Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 25. August 2022

| Lesedauer: 8 Minuten

Pensionäre nicht vergessen

24. August: „Senioren fordern Energiepauschale für alle. Demonstration am Sonnabend in der Innenstadt geplant“

Zu Recht fordern die Rentner, dass auch ihnen die Energiepauschale gewährt wird, die sogar der angestellte Manager erhält. Es bedarf hier aber auch der in diesem Zusammenhang leider immer wieder versäumten Erwähnung, dass 1,7 Millionen Pensionäre des Bundes, der Länder und Gemeinden nicht ausgeschlossen bleiben dürfen. Nur der geringste Teil unter ihnen bezieht nämlich die berüchtigte, aber regelmäßig zu Unrecht behauptete „üppige Pension“. Mehr und mehr ist übrigens zu befürchten, dass gerade die große Gruppe von Bürgern, die knapp oberhalb der Grenzen staatlicher Bezuschussungen für den Lebensunterhalt liegen, leer ausgehen werden – ganz zu schweigen von den Beziehern mittlerer Einkommen, die ihre Ersparnisse und Vorsorgerücklagen für Energiekosten bei gleichzeitiger inflationärer Geldentwertung opfern müssen. Bereits jetzt wird vor einer „Verarmung“ dieser breiten „systemrelevanten“ Schicht gewarnt. Dabei hatte der Bundeskanzler doch versichert, dass in der Krise niemand alleingelassen würde.

Ulrich Reppenhagen

Das U-Bahn-Profil ist schon da

24. August: „S-Bahn-Probleme: Tjarks forciert weitere Elbbrücke“

Wer nicht blind ist, sieht, dass diese Elbbrücke längst existiert. Die Freihafenelbbrücke hat ein Profil, das für die U-Bahn seinerzeit vorgesehen war und nun leer steht, die Hochbahn will aber unbedingt eine neue Brücke haben, anstelle dieser vorhandenen und lässt ihre U 4 im Anblick dieser Elbquerung enden. Mit gutem Willen und planerischem Geschick wäre diese Querung mittlerweile vorhanden.

Dr. Gunter Alfke, Hamburg

Linguistischer Overkill

23. August: Leitartikel: „Winnetou gehört uns allen. Wer solche Bücher vom Markt nimmt, kapituliert vor den Eiferern“

Seit einiger Zeit greift ein Phänomen um sich, das man als linguistischen Overkill bezeichnen kann. Die Liste sogenannter böser Wörter wächst pandemieartig und keiner kann sicher sein, was als nächstes kommt. Ein paar Beispiele prominenter Wortopfer: „Entdecker“, „Dschungel“, „Orient“, „Latino“, „Stamm“, „Häuptling“, „Indianer“, „Zigeuner“. Die jeweiligen Wort-Scharfrichter reiben sich an einem angeblichen kolonial oder rassistisch existierenden Bezug. Damit nicht genug: In einigen Städten Deutschlands will man sich demnächst alle Straßennamen vorknöpfen und diese auf einen kolonialen oder rassistischen Bezug prüfen. Dieser „Säuberungswelle“ könnten auch geschichtsträchtige Namen von absolut integeren Personen zum Opfer fallen. Ist es nicht an der Zeit, diesem sprachlichen Irrsinn auf den Grund zu gehen? Wer sind die Leute, die diesen Unsinn befeuern, noch dazu in einer Zeit, in der sich diese Welt vor massiven Problemen und Krisen kaum noch retten kann?

Michael Deil, Bargteheide

Fairness und unbedingte Treue

Warum muss ein Kinderbuch die Wahrheit darstellen? Ich habe von Winnetou als „Stereotype“ nur seine Fairness, seine Hilfsbereitschaft und seine unbedingte Treue im Gedächtnis behalten. Seien wir ehrlich: So waren die Menschen der indigenen Völker Nordamerikas (ich nenne sie Indianer) auch nicht immer. Alles muss immer politisch korrekt sein? Damit löst niemand die heutigen Probleme indigener Völker. Wer den Film „Der mit dem Wolf tanzt“ gesehen hat, sollte zufrieden sein: Das Ende zeigt hart an der Wahrheit die Vertreibung von Indianern aus ihren angestammten Gebieten in unwirtliche Gegenden. Gut so! Aber es muss weiß Gott jetzt nicht jedes Medienwerk „die ganze grausame Wahrheit“ zeigen – und ein Kinder-Märchenbuch schon gar nicht. Kinder und Jugendliche sind nicht so dumm, dass sie die tatsächliche Geschichte nicht begreifen, wenn man sie ihnen gezielt nahebringt. Ich gehe so weit zu sagen, dass sie beim Lesen wissen, dass der junge Häuptling Winnetou eine Fiktion ist. Mir war das als Kind beim Lesen der Karl-May-Bücher jedenfalls klar. Stereotype? Kulturelle Aneignung? Ich hoffe, dass man es Uwe Kockisch verzeiht, dass er als Deutscher den „Commissario Brunetti“ in Venedig gespielt hat. Und dass man Donna Leon nicht mit Hass überzieht, weil in den Krimis der Eindruck entstehen könnte, Venedig sei voller Mörder und Mafiosi (genau wie Hamburg, Stralsund, Stuttgart, Konstanz, Salzburg, und wie die Sokos und Tatorte alle heißen).

