Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 23. August 2022

| Lesedauer: 8 Minuten

Folge der Mietpreisbremse

22. August: „Indexmieten – derzeit eine böse Falle. Diese Mietverträge sind an Inflation gekoppelt. Rot-Grün will Reform mit Kappungsgrenze“

Die zunehmende Verbreitung von Indexmieten ist Folge der Mietpreisbremse. In zentralen Vierteln, in denen die marktübliche Miete meist über Mietenspiegel liegt, ist eine Indexmiete die einzige Möglichkeit, Mieterhöhungen für eine bereits über Mietenspiegel plus zehn Prozent liegende Vormiete durchführen zu können – Staffelmieterhöhungen sind wegen der Mietpreisbremse für längere Zeit nicht möglich. Das zweite Problem ist der für ganz Hamburg einheitliche Mietspiegel. Für Sternschanze und Ottensen gelten die gleichen Mieten wie für Altengamme, Cranz und Langenhorn. Die Unterteilung in „gute“ und „normale“ Wohnlage hilft wenig, da die zentralen Viertel wegen Dichte, Lärm und wenig Grün häufig nur „normal“ sind. Beispiel: eine 95-m²-Wohnung Baujahr 1975 in normaler Wohnlage darf (wenn nicht eine höhere Vormiete vorliegt) aufgrund der Mietpreisbremse für maximal 7,48 EUR/m² (Oberwert Mietenspiegel plus zehn Prozent) neu vermietet werden – das gilt auch mitten im Zentrum, wo viele Interessenten froh wären, die Wohnung für das Doppelte zu bekommen. Viele private Vermieter – so auch ich – verzichten in laufenden Mietverhältnissen weitgehend auf Mieterhöhungen oder vereinbaren sehr moderate Mietstaffeln (quasi als „Treueprämie“ für langjährige Mieter) und erhöhen erst bei Mieterwechsel auf die marktübliche Miete. Dies ist in zentralen Lagen wegen der Mietpreisbremse kaum noch möglich, der mieterfreundliche Vermieter ist der Dumme und wählt ab jetzt die Indexmiete, um wenigstens die Vormiete über die Inflation zu retten.

Markus Nowoczyn

Fressmeile und Musiklärm

22. August: „Cruise Days tauchen den Hafen in Blau. Kreuzfahrt-Festival dieses Jahr kleiner – 135.000 Besucher kamen“

Ich bin bestimmt nicht der Einzige, der sich fragt, was das soll. Da schippern ein paar Schiffe herum, die mich stark an Käfighaltung von Hühnern erinnern. Eine langweilige „Fressmeile“ mit sich immer wiederholendem Angebot in den immer gleichen langweiligen weißen Zelten, die man sattsam von anderen Großveranstaltungen in Hamburg kennt, aus gefühlt jedem zweiten Stand übertönt sich gegenseitig Musik„lärm“. Von den Abgasen der Schiffe will ich erst gar nicht anfangen.

Michael Björnson

Mit zweierlei Maß gemessen

Wenn die Kasse klingelt, dann gelten wie so oft andere Regeln. Oder wie soll man die Energieverschwendung für den „Blue Port“ begreifen? Während die Bürger des Landes allerorten zum Energiesparen angehalten werden, erstrahlt Hamburgs Hafen in Festbeleuchtung! Es gilt die alte Weisheit: Wasser (den Bürgern) predigen und selbst Wein trinken!

Martin Wucherpfennig

Chaos am Hauptbahnhof

20./21. August: „Pendler aus dem Süden brauchen starke Nerven. S-Bahnen und Metronom fahren nur eingeschränkt – das führt zu extrem langen Fahrzeiten“

