne dass je eine Debatte darüber stattfand. Das hat die Meinungsfreiheit und die Demokratiefreudigkeit beschädigt. Und aktuell fliegen unsere Eliten um den Erdball, wollen neue Abhängigkeiten schaffen und sich an alte Denkmuster klammern. Problemlösungen in Deutschland werden so wieder behindert, wie z. B. die Regionalisierung und ein sparsames, naturerhaltenes Wirtschaften. Oh je...

Manfred Rogolus

Folgen sind nicht absehbar

27./28. August: „Planlos in der Energiekrise“

So manche Argumentation kann ich ja nachvollziehen, aber wieso Atomenergie und Kohlekraft als preiswert bezeichnet werden, erschließt sich mir überhaupt nicht. Das ist angesichts der nach wie vor ungeklärten und mit Sicherheit teuren Endlagerung des Atommülls und der ökologischen Folgen der Kohlekraft schon lange nicht mehr wahr.

Fritz Burkhardt

Energiewende ist unrealistisch

Die grüne Vorstellung, Kohle- und Kernkraftwerke bis 2030 abzuschalten und durch mehr als 40 geplante Gaskraftwerke für Regelenergie und Grundlast zu ersetzen, ist angesichts der derzeitigen Situation auf dem Gasmarkt illusorisch, da die Kosten für Strom aufgrund des Wegfalls billigen russischen Gases durch die Decke gehen würden. Kernkraftwerke, die äußerst günstig Elektrizität, insbesondere in der Grundlast erzeugen, sollen ja trotzdem abgeschaltet werden. Hinzu kommt, dass durch die geplante Sektorenkoppelung zukünftig große Strommengen für E-Mobilität und Wärme (Wärmepumpen) benötigt werden. Getoppt wird das Ganze dann noch durch die geplante elektrolytische Produktion von grünem Wasserstoff, der als Energiespeicher bzw. als Ersatz für fossile Brennstoffe, insbesondere in der Stahl-, Zement-, Glas- und Düngemittelproduktion eingesetzt werden soll. Die geplante Zusammenarbeit mit Kanada, Chile, Namibia und anderen Staaten bezüglich grüner Wasserstoffproduktion für Deutschland ist eine reine Nullnummer, da es bisher weltweit nur den japanischen Prototyp eines Wasserstoff-Tankers mit einer Kapazität von 1250 m³ (90 t) flüssigen Wasserstoffs, der mit einer Temperatur von -253 Grad transportiert werden muss, gibt. Die sogenannte Energiewende ist in der derzeitigen Energiekrise völlig unrealistisch und von Wunschdenken geprägt.

Ernst Mutz

Letzte Ruh für Winnetou

23. August: Leitartikel: „Winnetou gehört uns allen“

Karl May hat Winnetou geschrieben,

nun ist er leider tot, ihr Lieben.

In Ravensburg fand Winnetou,

ganz plötzlich seine letzte Ruh.

Mit hundertneununddreißig Jahren,

darüber war er sich im klaren,

da geht es schon einmal im Nu,

hinauf zu seinem Manitou.

Doch Manitou ist’s nicht gewesen,

konnte man in der Zeitung lesen.

Es waren die Über-Korrekten,

denen May’s Bücher gar nicht schmeckten.

Der ließ, wie teuflisch und gemein.

den Winnetou Indianer sein.

Doch eingebor’ne Ethnien,

nennt man native American!

Karl May hat das im Grab gehört

und reagiert nun ganz verstört:

„Warum“, er die Kritiker fragt,

„habt ihr mir’s damals nicht gesagt?“

Die Antwort ist so wahr, wie schlicht:

„Da gab’s solche wie uns noch nicht!“

Konrad Frank

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