Kai Rickertsen

Ein Zeichen setzen!

Es wird immer irgendjemanden geben, dessen Gefühle durch irgendetwas verletzt werden. Wer suchet, der findet, und am Ende ist es ja auch eine Auslegungssache. Es ist wieder einmal eine Minderheit, die hier unbedingt etwas hereindeuten möchte. Dieses Kinderbuch ist eben für Kinder gedacht und soll, wie es Kinderbücher so an sich haben, vor allem Spaß machen, es zu lesen. Welches Kind denkt dabei bitte an die koloniale Vergangenheit? Winnetou ist eine Abenteuergeschichte, ein Märchen. Genauso wie z. B. die James-Bond-Filme Märchen sind. Müssen jetzt erst alle Autoren und Filmemacher überlegen, wie sie ihre Bücher oder Filme betiteln, welche Gefühle eventuell verletzt werden könnten? Gar nicht auszudenken! Der Verlag hätte dieser Kritik standhalten müssen, um für alle Autoren und Filmemacher ein Zeichen zu setzen. Langsam aber sicher reicht es!

Susanne Lüders

Herr Kühne hat recht

23. August: „Kühne warnt vor Wüstefelds Plänen. Der Investor fordert indirekt eine neue HSV-Führung“

Herr Kühne hat recht mit seiner Beurteilung der Managementqualität. Es zeigt sich seit Jahren, dass im Vorstand ständig nur die eigenen Profilierungsgedanken im Vordergrund stehen und nicht die Interessen des HSV. Mit der Agenda Mutzel haben die Herrschaften ihre Unfähigkeit bewiesen. Die Auffassung Herrn Wüstefelds, seine zweifelhaften Geschäftsverhältnisse hätten keinen Einfluss auf sein Vorstandsmandat, und die Verflechtung mit Janssen täte nichts zur Sache, zeigt die mangelnde Ethik dieser Herren. Hinfort mit ihnen. Herr Kühne hat mit seinem Imperium gezeigt, dass er kompetent ist in Wirtschaftsfragen. Man sollte seine Angebote ernst nehmen und zugleich seriöse, engagierte und nur dem HSV verpflichtete Managementgrößen akquirieren. Wie will man sonst Vorbild für die ohnehin schon viel zu verhätschelten Jungprofis sein können. Vorstand verkleinern, Aufsichtsrat professionalisieren.

Beat J.T. Sanne

Der Respekt vor der Natur fehlt

22. August: „Schwanenvater Nieß: Hier ist die Alsternatur bedroht. Intensive Nutzung gefährdet sensible Lebensräume“

Schwanenvater Nieß bemängelt zu Recht die Zustände an den Uferböschungen der Alster. Natur und Vogelwelt sind durch die Rücksichtslosigkeit vieler Bürger, die glauben jede Böschung am Ufer der Alster als Ab- und Anlegestelle für SUP oder Gummiboote nutzen zu können, bedroht. Gut gemeinte Appelle der Wasserschutzpolizei oder aber von Schwanenvater Nieß werden da wenig nützen, der nötige Respekt und Gleichgültigkeit fehlt vor der Natur. Leider ist es der Behörde für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft (Abt. Amt für Naturschutz und Grünplanung) seit Jahren nicht möglich, für eine nachhaltige Ordnung am Alsterufer zu sorgen. Als Beispiel sei hier die Uferböschung an der Kuhmühle/Eilbek genannt, hier liegen seit nunmehr über zwei Jahren mehr als 60 wild abgelegte und vergammelte SUP, Kanus und Reste von Gummibooten. Nach Auskunft der Behörde fehlen hierfür das nötige Personal und die finanziellen Mittel.

Gert-Rüdiger Wüstney

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