Ich möchte Ihnen widersprechen: Es sind nicht nur die Pendler, die starke Nerven brauchen, wenn sie die DB nutzen wollen. Das gilt für alle Bahnreisenden, wobei ich besonders die gebrechlichen und ortsunkundigen hervorheben möchte. Da ich am Freitagnachmittag selbst im Hauptbahnhof eine Bekannte vom ICE abholen wollte, habe ich aufgrund der Zugverspätung hautnah erleben dürfen, welch Chaos herrschte. Da rannten Fahrgäste mit ihrem Gepäck von einem Bahnsteig zum anderen, weil plötzlich ihr Zug dorthin verlegt wurde, und die Lautsprecherdurchsage, in dem Gewühl kaum zu verstehen, nur wenige Minuten vor Abfahrt des Zuges kam. Da standen wütende und enttäuschte Reisende mit Fahrrad, die wegen voller Züge nicht mitgenommen wurden. Da standen verzweifelte ältere Menschen orientierungslos in der Halle, weil der Fahrstuhl zum Bahnsteig kaputt war und sie ihren Koffer kaum selber tragen konnten. Im Stillen habe ich ihren Mut bewundert, sich überhaupt auf den übervollen Bahnsteig wagen zu wollen. Während meiner Wartezeit war nicht ein einziger Zug pünktlich. Die ganze Situation machte auf mich einen absolut unkoordinierten und planlosen Eindruck. Ich gehöre zu der Generation, die analog Eisenbahn fahren durfte, als die Weichen im Stellwerk und die Anzeigetafeln auf den Bahnsteigen noch von Hand betätigt wurden. Die Züge fuhren pünktlich ab und sie kamen, wenn nicht gerade katastrophale Wetterbedingungen herrschten, weitestgehend pünktlich an. Da machte der Fahrplan noch Sinn. Heute fährt die Angst mit, den Anschlusszug nicht erreichen zu können. Man kann der DB nur wünschen, dass sie möglichst bald wieder zu ihrem Werbeslogan aus vergangenen Zeiten findet: Die Bahn fährt immer...

Wolfgang Fluhr, Hamburg

Rote Karte für den Senat

20./21. August: „Der Süden ist abgehängt. Am Pendlerchaos zeigt sich, wie fatal es ist, Teile der Stadt zu ignorieren“

Der Autor hat mit seinen Artikeln zur Verkehrsanbindung des Hamburger Südens absolut recht. Der rot-grüne Senat, federführend der Verkehrssenator, haben den Süden Hamburgs und das Einzugsgebiet nicht auf dem Radar. Vielleicht liegt es daran, dass der Senat sich nicht erinnert, dass Harburg seit 1937 zu Hamburg gehört, oder ist es Willkür oder Unfähigkeit oder beides? Es ist eine Zumutung, wie der Süden vom Senat behandelt wird. Will man doch, dass mehr Menschen den öffentlichen Nahverkehr nutzen. So nicht lieber Senat, bitte aufwachen! Nur an Altona und Eimsbüttel zu denken, weil dort viele Bürger die Grünen wählen, ist zu kurz gesprungen. Es wird Zeit dem Senat die rote Karte zu zeigen.

Uwe Ihde

Elbtower – Tor zu Hamburg?

Schon 20 Jahre vor dem Groß-Hamburg-Gesetz von 1937 zu Hamburg gab es Planer mit Weitblick. Bereits mit der Freihafenelbbrücke dachten sie an den Sprung über die Elbe, indem sie Vorkehrungen für eine U-Bahn berücksichtigten. Seit Ende des Zweiten Weltkrieges gelang es seit nun fast 80 Jahren nicht, diese Gedanken wieder aufzugreifen und wirkungsvoll umzusetzen. Es ist auch nicht zu erkennen, dass sich das absehbar ändert. So hat es aus meiner Sicht den Anschein, als ende Hamburg in den Köpfen der Planer und Politiker immer noch am nördlichen Ufer der Elbe. Am deutlichsten erkenne ich es daran, dass für sie der Hamburg-Tower einmal das Tor zu Hamburg markieren soll. Eine sehr verkürzte Denkweise, die sich in den Köpfen festgesetzt hat. Das sind düstere Aussichten für den ÖPNV im Süden Hamburgs, der nach dieser Lesart vor den Toren seiner eigenen Stadt liegt.

Klaus Mathew, Wilhelmsburg

Super Einblick in die Situation

20./21. August: „Inklusionshelfer auf vier Pfoten. Assistenzhunde sind treue Begleiter. Sie auszubilden ist der Job von Sylvia Gerdes“

Großartig, dass sich das Hamburger Abendblatt mit der Aktion „Hamburger Abendblatt hilft“ auch dieser Gruppe in unserer pluralistischen Gesellschaft annimmt. Schwer genug haben es Behinderte ohnehin, ganz gleich, welches Thema wir ansprechen, ob Inklusion, Mobilität, Barrierefreiheit, Pflege, Mitgefühl oder – ganz wichtig – finanzielle Hilfen. Sowohl der Artikel „Inklusionshelfer auf vier Pfoten“ als auch der erwähnte Podcast geben einen super Einblick in die spezielle Situation dieser unserer Mitmenschen und der damit verbundenen Probleme. „Hamburger Abendblatt hilft“ greift hier ein Thema auf, das nicht so sehr im Fokus der vielen finanziellen Hilfsaktionen steht, die von den verschiedensten Vereinen, Organisationen und Einzelpersonen erbracht werden.

Nick Nissen und Heidi Reuter, Hamburg

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